"Es tut einem weh": Wie die Geschichte der MS Elisa zu Ende ging
Ein Steuerrad bleibt – und viele Erinnerungen
Wo die MS Elisa noch vor wenigen Monaten auf ihre Zukunft hoffte, sind heute nur noch wenige Überreste zu sehen. Das 1895 gebaute Schiff wurde am 9. Juni in der Schiffswerft in Fußach abgewrackt. Übrig geblieben ist unter anderem das rund 50 Kilogramm schwere Steuerrad, das Dieter Salzmann zum VOL.AT-Interview mitgebracht hat.
Bereits im vergangenen Herbst habe er entschieden, das Schiff abzugeben. Geplant waren Verkauf, Verpachtung oder eine andere Form der Weiterführung. Doch die Suche blieb erfolglos. "Wir haben leider keinen Nachfolger gefunden, keinen Käufer am Bodensee", sagt Salzmann. Ein Problem seien unter anderem die benötigten Liegeplätze gewesen. Für ein Schiff dieser Größe brauche es rund 30 Meter Länge und mindestens sieben Meter Breite.
"Es tut einem weh"
Besonders schwer falle ihm der Abschied wegen der Geschichte des Schiffes. Die Elisa wurde 1895 gebaut und galt zuletzt als ältestes Schiff mit Eisenschale am Bodensee. "Es tut einem weh, wenn so ein Stück weg ist", verdeutlicht Salzmann. Schlussendlich habe man sich dazu entschieden, das Schiff abzufracken.
Von der einstigen Elisa sind neben dem Steuerrad, das Salzmann bewusst aufbehält, nur noch einzelne Teile übrig. Hinter dem Werftgelände liegen auf einem Schiff mit Kran noch Reste der Kajüte. Sie sollen in den kommenden Tagen entsorgt werden.
Geschichten von Hochzeiten und Begegnungen
Salzmann übernahm die Elisa 2008 als Kapitän. In den Jahren davor war er bereits als Schiffsjunge an Bord. Rückblickend verbinde er mit dem Schiff unzählige Erinnerungen.
"Wir haben so viele Fahrten, so viele Erlebnisse, so viele Hochzeiten", erzählt er. In den stärksten Jahren habe die Elisa rund 120 Fahrten pro Saison absolviert. Immer wieder würden ihn Menschen auf gemeinsame Erlebnisse an Bord ansprechen. "Jeder, den ich getroffen habe, sagt mir: Da war das und das. Da habe ich meine Frau kennengelernt …"
Für die Helfer und Wegbegleiter soll es demnächst noch ein kleines Abschiedsfest geben. "Wir werden sicher noch viel darüber reden, über die Elisa", ist sich Salzmann sicher.
Kapitän bleibt dem Bodensee treu
Ganz verabschieden will sich Salzmann von der Schifffahrt aber nicht. Mit seiner Firma beschäftigt er sich weiterhin mit Aufbereitung und Handel von Booten. Auch eine Rückkehr als Kapitän schließt er nicht aus. "Vielleicht ergibt sich was am Bodensee. Mal schauen."
Und das Steuerrad? Dafür hat der ehemalige Eigner bereits eine Idee: "Ich denke, dass ich aus diesem schönen Teil einen schönen Tisch mache." Eine Glasplatte darauf zu montieren, könne eine Möglichkeit sein. So bleibt ihm ein Stück Elisa erhalten.
(VOL.AT)