Lars Nussbaumer begleitet den Neustart bei SW Bregenz aus einer besonderen Rolle heraus
In diesem Sommer hat sich nahezu alles verändert. 22 Spieler haben den Verein verlassen, 16 Neuzugänge, vier davon aus Japan, sind gekommen. Dazu sorgen Investor Takashi Okuri und die Kooperation mit dessen J2-League-Klub Tochigi City FC, Cheftrainer Martin Brenner und eine umfassende Professionalisierung mit neuen Strukturen für Aufbruchsstimmung am Bodensee. Einer jedoch ist geblieben: Lars Nussbaumer.
Mit 60 Pflichtspielen für SW Bregenz ist der 25-jährige Bregenzerwälder der dienstälteste Spieler im aktuellen Kader. Gemeinsam mit Dragan Marceta und Damian Maksimovic zählt er zu den letzten drei Vorarlbergern im Team, insgesamt stehen überhaupt nur noch acht Spieler aus der Vorsaison im Aufgebot. Aus einem Stammspieler ist damit plötzlich einer der wichtigsten Orientierungspunkte einer Mannschaft geworden, die sich praktisch neu erfinden muss.
Verantwortung wächst automatisch
Eine Rolle, die Nussbaumer selbst mit einem Schmunzeln betrachtet. "Es ist schon ein gutes Gefühl. Ich kenne den Verein, die Mitarbeiter und die Abläufe. Man weiß einfach, wie hier alles funktioniert." Gerade in einer Mannschaft mit so vielen neuen Gesichtern brauche es Spieler, die den Verein kennen. "Darauf bin ich schon stolz."
Nach einer Saison zum Vergessen mit lediglich drei Siegen aus 28 Ligaspielen stellte sich allerdings auch für ihn die Frage, ob er den eingeschlagenen Weg überhaupt weitergehen möchte. Seine Vertragsverlängerung kam deshalb nicht über Nacht zustande. "Ich habe mir schon Zeit gelassen.
Nach so einer Saison muss man sich überlegen, welcher Schritt der richtige ist." Am Ende überwog aber die Hoffnung. "Ich habe mir gedacht: Es kann eigentlich nur besser werden. Ich wollte dem Projekt einfach eine Chance geben und helfen, wieder neues Feuer in den Verein zu bringen."
Dass sich seine Rolle verändert hat, spürt der Mittelfeldspieler heute täglich. Auf dem Platz habe sich wenig geändert, Verantwortung habe er immer übernehmen wollen. Abseits des Rasens sei sie allerdings größer geworden. "Wenn jemand weder Deutsch noch Englisch spricht, musst du gewisse Dinge übernehmen." Die Neuzugänge wüssten, dass er den Verein kenne. "Wenn etwas ist, kommen sie schon zu mir."
Neue Kultur, neuer Schwung
Auch kulturell hat sich vieles verändert. Besonders die vier Japaner Peter Kwame Aizawa, Yusei Shima, Genta Omotehara und Keita Saito bringen neue Impulse. "Ich kann das mit nichts vergleichen, was ich bisher erlebt habe", sagt Nussbaumer. "Ich habe schon mit Brasilianern oder Afrikanern zusammengespielt, aber das ist noch einmal etwas anderes."
Besonders imponiert ihm ihre positive Art. "Es ist immer ein Lächeln dabei. Pessimismus erlebt man eigentlich nie." Japanisch habe er allerdings noch keines gelernt, gibt er zu: "Ich kann ein bisschen Portugiesisch, das hilft bei den Brasilianern. Bei den Japanern bleiben wir aber vorerst bei Englisch", lacht er.
Dass der Umbruch bislang auch sportlich funktioniert, zeigen fünf Siege und ein Remis aus sechs Testspielen sowie der sichere Aufstieg in die zweite ÖFB-Cup-Runde. Euphorie möchte Nussbaumer dennoch vermeiden. "Der Umbruch war notwendig. Wäre der Großteil der Mannschaft geblieben, wäre die Gefahr groß gewesen, wieder in alte Muster zu verfallen." Sein Ziel formuliert er bewusst bodenständig: ein einstelliger Tabellenplatz. Nach dem größten Umbruch der jüngeren Vereinsgeschichte weiß ausgerechnet einer der wenigen Verbliebenen, dass Geduld derzeit wohl die wichtigste Tugend bei den Schwarz-Weißen ist.
(VOL.AT)