Wenn andere noch schlafen, beginnt für Sabine Vetter der Arbeitstag. Während sich der Schnee vom Vortag über Nacht in eine tückische Eisschicht verwandelt, ist die Zeitungszustellerin in Lustenau bereits unterwegs. VOL.AT hat sie auf ihrer Tour begleitet.
Gefährliche Mischung aus Tauwetter und Frost
Das Problem beginnt jeden Tag von Neuem: Tagsüber taut der Schnee, in der Nacht gefriert er wieder. Für Zustellerinnen und Zusteller bedeutet das: spiegelglatte Straßen, eisige Hauseingänge. "Im Moment ganz schwer", sagt Sabine Vetter. Zwischen 2.30 und 3 Uhr früh startet sie ihre Runde, holt die Zeitungen am Abladeplatz ab und bringt sie Haus für Haus an ihren Bestimmungsort. Bis spätestens 6.30 Uhr müssen die VN und Neue im Briefkasten liegen. Trotz der rutschigen Bedingungen war sie am Tag des Interviews kurz nach sechs Uhr fertig.
Straßen wie diese seien keine Ausnahme. Oft liege über allem eine geschlossene Eisdecke.
Stürze sind keine Ausnahme
Wie real die Gefahr ist, hat Vetter selbst erlebt. Vergangenen Freitag ist sie gestürzt. Glück im Unglück: Sie kam mit Prellungen davon, die betroffene Stelle schwoll stark an. Bei Kolleginnen und Kollegen sei es schon schlimmer ausgegangen: "Die haben sich schon Rippen gebrochen oder sind auf den Kopf gefallen", erzählt sie. Verletzungen seien einer der Hauptgründe dafür, dass es im Winter regelmäßig zu Ausfällen komme.
Viele Zustellerinnen und Zusteller sind mit ganz normalen Winterschuhen unterwegs – auch Vetter. Besonders gefährlich seien ungeräumte oder nicht gestreute Gehwege und Hauseingänge. In den frühen Morgenstunden, wenn noch niemand unterwegs ist, sei besondere Vorsicht geboten. Trotzdem huscht sie routiniert die Eingänge rauf und runter – auch bei Minusgraden und spiegelglatten Stufen.
Streudienst beginnt später
Zu der Uhrzeit, in der Vetter unterwegs ist, ist der Winterdienst meist noch nicht aktiv. Gestreut werde frühestens ab fünf oder halb sechs Uhr – zuerst auf den Hauptstraßen, später in den Nebenstraßen. Bis dahin bleiben viele Wege ungesichert. Vetter spricht von einer "puren Eisschicht".
Mit der kalten Jahreszeit verschärft sich die Situation weiter. Stürze, Autopannen und wetterbedingte Verzögerungen führen dazu, dass Zustellerinnen und Zusteller häufiger ausfallen oder verspätet dran sind. Der Winter sei jedes Jahr eine besondere Herausforderung – für alle, die dafür sorgen, dass die Zeitung morgens pünktlich im Postkasten oder vor der Haustür liegt.
(VOL.AT)