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Elterntaxis vor Schulen: Warum sie den Schulweg unsicherer machen

Autos, Hupen, Kinder zwischen Fahrzeugen – vor vielen Schulen spielt sich jeden Morgen das gleiche Bild ab. Eltern wollen ihre Kinder schützen – doch genau das macht den Schulweg gefährlicher.

Kurz vor 8 Uhr bei der Volksschule Dornbirn-Haselstauden: Viele Eltern bringen ihre Kinder gleichzeitig mit dem Auto zur Schule. Vor Ort ist spürbarer Zeitdruck zu beobachten, mehrere Eltern wirken angespannt, während sie versuchen, möglichst nahe am Eingang zu halten. Die Folge ist ein hohes Verkehrsaufkommen, das die Straßen rund um die Schule stark belastet.

Die Situation wiederholt sich täglich. Die Straßen rund um das Schulgebäude sind für diese Verkehrsdichte nicht ausgelegt, zudem fehlen Parkmöglichkeiten. Zwischen Fahrzeugen, teilweise blockierten Gehwegen und Kindern, die zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs sind, entstehen unübersichtliche Situationen.

"Es ist mir zu gefährlich"

Zwei Mütter schildern, wie sie die Situation vor der Volksschule Haselstauden erleben.

Manuela Graf aus Dornbirn belastet die Verkehrssituation enorm. ©@VOL.AT

Manuela Graf aus Dornbirn ist Mutter eines 8-jährigen Sohnes. Sie bringt ihn täglich mit dem Auto zur Schule, da sie anschließend zur Arbeit fährt. "Die Parkplatzsituation ist eine Katastrophe", sagt sie. "Aber an der Hauptstraße ist so viel Verkehr, es ist mir zu gefährlich, meinen Sohn alleine gehen zu lassen." Immer wieder beobachtet sie, dass Autofahrer unaufmerksam seien. "Ich habe Angst, dass meinem Sohn etwas passiert. Viele übersehen die Kinder."

Lucia Köb aus Dornbirn bringt ihren Sohn täglich mit dem Fahrrad zur Schule. ©@VOL.AT

"Wir werden das viel üben"

Lucia Köb aus Dornbirn verzichtet bewusst auf das Auto und nutzt stattdessen das Fahrrad. "Mein Sohn ist in der ersten Klasse. Ich bringe ihn jeden Tag mit dem Rad und hole ihn wieder ab", sagt sie. Zur Vorbereitung auf mehr Selbstständigkeit geht sie den Schulweg auch zu Fuß mit ihm ab. "Ich denke, ab der zweiten Klasse kann er auch einmal alleine gehen, aber wir werden das viel üben. Wegen der unübersichtlichen Situationen werde ich anfangs mit Abstand hinter ihm gehen."

Martin Pfanner vom Kuratorium für Verkehrssicherheit. ©Mathis Fotografie

Experte: "Elterntaxis machen Schulweg unsicherer"

Für Martin Pfanner vom Kuratorium für Verkehrssicherheit (KFV) ist das Verhalten vieler Eltern verständlich, aber nicht immer hilfreich. "Der Schulweg ist heute nicht wesentlich gefährlicher als vor 20 Jahren. Es ist eher so, dass Eltern ängstlicher geworden sind. Durch die vielen Elterntaxis wird der Schulweg tatsächlich unsicherer", sagt er.

Der Fußweg sei eine wichtige Erfahrung: Kinder entwickeln Verkehrskompetenz, lernen Entfernungen einzuschätzen und werden selbstständiger. "Kinder, die zu Fuß in die Schule gehen, sind zudem konzentrierter und weniger aggressiv."

Gefährliche Negativ-Spirale

"Werden Kinder ständig zur Schule gefahren, fehlt ihnen die Erfahrung, sich sicher im Straßenverkehr zu bewegen. Das verunsichert Eltern zusätzlich – und führt wiederum zu mehr Elterntaxis", erklärt Pfanner.

Den Kindern werde dadurch die Chance genommen, Selbstständigkeit zu entwickeln. Gleichzeitig erhöhe das hohe Verkehrsaufkommen vor den Schulen das Risiko für alle Beteiligten.

Weniger Autos, mehr Sicherheit

Um die Situation zu entschärfen, setzen Gemeinden zunehmend auf Konzepte wie "Schulstraßen", die zu Stoßzeiten für Autos gesperrt werden, oder auf "Kiss-and-Go-Zonen". Ziel ist es, den Verkehr zu reduzieren und den Schulweg sicherer zu machen.

Für Pfanner ist klar: "Der beste Schulweg ist jener, den ein Kind mit eigenen Erfahrungen und einem wachen Blick selbst bewältigen kann."

(VOL.AT)

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