Dornbirn benennt Straßen und Park um
Historische Neubewertung führt zu Änderungen
Die Stadt Dornbirn stellt mehrere öffentliche Bezeichnungen auf den Prüfstand – und zieht nun konkrete Konsequenzen. Wie die Stadt mitteilt, sollen die Ludwig-Kofler-Straße, der Hermann-Gmeiner-Weg sowie der Hermann-Gmeiner-Park neue Namen erhalten. Grundlage dafür sind Empfehlungen der Arbeitsgruppe "Bezeichnung von Verkehrsflächen", die zuletzt auch von der Stadtvertretung beschlossen wurden.
Im Zentrum steht dabei die Neubewertung historischer Persönlichkeiten. So gilt Ludwig Kofler aus heutiger Sicht als überzeugter Nationalsozialist. Eine öffentliche Ehrung durch eine Straßenbenennung sei daher nicht mehr angemessen, heißt es vonseiten der Stadt.
Erinnerung an NS-Opfer statt Täter
Künftig soll die Ludwig-Kofler-Straße in "Hugo-Lunardon-Straße" umbenannt werden. Lunardon war Gendarmeriebeamter in Dornbirn und stellte sich in den 1930er-Jahren aktiv gegen den Nationalsozialismus. Nach dem "Anschluss" wurde er verhaftet und starb 1940 im Konzentrationslager Mauthausen. Mit der neuen Bezeichnung will die Stadt bewusst an ein Opfer des NS-Regimes erinnern.
Auch im Bereich Knie steht eine Änderung an: Der bisherige Hermann-Gmeiner-Weg soll künftig "Kinderdorfweg" heißen. Damit bleibt die Erinnerung an das frühere SOS-Kinderdorf erhalten, ohne die bisherige Namensgebung fortzuführen. Hintergrund sind aufgearbeitete Missbrauchsfälle im Umfeld des Kinderdorfs und die damit verbundene kritische Neubewertung der Person Hermann Gmeiner.
Neuer Name für Parkfläche
Der Hermann-Gmeiner-Park soll ebenfalls umbenannt werden. Vorgesehen ist der Name "Selma-Mitteldorf-Park". Mitteldorf engagierte sich über Jahrzehnte in der Säuglings- und Tuberkulosefürsorge in Vorarlberg und setzte sich für die gesundheitliche Versorgung von Kindern und Familien ein. Auch sie wurde Opfer der nationalsozialistischen Rassenpolitik.
Diskussion um Kernstock-Straße bleibt offen
Intensiv diskutiert wurde zudem die Kernstock-Straße. Namensgeber Ottokar Kernstock (1848–1928) war als nationalistischer Dichter und Priester tätig und gilt aufgrund seiner völkischen Texte und ideologischen Nähe zum Nationalsozialismus als umstritten. Eine Umbenennung würde jedoch für Anrainerinnen und Anrainer erheblichen Aufwand bedeuten. Stattdessen wurde bereits eine Zusatztafel angebracht, die über die historischen Hintergründe informiert.
Stadt sieht Verantwortung in Erinnerungskultur
"Straßennamen sind Teil des öffentlichen Gedächtnisses. Deshalb ist es wichtig, sie regelmäßig zu überprüfen und dort anzupassen, wo sie nicht mehr zu unserem heutigen Verständnis von Verantwortung und Erinnerungskultur passen", sagt Bürgermeister Markus Fäßler.
Stadtplanungsstadtrat Johannes Zangerl ergänzt: "Mit den neuen Namen setzen wir ein bewusstes Zeichen. Wir würdigen Persönlichkeiten, die für gesellschaftlichen Einsatz, Menschlichkeit und Widerstand gegen Unrecht stehen. Gleichzeitig schaffen wir Klarheit im Umgang mit unserer Geschichte."
(VOL.AT)