Dornbirner Schüler sorgen für Strom auf einer Hütte in Tirol
Solarpaneele aufrüsten, verkabeln und dafür sorgen, dass eine Hütte auf 2700 Metern mit Strom versorgt wird: Was nach einem Job für Solartechniker klingt, haben Dornbirner Schüler übernommen – und dabei einiges gelernt.
Auf 2731 Höhenmetern liegt auch im Juli noch Schnee. Wer dort eine Solaranlage installieren will, braucht Ausdauer, handwerkliches Geschick und technisches Wissen. Auf genau dieser Höhe liegt die Rauhekopfhütte im Kaunertal in den Ötztaler Alpen, deren Besitzer sich dank Schülern der HTL Dornbirn über eine neue Solaranlage freuen können.
Denn die 16-jährigen Tim Bildstein, Elias Engelking und Gabriel Fenkart wohnten und arbeiteten im Juni fünf Tage lang auf der Hütte, um dort die alte Solaranlage und Stromversorgung auf den neuesten Stand zu bringen. Die Schüler besuchen den Zweig Wirtschaftsingenieurwesen mit dem Schwerpunkt Betriebsinformatik an der HTL.
Mit ihren Kollegen Vincent Kuster (18) und Mika Kaufmann (18) vom Schwerpunkt Produktmanagement und Future Tecs brachten die Schüler die neuen Solarpaneele mitsamt Schaltkasten und Batterie auf der alten Halterung vor der Hütte an.
Ausgesucht wurden sie, weil sie sich bei früheren Schulprojekten bewährt hatten: "Wir haben bei den Projekten davor eine gute Zusammenarbeit gezeigt", erzählt Engelking. Ein Hubschrauber, der sonst das Material und die Versorgung auf die Hütte fliegt, nahm die Schüler zum Saisonstart mit nach oben. Mit dabei war auch HTL-Lehrer Wolfgang Flatz, der das Projekt mit Herzblut begleitet.
Ein richtiger Job
Für die Schüler war der Aufenthalt ein richtiger Job: Sie waren bei der Tiroler Elektroplanungsfirma von Hansjörg Praxmarer angestellt, der den Auftrag vom Deutschen Alpenverein bekam. Praxmarer ist auch Lehrer an der HTL und plante mit ihnen das Projekt. Ihr Einsatz zählte als Ferialpraktikum. Verpflegung und Unterkunft waren organisiert, geschlafen wurde auf der Hütte.
Drei Teams arbeiteten fünf Tage an der Erneuerung: Eine Gruppe verlegte im gesamten Haus die Elektrik neu, brachte neue Kabel, Lichtschalter und Steckdosen an. Statt der bisherigen Zwölf-Volt-Anlage gibt es jetzt eine höhere Spannung. Ein zweites Team übernahm gemeinsam mit Flatz die Schalter und Batterien der Solaranlage.
Die dritte Gruppe montierte draußen die Halterungen für die Solarpaneele – rund sechs Stunden am Tag. Technisch ist die Anlage jetzt auf dem neuesten Stand.
Widrigkeiten meistern
Dass dabei auch etwas schiefgeht, war vorherzusehen: Die Kabel im alten Schaltkasten waren falsch beschriftet. "Wir mussten praktisch alles neu beschriften und suchen, welches Kabel gerade wohin führt", erinnert sich Tim Bildstein.
Auch körperlich war der Einsatz fordernd: Um von unten Kabel verlegen zu können, musste sich Gabriel Fenkart in enge Ecken legen, an manchen Stellen mussten Löcher durch Wände gebohrt werden. Als anstrengendste Arbeitsstelle nennen die Schüler übereinstimmend die Küche: "Da war es ziemlich heiß", sind sich die Schüler einig.
Dass ausgerechnet die Rauhekopfhütte zum Einsatzort wurde, ist Praxmarer zu verdanken, der die Hütte schon länger im Auftrag des Deutschen Alpenvereins wechselweise betreut und dort früher auch die Bewirtung übernommen hat. Weil die bestehende Solaranlage kaputt war, kam der Kontakt gerade recht.
Zukunftsweisend
Ob der Einsatz den Weg für eine Karriere in dieser Richtung ebnet, ist noch nicht entschieden. Die drei jüngeren Projektmitglieder stehen erst im dritten Jahr ihrer Ausbildung und haben nach den Sommerferien noch zwei Jahre an der HTL vor sich.
Eine Richtung zeichnet sich aber ab: Einer möchte eher handwerklich arbeiten, ein anderer bleibt der Software treu, hat an der Handarbeit aber ebenfalls Gefallen gefunden. Ein weiteres Projekt, das sich daraus ergeben könnte, schwirrt schon in den Köpfen der Schüler – Genaueres wollen sie aber noch nicht verraten: Es sei noch nicht spruchreif.
(VOL.AT/Isabel Lochbühler)