"Es ist eigentlich das Einswerden mit dem Material" – neue Folge von "Ich hab keine Ahnung von …"
Töpfern ist vor allem in der Männerwelt recht schnell von Vorurteilen behaftet. Einige stellen das Handwerk in eine esoterische Ecke oder schreiben es ganz dem weiblichen Geschlecht zu. In der neuen Folge von "Ich hab keine Ahnung von …" besucht VOL.AT-Reporter Dennis Strobel "die Töpferei" in Andelsbuch – und merkt schnell, dass hinter der Drehscheibe weit mehr steckt als ein Klischee.
Vom Material zur Form
Der erste Schritt beginnt beim Material selbst. Nebst des frischen Tons, den Feurstein aus Deutschland bezieht, werden Reste gesammelt, mit Wasser wieder weich gemacht und durch den Tonschneider geführt. "Das Schöne am Ton oder Material generell ist, dass es, bis man es brennt, einfach unendlich verformbar ist", erklärt Mario Feurstein. Erst im Ofen bei rund 1250 Grad wird aus der Masse ein dauerhaftes Stück.
An der Drehscheibe geht es um Haltung und Kontrolle. "Du töpferst nicht nur mit deinen Händen, sondern du bist wirklich mit deinem Körper dabei", sagt Feurstein. Ellenbogen auflegen, Tempo regulieren, Druck richtig dosieren – jeder Handgriff entscheidet darüber, ob das Gefäß stabil bleibt oder in sich zusammenfällt. "Man braucht Zeit dafür." Um ein Gefäß von Anfang bis Ende in der richtigen Form und Dicke zu töpfern, braucht es rund 50 bis 100 Stunden Übung, so Feurstein.
Was Töpfern bedeutet
Freitag nachmittags bietet Mario Feurstein das Konzept der "offenen Werkstatt" an. Ein Kunde der ersten Stunde ist hier Christian Minichshofer aus Hard. Seit gut einem Jahr sitzt er regelmäßig an der Drehscheibe.
Vorerfahrung hatte er keine. Heute beschreibt er, was ihn am Töpfern hält: "Das bedeutet für mich eigentlich die Freiheit, Dinge zu tun, Dinge zu erschaffen, aber auch, mit dem Ton eins zu werden, um einfach den Bezug zum Material zu bekommen und innerlich herunterzukommen."
Was von außen einfach wirkt, sieht er inzwischen anders. "Es schaut irrsinnig einfach aus, aber es ist wahnsinnig schwer und man kann nicht bescheißen." Schnell gehe es nicht, für das Handwerk ist Zeit und Hingabe erforderlich, so Minichshofer.
Ein Gefühl, das dem Reporter Dennis Strobel nach dem Besuch in Andelsbuch bleibt, ist, dass Töpfern weniger mit Klischees zu tun hat als mit Geduld, Fokus und Gefühl für das Material. Wer sich darauf einlässt, merkt schnell: Die Drehscheibe verzeiht keine Hektik – aber sie belohnt Konzentration.
(VOL.AT)