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Er lebte auf den Straßen São Paulos, saß zehn Jahre im Gefängnis und trainiert heute Jugendliche im Dreiländereck

Strobel/VOL.AT
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Cajo Bensetti hat mit seinen 37 Jahren mehr erlebt als viele Menschen in einem ganzen Leben. Vom Straßenkind auf den Straßen São Paulos über Jahre hinter Gittern bis hin zum Fußballtrainer im Dreiländereck.

Beim Treffen mit Cajo Bensetti lassen zunächst nur seine Tätowierungen erahnen, welch bewegtes Leben hinter dem 37-Jährigen steckt. Er lacht viel, ist auffallend freundlich und zuvorkommend und begegnet seinem Gegenüber mit einem durchdringenden Blick. Er erzählt seine bewegende Geschichte, und diese führt dabei sogar bis ins Umfeld einer bekannten Berliner Großfamilie.

"Pappkarton und verschimmeltes Brot aus der Mülltonne essen – das war meine Kindheit."

Mit diesen Worten beschreibt Cajo Bensetti, der bürgerlich Cajo Arslan heißt, die ersten Jahre seines Lebens. Bensetti ist der Nachname seines leiblichen Vaters, Arslan der Name seiner ehemaligen Ehefrau. Nach eigenen Angaben wuchs der heute 37-Jährige bis zu seinem sechsten Lebensjahr auf den Straßen von Brasilien auf. Gemeinsam mit seinen beiden älteren Geschwistern kämpfte er ums tägliche Überleben. Was aus ihnen geworden ist, weiß er bis heute nicht. Mit sechs Jahren wurde Bensetti von einer Familie aus Lindau adoptiert. Sein Adoptivvater arbeitete als Lufthansa-Pilot, seine Mutter als Lehrerin. Aus dem Leben auf der Straße wurde plötzlich ein Alltag in der High Society am Bodensee.

Cajo Bensetti in einem Kinderheim in Brasilien. ©ZVG/VOL.AT
Hier bereits in Deutschland auf dem Flugplatz mit seinem Adoptivvater. ©ZVG/VOL.AT

Vom Fußballtalent zum Häftling

Sport spielte früh eine wichtige Rolle in seinem Leben. "Ich war die einzige schwarze Person bei uns im Skiverein. Auch Fußball habe ich immer geliebt", erinnert sich Bensetti.

Bensettis erste Ski im neuen Zuhause in Lindau. ©ZVG/VOL.AT

Doch parallel dazu geriet er zunehmend auf die schiefe Bahn. In seiner Strafakte finden sich schwere Körperverletzungen, Raubdelikte, Geldfälschung und weitere Straftaten. Unter anderem war Bensetti an einem schweren Raubüberfall auf eine Schlecker-Filiale am Berliner Platz im Lindaupark beteiligt. In einem weiteren Fall fiel ein Schuss. Die Konsequenz: Insgesamt verbrachte der heute 37-Jährige rund zehn Jahre seines Lebens hinter Gittern.

Von Lindau nach Berlin

Vor rund eineinhalb Jahren durfte Bensetti die Haftanstalt wieder verlassen. Heute versucht Bensetti, seine Erfahrungen in Musik zu verarbeiten. Der 37-Jährige hat ein eigenes Label gegründet, verkauft Merchandise-Produkte und arbeitet an seiner Karriere als Rapper. Für seine Projekte führt ihn sein Weg mittlerweile regelmäßig nach Berlin. Dort entstand auch der Kontakt zu Hamad Abou-Chaker, einem Neffen von Arafat Abou-Chaker. Nach eigenen Angaben arbeitet Bensetti eng mit ihm zusammen und gründete sein Label mit Unterstützung aus diesem Umfeld.

Für eine Sonderausgabe seiner Kollektion ziert sogar der berüchtigte Nachname "Abou-Chaker" seine Shirts. ©Strobel/VOL.AT

Besonders wichtig sei ihm bei seiner Musik Authentizität. Viele Künstler würden über Dinge sprechen, die sie selbst nie erlebt hätten. Seine Musik dagegen speise sich aus den Erfahrungen seines eigenen Lebens – von den Straßen São Paulos über die Jahre im Gefängnis bis hin zu seinem heutigen Leben in der Bodenseeregion. "Ich habe die wirkliche Straße erlebt", so Bensetti.

Heute gibt er seine Erfahrungen weiter

Neben seiner Musik engagiert sich Bensetti heute als Trainer einer C-Jugend beim FC Lindenberg. "Die Jungs sind hammer, liebe Grüße an dieser Stelle." Das Feedback aus den Reihen der Verantwortlichen ist bisher äußerst positiv. Außerdem ist er Vater eines 15-jährigen Sohnes, gemeinsam mit seiner Frau erwartet er weiteren Familienzuwachs. "Mein Sohn ist mein ganzer Stolz." Seine Botschaft an Jugendliche sei heute einfach: an sich glauben, an Träumen festhalten und jeden Tag versuchen, es besser zu machen als am Tag zuvor. "Jeden Tag bekommt ihr eine neue Chance, es besser zu machen als gestern."

(VOL.AT)

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