Ein Nachbarschaftsstreit in einer Bregenzer Wohnanlage endete mit einem Cobra-Einsatz. Ein beteiligter Mann schildert gegenüber VOL.AT seine Sicht der Eskalation – und sie unterscheidet sich in einem entscheidenden Punkt von den bisherigen Erkenntnissen der Polizei.
"Dann hatte er plötzlich eine Waffe in der Hand"
Während ein beteiligter Mann im Gespräch mit VOL.AT seine Sicht schildert, präzisiert die Polizei in einer Aussendung den bisherigen Ermittlungsstand.
Nach Angaben der Polizei kam es am Sonntag, 5. Juli, gegen 18:05 Uhr zunächst zu einer verbalen Auseinandersetzung zwischen einem Mann (68) und einem Ehepaar. Anschließend begab sich der 68-Jährige in die Wohnung seiner Lebensgefährtin. Das Ehepaar folgte ihm nach Polizeiangaben zur Wohnung, um ihn erneut zur Rede zu stellen.
Dort soll der Mann die Wohnungstür geöffnet und eine Schreckschusspistole in der Hand gehalten haben. Laut Polizei repetierte er die Waffe mehrmals. Nach dem bisherigen Ermittlungsstand zeigte der Lauf dabei durchgehend auf den Boden.
Video: Beteiligter schildert seine Sicht der Eskalation
Streit mit der Ehefrau
Der Mann, der nach eigenen Angaben gemeinsam mit seiner Ehefrau in den Streit verwickelt war, schildert den Vorfall gegenüber VOL.AT aus seiner Sicht.
Demnach habe der Nachbar zunächst seine Ehefrau beschimpft. Später seien die beiden im Lift erneut aufeinandergetroffen, wo die Situation eskaliert sei.
"Dann haben wir uns kurz geprügelt", erzählt der Mann.
Anschließend seien sie zur Wohnung des Nachbarn gegangen. Dort habe dieser aus seiner Sicht plötzlich eine Waffe in der Hand gehabt.
"Er hat uns seine Waffe gezeigt", sagt der Mann im Interview. Nach seiner Darstellung habe der 68-Jährige die Waffe auf ihn und seine Ehefrau gerichtet. Aus Angst hätten sie daraufhin die Polizei verständigt.
Aussagen unterscheiden sich
In einem wesentlichen Punkt unterscheiden sich die Schilderungen des Interviewpartners und die bisherigen Erkenntnisse der Polizei.
Während der Mann im Interview angibt, der 68-Jährige habe die Waffe auf ihn und seine Ehefrau gerichtet, erklärt die Polizei, nach dem bisherigen Ermittlungsstand habe der Lauf der Schreckschusspistole während des gesamten Vorfalls auf den Boden gezeigt. Wie sich der Vorfall tatsächlich abgespielt hat, ist Gegenstand der laufenden Ermittlungen.
Cobra rückte an
Aufgrund der gemeldeten Bedrohung wurde das Einsatzkommando Cobra hinzugezogen. Die Spezialkräfte trafen den 68-Jährigen in der Wohnung an.
Nach Angaben der Polizei verhielt sich der Mann kooperativ. Er händigte den Beamten die Schreckschusspistole samt Munition freiwillig aus und begab sich zur Einvernahme auf die Polizeiinspektion Bregenz.
Gegen den 68-Jährigen bestand laut Polizei bereits ein aufrechtes Waffenverbot. Er wird wegen mehrerer strafrechtlicher Delikte bei der Staatsanwaltschaft Feldkirch angezeigt.
Die Ermittlungen zum genauen Ablauf des Vorfalls dauern an. Für den Beschuldigten gilt die Unschuldsvermutung.