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Ein Großstadttrend findet im Ländle seine eigene Form

©Slow Pace Society
Sie starten gemeinsam, laufen ohne Leistungsdruck und zahlen nichts. Warum das funktioniert, zeigt sich oft erst danach.

Sie gehören in Metropolen längst zum Stadtbild. Morgens vor der Arbeit, abends nach Feierabend, oft mehrmals täglich. Man trifft sich unverbindlich zum gemeinsamen Laufen, ganz ohne Wettkampfgedanken.

Was in Wien oder Berlin selbstverständlich ist, schwappt nun spürbar nach Vorarlberg über. Einer, der diesen Trend der Runclubs aktiv ins Land holt, ist Sebastian Ganahl, Gründer der "Slow Pace Society".

Gemeinsames Aufwärmen gehört ebenso dazu. ©Slow Pace Society

"Ich habe gemerkt, dass viel Nachfrage da ist, aber fast niemand etwas macht, niemand größer denkt", sagt der 29-Jährige. Der erste Lauf fand am 11. April in Feldkirch statt. Das Interesse war groß. "Gleich bei unserem ersten Lauf waren 20 Leute mit dabei", freut sich der Feldkircher.

Laufen, reden, ankommen

Das Konzept ist bewusst niederschwellig gehalten. Gestartet wird meist bei Cafés, dorthin kehren die Teilnehmer auch wieder zurück. Anschließend kommt man bei Kaffee und Snacks ins Gespräch, für die Teilnehmer ist alles kostenlos.

Jede und jeder kann ihr oder sein eigenes Tempo laufen, nach 30 Minuten wird umgekehrt. ©Slow Pace Society

Gelaufen wird ein klassischer "Out & Back"-Run: gemeinsam starten, nach rund 30 Minuten umdrehen, nach etwa einer Stunde wieder zurück sein. So kann jede und jeder ihr oder sein eigenes Tempo laufen, ohne den Anschluss zu verlieren.

Das Feedback nach zwei Läufen fällt durchaus positiv aus. "Die meisten verstehen nicht, warum das gratis ist", sagt der Gründer. Seine Antwort darauf ist klar: "Es sollte nicht alles etwas kosten."

Community-Gedanke im Zentrum

Was die Treffen besonders macht, zeigt sich oft erst nach dem Lauf. "Beim Treffen sind alle noch recht leise, nach dem Run sprudelt es aus allen raus und alle reden miteinander", erzählt Sebastian. Genau dieser Community-Gedanke steht im Zentrum seiner Idee.

Durch die Runclubs entstehen Freundschaften. ©Slow Pace Society

Auch Menschen, die neu nach Vorarlberg ziehen, finden hier Anschluss. "Es waren viele dabei, die Runclubs aus Großstädten kennen und neu in Vorarlberg sind. Sie nutzen diese Möglichkeit, um neue Leute kennenzulernen."

Die Zahlen geben dem Konzept recht. Zu den bisherigen Terminen kamen jeweils mehr als 20 Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Zwei Runs fanden schon statt, zwei weitere sind bereits geplant. Am 25. Mai erneut in Feldkirch, am 30. Mai dann zum ersten Mal in Bregenz.

Sebastian Ganahl holt den Großstadttrend nach Vorarlberg. ©Privat

Ausbau schon geplant

Die Entwicklung überrascht selbst die Organisatorinnen und Organisatoren. "Die Nachfrage war bisher echt überraschend groß und wir merken, dass das Thema Community-Sport in Vorarlberg gerade extrem gut angenommen wird."

Dabei soll es nicht beim Laufen bleiben. Geplant sind zusätzliche Angebote wie gemeinsame Workouts, Trailruns, Outdoor-Trainings, Schwimmen im Baggersee oder Bodensee sowie Mobility- und Yoga-Sessions im Park.

Der 29-Jährige kennt das Modell aus eigener Erfahrung. "Ich habe eine Zeit lang in Wien gewohnt und mitbekommen, dass es das gibt. Dort kann man vier- bis fünfmal am Tag so was machen." Für ihn war klar: "Das braucht es auch im Ländle."

Rund eine Stunde wird gelaufen, trotzdem bleiben viele länger. ©Slow Pace Society

Zwischen Kaffee und Community

Sein Vorhaben zeigt, wie sich ein urbaner Trend an regionale Gegebenheiten anpassen lässt. Statt Anonymität steht Nähe im Vordergrund, statt Leistungsdruck das gemeinsame Erlebnis.

Was in Großstädten längst Alltag ist, wird in Vorarlberg gerade erst entdeckt. Und trifft offenbar einen Nerv.

(VOL.AT)

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