Digitale Taschendiebe in Italien: Wie real ist die neue Betrugsangst?
Italien, Sehnsuchtsland vieler Vorarlberger Urlauber, kämpft dieser Tage nicht nur mit überfüllten Stränden, sondern auch mit einer neuen Betrugsangst. In sozialen Netzwerken kursieren Videos, die zeigen sollen, wie Frauen mit mobilen POS-Geräten unbemerkt Kreditkarten auslesen. Die Aufnahmen stammen offenbar aus Brasilien – doch die Debatte hat längst Neapel und Sorrent erreicht, darüber berichtet "20min.ch".
Zwei Fälle sorgen für Aufregung
Auslöser der jüngsten Welle waren zwei bekannt gewordene Vorfälle im vergangenen Sommer. In Sorrent soll ein Mann 50 Euro durch eine nicht autorisierte Kartenzahlung verloren haben. In Neapel wurde laut italienischen Medien eine Frau festgenommen, die ein mobiles Bezahlgerät bei sich trug. Sie steht im Verdacht, kontaktlose Karten in ihrer Nähe mit Kleinbeträgen unter 50 Euro belastet zu haben – Beträge, für die üblicherweise keine PIN erforderlich ist.
Ob es sich um Einzelfälle handelt oder um eine organisierte Masche, ist unklar. Der "Corriere della Sera" stellte jüngst die Frage, ob diese Form des Diebstahls realistisch oder eher eine urbane Legende sei.
Technisch möglich – praktisch schwierig
Die Antwort fällt differenziert aus: Ja, technisch ist ein solcher Betrug nicht ausgeschlossen. Voraussetzung ist, dass das mobile Lesegerät sehr nah an die Karte herangeführt wird – oft auf wenige Zentimeter. Zudem müsste das Opfer die Nähe nicht bemerken, und das Kartenlimit für kontaktlose Zahlungen dürfte noch nicht ausgeschöpft sein.
Ein IT-Experte erklärte gegenüber italienischen Medien: "Diese Art von Betrug ist technisch nicht ausgeschlossen, aber praktisch sehr schwer umzusetzen." Das Risiko sei real, aber der Aufwand beträchtlich.
So können sich Urlauber schützen
Für Reisende gilt dennoch: Vorsicht ist besser als Nachsicht. Verbraucherschützer empfehlen einfache Maßnahmen:
- Karten nicht in Außentaschen aufbewahren
- Mehrere Karten nebeneinander tragen, um das Funksignal zu stören
- Sofortbenachrichtigungen in der Banking-App aktivieren
- Kontoauszüge regelmäßig kontrollieren
- Zertifizierte Anti-RFID-Portemonnaies verwenden
Ein einfacher, wenn auch improvisierter Tipp: die Karte in Alufolie einwickeln. Das blockiert das NFC-Signal zuverlässig.
Auch Datendiebstahl möglich
Neben der direkten Abbuchung gibt es eine weitere Variante: das sogenannte Skimming über die Kontaktlos-Funktion. Dabei werden Kartendaten ausgelesen, ohne sofort Geld abzubuchen. Mit Kartennummer und Ablaufdatum könnten Betrüger dann online einkaufen.
(VOL.AT)