"Es wird keine Rücksicht auf die Natur genommen" – Wie Naturwächterin Marion Eckert-Krause mit Angriffen umgeht
"Der Respekt vor der Natur wird immer weniger und es wird keine Rücksicht auf das natürliche Leben genommen. Viele sagen: ‚Die Natur ist für alle da und ich nutze sie, so wie ich das möchte!‘ Und dieses ich ist falsch, denn wir müssen alle mit der Natur leben." Marion Eckert-Krause (65) ist seit zehn Jahren ehrenamtlich bei der Naturwacht Vorarlberg und will sensibilisieren – für den Schutz von Pflanzen und Tieren.
Ein besonderes Augenmerk legt die Naturwacht, die seit 1969 das Kontrollorgan der Bezirkshauptmannschaften in diesem Bereich ist, auf den Schutz der Europa-2000-Gebiete, erklärt Eckert-Krause: "Wenn sich diese Gebiete in ihrem Zustand verschlechtern, werden Strafen verhängt." Die treffen meist die Gemeinden, wenn Natur- und Umweltschutzverordnungen nicht eingehalten werden. Aber: "Vorarlberg ist sehr touristisch geprägt. Wir wollen mit den Behörden, Gemeinden und Menschen arbeiten und nicht gegen sie."
Das ganze Jahr über im Einsatz für die Natur
In Naturschutzgebieten im Ländle sind die 205 Naturwächter verstärkt im Einsatz – vor allem in der warmen Jahreszeit. Wird ein Ort als besonders besuchenswert ausgezeichnet, erhöht das Eckert-Krauses Aufmerksamkeit für Rundgänge. Viel zu tun ist in den Naherholungsgebieten am Bodensee, in Bludenz, im Montafon und am Wiegensee. "Am häufigsten treten Menschen von den Wegen in die geschützten Wiesen, wo seltene Pflanzen wachsen oder Tiere nisten und brüten, machen dort Fotosessions, graben Pflanzen aus, laden Müll ab oder machen gar Feuer", erklärt Eckert-Krause. "Oder sie halten den Hund dort nicht an der Leine, wo Leinenpflicht ist."
Wenn die Naturwächter auf Dienstgang sind, sind sie durch ihre Kleidung klar erkennbar. Sie melden Übertretungen und halten die Augen offen, ob sich die Natur auffällig verändert. Eckert-Krause kann Anzeigen schalten, Personalien aufnehmen und die Polizei rufen – in der Regel probiert sie aber, auf Augenhöhe mit den Menschen zu reden. "Den richtigen Weg und den richtigen Ton zu finden, ist eine Gratwanderung", sagt sie.
Bodycams sorgen für Sicherheit
Weil die Arbeit nicht immer angenehm ist und nicht jeder einsichtig ist, absolvierte die 65-Jährige vier Stunden Sicherheitsschulung mit der Polizei. Das Ziel: Deeskalation. In Gebiete, in denen die Ehrenamtlichen starken Gegenwind erwarten, gehen sie nur zu zweit. Und an den Ufern des Bodensees in Bregenz, wo beim Feiern Alkohol getrunken und es "verbal und körperlich heftiger wird", sind die Naturwächter sogar mit Bodycams ausgestattet. Aber: "Insgesamt sind es sehr wenige, die ihren Frust darüber auslassen, dass man sie bei einer Übertretung erwischt hat. Die meisten sind dankbar, dass man es ihnen erklärt."
Eckert-Krause kommt aus Wolfenbüttel in Niedersachsen (Nähe Braunschweig), lebt aber seit vielen Jahren in Feldkirch. Um ehrenamtlich und mit Leib und Seele für das Land Vorarlberg im Einsatz sein zu können, musste sie sich erst einbürgern lassen und einen neunmonatigen Lehrgang absolvieren.
Es braucht keine Grundkenntnisse, aber die Liebe zur Natur
Dort lernte sie in theoretischen Einheiten vieles zum Naturschutz in Österreich, der Landschaftsökologie, Namen der typischen Pflanzen und Tiere und den Umgang mit Menschen im Gebiet. Die Ausbildung startet einmal pro Jahr und ist kostenlos, allerdings verpflichten sich die Naturwächter auf fünf Jahre, in denen sie vier Dienste jährlich leisten. "Eine spezifische Vorerfahrung braucht es nicht, aber man muss die Liebe zur Natur haben", sagt Eckert-Krause und lächelt dabei breit.
Diese Liebe merkt man der Naturwächterin an. Sie ist Diplom-Biologin, promovierte Wissenschaftsmedizinerin und ausgebildete Gärtnerin. "Ich bin mit Natur groß geworden. Kröten, die auf der Straße platt gefahren wurden, haben mich bewegt. Ich dachte mir: ‚Das kann doch nicht sein, da muss man doch was tun‘", erzählt die 65-Jährige von den Anfängen. Also engagierte sie sich neben dem Job ehrenamtlich bei der Naturwacht. Jetzt in der Pension ist sie pro Woche 20 Stunden aktiv, nebenbei betreut sie Schulkinder und gibt Nachhilfe in Deutsch und Englisch. Und verbringt viel Zeit mit Rundgängen in ihrem Gebiet in Feldkirch.
Für Marion Eckert-Krause gelingt Naturschutz am besten mit Präsenz, freundlicher Aufklärung und Sensibilisierung – und mit Menschen, die mit Leidenschaft Verantwortung übernehmen.
Zur Person
Marion Eckert, Naturwächterin
- Geboren: 1960 in Niedersachsen
- Wohnort: Feldkirch
- Beruf: Diplom-Biologin und promovierte Wissenschaftsmedizinerin
- Familie: verheiratet, eine Tochter
- Hobbys: Jogging, Radfahren, Langstreckenschwimmen, Marathonlauf, Lesen, Schreiben