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Elf Prozent der Vorarlberger Betriebe überlegen Verlagerung ins Ausland

Ein regional tätiges Bauunternehmen wird in der Regel seine Arbeitsplätze nicht ins Ausland verlagern.
Ein regional tätiges Bauunternehmen wird in der Regel seine Arbeitsplätze nicht ins Ausland verlagern. ©wpa
In Vorarlberg überlegen elf Prozent der Betriebe, innerhalb der nächsten drei Jahre einzelne Geschäftsbereiche oder größere Prozesse bzw. Projekte ins Ausland zu verlagern.

Das zeigt der Austrian Business Check des KSV1870 – damit liegt das Ländle unter dem Österreichschnitt (Anm. d. Red.: Der österreichweite Durchschnitt liegt hier bei 17 Prozent), was aber nicht zu falschen Schlüssen führen darf – denn die Umfrage ist deutlich breiter aufgestellt als die Umfragen der Industrie – der Verlagerungsgedanke ist offenbar auch außerhalb der Industriebetriebe angekommen.

In Vorarlberg nahmen an der Umfrage 50 Unternehmen quer durch alle Branchen und Betriebsgrößen teil, im gesamten Bundesgebiet waren es an die 1.100 Firmen. Hierbei muss in Bezug auf Vorarlberg berücksichtigt werden, dass an der Umfrage nach Angaben des KSV1870 keine großen Industriebetriebe teilgenommen haben – im Gegensatz zur Beteiligung der Industrie in anderen Bundesländern. In Vorarlberg veröffentlichen Industriebetriebe ihre Stimmungslage bekanntlich immer in regelmäßigen Konjunkturumfragen wie eben erst.

Nathaniel Heinritz, der Leiter des KSV1870 Vorarlberg, sagte auf wpa-Anfrage, dass der Austrian Business Check ganz bewusst deutlich breiter ausgelegt sei und sich nicht nur auf die Industrie konzentriere. "Damit bekommen wir gesamtwirtschaftlich gesehen ein besseres Stimmungsbild", so Heinritz. Denn ein Wirtschaftsraum bestehe eben aus sehr vielen unterschiedlichen Akteuren. Dazu gehören neben der Industrie etwa auch Tourismusbetriebe, Dienstleister oder Handwerks- und Gewerbebetriebe.

Kein Signal der Entwarnung

Dass die Verlagerungsbereitschaft ins Ausland in Vorarlberg gemäß dieser Umfrage offenbar niedriger liege, sei allerdings kein Signal der Entwarnung. "Hier fehlen wie gesagt die großen Industriebetriebe mit hohen Energiekosten, sehr vielen Beschäftigten und viel internationaler Konkurrenz. Ein Tischler, ein Elektriker, ein Grafik-Büro, ein regional tätiges Bauunternehmen oder ein Lebensmittelhändler verlagern ihre Jobs nicht ins Ausland, weil ihre Kundschaft und ihre Konkurrenz in der Regel hier in Vorarlberg sind", sagt Heinritz.

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Dass aber auch außerhalb der international tätigen Industrie mehr als zehn Prozent der Vorarlberger Betriebe Verlagerungsgedanken haben, dürfe als Gefahr für den Standort nicht unterschätzt werden.

60 Prozent erachten gegenwärtige wirtschaftliche Situation als gut bis sehr gut

Ein "etwas weniger tristes" Bild als im übrigen Österreich und als die reine Industriekonjunktur zeigen auch die Antworten auf die Frage, wie die Vorarlberger Betriebe ihre gegenwärtige wirtschaftliche Lage einschätzen, sagt Heinritz. "Hier haben wir 60 Prozent der Firmen, die das mit ‚Gut‘ oder ‚Sehr gut‘ angeben." Damit liege man deutlich über den Österreich-Werten mit 48 Prozent und zusammen mit Oberösterreich auf dem ersten Platz. "Es bedeutet umgekehrt aber auch, dass 40 Prozent der Betriebe derzeit keine gute Entwicklung haben."

Auch bei dieser Frage müsse man beim Vergleich mit dem österreichischen Durchschnitt und mit anderen Bundesländern die in Vorarlberg fehlenden Industriebetriebe im Hinterkopf behalten. Deren Stimmung ist derzeit wie berichtet deutlich schlechter.

Umfrage zweimal pro Jahr

Beim Austrian Business Check befragt der KSV1870 zweimal pro Jahr Unternehmen in Österreich, wie es um ihre wirtschaftliche Situation bestellt ist. Die aktuelle Umfrage, die zusammen mit dem Markt- und Meinungsforschungsinstitut Marketagent durchgeführt wurde, fand im März 2026 statt.

(wpa/gübi)

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