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Dieses antike Wunderwerk war seiner Zeit Jahrhunderte voraus

Die älteste Rechenmaschine der Welt im Museum in Athen. ©Wikimedia/CC BY SA 4.0

Der Mechanismus von Antikythera gilt als älteste bekannte analoge Rechenmaschine der Welt. Das mehr als 2.000 Jahre alte Gerät konnte astronomische Bewegungen berechnen und unter anderem Mondfinsternisse vorhersagen.

Sensationsfund aus einem Schiffswrack

Im Jahr 1901 entdeckten Schwammtaucher vor der griechischen Insel Antikythera die Überreste eines römischen Schiffswracks. Zwischen Amphoren und Statuen fanden sie einen stark korrodierten Block aus Bronze und Holz. Erst Jahre später wurde klar, dass es sich um einen außergewöhnlichen Zahnradmechanismus handelt, der zwischen 150 und 100 v. Chr. entstanden sein dürfte.

©Wikimedia/CC BY 4.0

Heute wird das Artefakt im Nationalen Archäologischen Museum in Athen aufbewahrt. Nach bisherigen Datierungen stammt es aus dem späten 2. oder frühen 1. Jahrhundert v. Chr. und befand sich an Bord des Schiffes, als dieses sank.

Mehr als 30 Zahnräder arbeiteten zusammen

Der Mechanismus bestand aus mehr als 30 handbetriebenen Zahnrädern aus Bronze. Sie dienten dazu, die Bewegungen von Sonne, Mond und den damals bekannten Planeten nachzubilden. Mithilfe eines Systems epizyklischer Zahnräder konnten außerdem Unregelmäßigkeiten der Himmelsbewegungen berücksichtigt werden.

Auf der Vorderseite zeigte eine halb schwarz, halb weiß gestaltete Kugel die jeweilige Mondphase an. Auf der Rückseite befanden sich mehrere Skalen für den Meton-Zyklus, den Saros-Zyklus, den Kalender der panhellenischen Spiele sowie den Exeligmos-Zyklus, mit dem Vorhersagen von Finsternissen weiter verfeinert werden konnten.

Jahrzehntelange Forschung

Da die Fragmente durch den Aufenthalt im Meer stark beschädigt waren, dauerte ihre Entschlüsselung Jahrzehnte. Der Physiker Derek de Solla Price begann 1959 mit einer umfassenden Untersuchung der insgesamt 82 geborgenen Fragmente. Gemeinsam mit dem griechischen Kernphysiker Charalampos Karakalos fertigte er Röntgen- und Gammastrahlenaufnahmen an, die erstmals Einblicke in das Innere des Mechanismus ermöglichten.

Die verschiedenen Fragmente können in Athen bewundert werden. ©Wikimedia/CC BY SA 4.0

Dabei wurden 27 Zahnräder identifiziert, einige davon mit bis zu 127 beziehungsweise 235 Zähnen. Die hohe Präzision des Geräts gilt bis heute als außergewöhnlich. Google widmete dem Mechanismus deshalb im Jahr 2017 ein eigenes Doodle.

Funktionsfähigkeit bleibt umstritten

Trotz intensiver Forschung sind nicht alle Fragen geklärt. Simulationen von Tony Freeth und Alexander Jones ergaben, dass der Marszeiger um bis zu 38 Grad von den tatsächlichen Berechnungen abweichen konnte. Die Forscher führen diese Ungenauigkeit auf die damaligen astronomischen Kenntnisse und nicht auf die Fertigungsqualität zurück.

Eine neuere Studie kommt dagegen zu dem Schluss, dass bereits geringe Fertigungsfehler dazu geführt haben könnten, dass der Mechanismus blockierte oder Zahnräder durchrutschten. Damit bleibt offen, ob das Gerät im Alltag vollständig funktionsfähig war oder eher als komplexes Demonstrationsmodell diente.

Faszination bis heute

Der Mechanismus von Antikythera beschäftigt Wissenschaftler bis heute. Weltweit entstehen maßstabsgetreue Nachbauten für Forschung und Lehre, darunter auch das mexikanische Projekt "Monumentaler Mechanismus von Antikythera", das für Ausbildungszwecke entwickelt wurde.

Für den Forscher Raúl Pérez Enríquez zeigt das Artefakt vor allem das damalige Weltbild der Griechen: "Es ist das Universum der Antike, gesehen aus einer neuen Perspektive, mit der Erde im Zentrum und den Planeten, die sie umkreisen, genauso, wie es sich die Griechen vor mehr als zwei Jahrtausenden vorstellten."

(VOL.AT)

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