Wenn am Samstag um 19 Uhr in der Feldkircher Reichenfeldhalle das erste Ländle-Derby der Saison in der WHA-Meisterliga angepfiffen wird, ist Handball-Leidenschaft garantiert und das nicht nur auf dem Spielfeld. Spannung, Emotionen und eine gut gefüllte Halle sind vorprogrammiert, wenn der HC BW Feldkirch und der SSV Dornbirn Schoren zum 39. Mal in der höchsten Spielklasse aufeinandertreffen.
Seit dem Aufstieg der Feldkircherinnen im Jahr 2005 steht dieses Duell für Rivalität und Spiele mit eigener Dynamik, in denen Tabellenstände oft nur eine untergeordnete Rolle spielen. Das erste Aufeinandertreffen am 1. Oktober 2005 entschieden die SSV-Girls mit 40:32 für sich, 25 Jahre später ist die Geschichte dieses Klassikers so offen wie selten zuvor.
Aus beiden Perspektiven
In bislang 38 Duellen feierten beide Vereine jeweils 17 Siege, dazu kommen vier Unentschieden. Der Sieger des aktuellen Derbys könnte sich damit nicht nur über zwei wichtige Punkte freuen, sondern sich wenige Tage vor Weihnachten auch die Führung in der Derbystatistik sichern.
Bei den Feldkircherinnen ist Julia Bohle die einzige Akteurin im aktuellen Kader, die bereits für Dornbirn auflief. Die Rückraumspielerin begann ihre Handballlaufbahn in der Messestadt, blieb dem Verein über zehn Jahre treu und fand über Bregenz schließlich den Weg nach Feldkirch. "Es ist immer etwas Besonderes. Ich habe in Dornbirn das Handballspielen gelernt, Freundschaften geknüpft und dort viele Jahre verbracht. Gegen den Verein zu spielen, bei dem man groß geworden ist, bleibt speziell", so die 25-Jährige.
Dass die Bilanz völlig ausgeglichen ist, war für Bohle bislang kein Thema. "Von der Statistik habe ich noch nie gehört", lacht sie. "Aber ein Derby hat immer eigene Regeln." Der Blick auf die Tabelle spricht derzeit für die Montfortstädterinnen: Mit zwölf Punkten aus acht Spielen liegt Feldkirch auf Rang fünf und ist in der heimischen Halle bislang ungeschlagen. "Wir haben mit Vanessa Torda eine überragende Torfrau und treten aktuell als geschlossene Einheit auf", blickt Bohle dem Derby optimistisch entgegen.
Seitenwechsel mit Brisanz
Auf Dornbirner Seite sorgen drei Rückkehrerinnen für zusätzliche Brisanz: Chiara Sieber, Sarah Wolf und Lara Götze trugen noch in der vergangenen Saison das Blau-Weiße Trikot. Besonders im Fokus steht die erst 18-jährige Sieber, die im Sommer bewusst auf der Suche nach einer neuen Herausforderung zum Lokalrivalen wechselte. "Bei beiden Teams gespielt zu haben, bringt für mich einen ganz persönlichen Faktor in dieses Derby", sagt sie. "Alte Mitspielerinnen diesmal als Gegnerinnen wiederzutreffen, wird speziell."
Der Wechsel sei für sie der nächste logische Schritt gewesen. "Ich bin noch jung und wollte eine neue Challenge. Das Projekt mit dem klaren Fokus auf junge Spielerinnen hat mich überzeugt. Außerdem ist es schön, wieder mit meiner Schwester Alissa zusammenspielen zu können." Einen möglichen Erfolg im Prestigeduell ordnet sie ganz hoch ein: "Ein Derbysieg ist der schönste der Saison und es wäre toll, gleich mein erstes Derby mit Dornbirn zu gewinnen."
Ein Spiel mit eigenen Gesetzen
Während Feldkirch mit breiter Brust ins Derby geht, reist Dornbirn mit drei Punkten aus zehn Spielen als Tabellenvorletzter an. Doch die jüngere Derby-Geschichte zeigt, wie wenig Aussagekraft Tabellenstände haben: In der Vorsaison setzte sich jeweils das Heimteam durch. Zunächst siegten die Messestädterinnen im Herbst knapp mit 29:28, im Frühjahr dieses Jahres revanchierten sich die Feldkircherinnen mit einem 31:27-Erfolg in der Reichenfeldhalle. Nach 38 Duellen ist damit weiterhin alles offen, beide Vereine halten bei jeweils 17 Siegen. Mehr Ausgeglichenheit geht kaum.
(VOL.AT)