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Erstes europäisches Land offiziell rauchfrei – doch ein Nikotin-Trend boomt

Erstes Land Europas offiziell rauchfrei.
Erstes Land Europas offiziell rauchfrei. ©CANVA
Nur noch 4,8 Prozent der Bevölkerung greifen täglich zur Zigarette: Damit gilt ein europäisches Land nun offiziell als "rauchfrei". Möglich machten das strenge Regeln, hohe Preise und umfassende Verbote. Gleichzeitig steigt jedoch der Konsum anderer Nikotinprodukte deutlich an.

Jahrzehntelanger Kampf gegen das Rauchen

Es ist ein Meilenstein in der europäischen Gesundheitspolitik: Schweden gilt offiziell als erstes rauchfreies Land. Laut dem aktuellen Bericht des schwedischen Zentralverbands für Alkohol- und Drogeninformationen (CAN) rauchen nur noch 4,8 Prozent der Bevölkerung täglich. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) spricht ab einer Quote unter fünf Prozent von einer "rauchfreien Gesellschaft".

Zum Vergleich: 2003 lag der Anteil der täglichen Raucher in Schweden noch bei 16 Prozent. CAN-Sprecher Mats Ramstedt erklärte, ein zentraler Schritt sei gewesen, den Zugang zu Zigaretten massiv einzuschränken. Rauchen sei "schwieriger und teurer geworden".

Teure Zigaretten und strenge Verbote

In den vergangenen Jahren wurde die Tabaksteuer mehrfach erhöht. Zigaretten kosten heute rund 45 Prozent mehr als noch Anfang der 2000er-Jahre. Für eine Packung zahlen Konsumenten mittlerweile umgerechnet etwa sechs bis sieben Euro.

Hinzu kommen strenge Verkaufsregeln: Zigaretten dürfen zwar weiterhin in Supermärkten, Kiosken oder Tankstellen verkauft werden, sie sind dort aber nicht sichtbar ausgestellt. Kunden müssen gezielt danach fragen.

Auch im öffentlichen Raum gelten zahlreiche Einschränkungen. Rauchen ist unter anderem in Restaurants, auf Außenterrassen, an Bahnhöfen, Bushaltestellen sowie auf Spiel- und Sportplätzen verboten. Zudem gibt es keine klassische Zigarettenwerbung mehr.

Rauchfrei heißt nicht nikotinfrei

Ganz verschwunden ist Nikotin aus dem Alltag allerdings nicht. Laut der Untersuchung greifen rund 30 Prozent der Befragten zumindest gelegentlich zur Zigarette – etwa bei Feiern oder Partys.

Gleichzeitig boomt in Schweden sogenannter "Snus". Dabei handelt es sich um kleinen Oraltabak, der hinter die Lippe gelegt wird. Laut CAN nutzten 2025 bereits 22 Prozent der Bevölkerung regelmäßig Snus. 2003 lag der Anteil noch bei zehn Prozent.

Besonders verbreitet ist das Produkt bei jungen Menschen: In der Altersgruppe zwischen 17 und 29 Jahren konsumieren laut Bericht rund 32 Prozent regelmäßig Snus.

Deutschland deutlich über WHO-Grenze

Von solchen Zahlen ist Deutschland noch weit entfernt. Laut ESA 2024 rauchen dort rund 21,8 Prozent der 18- bis 64-Jährigen regelmäßig – das entspricht etwa 11,2 Millionen Menschen.

Der deutsche Staat nahm 2025 rund 17,6 Milliarden Euro durch die Tabaksteuer ein. Den Einnahmen stehen allerdings deutlich höhere Folgekosten gegenüber. Direkte Gesundheitskosten durch das Rauchen liegen Schätzungen zufolge bei bis zu 30 Milliarden Euro jährlich. Einschließlich Arbeitsausfällen und wirtschaftlicher Schäden werden die Gesamtkosten auf bis zu 97 Milliarden Euro pro Jahr beziffert.

(VOL.AT)

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