"Es wird so viel Care-Arbeit von Frauen erledigt, die nicht wertgeschätzt und nicht honoriert wird"
"Bewusst an einem Arbeitstag gewählt"
Organisiert wurde die Kundgebung von der Initiative "Frauen.Zukunft.mitanand". Ziel war es, bezahlte und unbezahlte Arbeit von Frauen sichtbar zu machen, wie Koordinatorin Elke Capelli erklärt.
Man habe sich am internationalen Frauenstreik orientiert, der weltweit stattfinde. "Bewusst an einem Arbeitstag gewählt, damit bezahlte Arbeit und unbezahlte Arbeit sichtbar wird", so Capelli. Firmen und Gewerkschaften seien aufgerufen worden, Frauen freizustellen, "genau um die Anliegen für uns Frauen einmal kundtun zu können".
Die Forderungen seien klar: "Es geht um Gleichstellung, es geht um den Gender Pay Gap, der in Vorarlberg ja ganz schlecht ist eigentlich." Kürzungen im Sozial- und Pflegebereich träfen "in erster Linie Frauen in ihrer Care-Arbeit". Insgesamt sei man bei Gleichstellung "einfach noch sehr weit davon entfernt". Auch strukturelle Gewalt gegen Frauen sei weiter Realität.
"Ich habe mir heute extra freigenommen"
"Ich habe mir heute extra freigenommen", sagt Alice Böni aus Lochau. Für sie sei es "meine Pflicht als Frau, als Mama und als Teil der Gesellschaft, da zu sein und für Gleichberechtigung für alle da zu stehen".
Rechte, die Frauen hart erkämpft hätten, seien weltweit rückläufig. "Das darf so nicht weitergehen, das muss gestoppt werden", meint sie. Wenn Frauen die gleiche Leistung erbringen wie Männer, "dann sollte ich auch das gleiche Geld dafür kriegen. Das ist für mich etwas, das ist überhaupt nicht diskutierbar."
Care-Arbeit werde nach wie vor zu wenig wertgeschätzt. "Es wird so viel Care-Arbeit von Frauen erledigt, die nicht wertgeschätzt und nicht honoriert wird."
Ilke und Leona kamen mit der ganzen Schulstufe
Auch junge Frauen beteiligten sich am Streik. Ilke Sarikaya aus Altach und Leona Dobra aus Schlins waren mit ihrer Schulstufe am Marktplatz. "Ich finde einfach, dass Frauen und Männer einfach gleichgestellt werden sollten", sagt Ilke. "Es ist wichtig, dass wirklich alle Leute das auch verstehen, dass es immer noch ein Problem ist", meint Leona. Man könne es nicht "wegstecken", nur weil es alt sei.
Die ganze Schulstufe des Borg Götzis macht sich mit Schildern auf den Weg nach Dornbirn. "Wir stehen für was Gutes ein, darum sind wir selbstbewusst", gaben sie zu verstehen.
"Who cares? Carearbeit ist auch Arbeit. 24-7"
Julia Karnik aus Dornbirn kam mit Kinderwagen, Kleinkind und passendem Schild: "Who cares? Carearbeit ist auch Arbeit. 24-7."
"Ich finde es ganz wichtig, dass man Aufmerksamkeit sorgt gegenüber den Themen wie Gewalt gegen Frauen", sagt sie. Es gebe "immer noch viele Femizide" und ihrer Meinung nach "zu wenig präventive Angebote, damit man das verhindern kann".
Als Mutter merke sie, "dass doch die Carearbeit ein großer Teil von meinem Leben ist. Und das nach wie vor noch unbezahlt ist." Kindererziehungszeiten würden zwar berücksichtigt, dennoch sei es "für mich immer noch eine Schuldenfalle, auch in der Rente später". Es sollte zudem mehr Kinderbetreuungsplätze und gleiche Chancen für alle Kinder geben.
Mutter und Tochter beim Streik
Nico aus Dornbirn und Kaya aus Bregenz standen nicht ohne Grund nebeneinander auf dem Streik. Das Mutter-Tochter-Duo hielt ein Schild mit "We are not angry enough". Als Mama mache man Multitasking und habe viel Arbeit. "Aber das wird nach wie vor nicht angerechnet als Pensionsmonate", so Nico. "Das geht einfach nicht. Man muss einfach laut werden."
Ihre Tochter ergänzt: Ihr sei der Streik wichtig, da Frauen "immer noch sterben und umgebracht werden." Das seien große Opfer in der Gesellschaft. "Wir sollten mehr darauf achten und das Patriarchat vielleicht auflösen." Es sei toll, dass so viele den Streik unterstützen, waren sich die beiden einig. "Man sollte so was auch öfter machen und nicht nur an diesem Tag heute, weil einfach viel zu wenige hinhören."
Auch Männer unterstützen
Der Streik richtete sich nicht nur an Frauen. Auch Männer beteiligten sich. Melissa aus Hohenems und Pascal aus Fraxern studieren Soziale Arbeit. Sie durften an diesem Tag früher gehen, um den Streik zu unterstützen.
"Wir sind da, um Haltung zu zeigen, weil es einfach ein wichtiges Thema ist", meint Melissa. "Und gerade in unserem Studium haben wir eine professionelle Verantwortung auch noch."
Pascal verweist auf die Situation seiner Mutter. Sie habe lange nicht gearbeitet, als er zur Welt gekommen sei. "Dann sollte es auch wertgeschätzt werden von der Gesellschaft", ist er sicher. "Man sollte auch Sozialleistungen oder Versicherungsjahre dafür bekommen."
(VOL.AT)