Auf Vorarlbergs Friedhöfen steigt bei Hitze die Brandgefahr. Doch ausgerechnet die naheliegendste Sorge greift oft zu kurz.
Anhaltende Hitze und trockene Vegetation erhöhen in den Sommermonaten auch auf Friedhöfen das Brandrisiko. Besonders heikel sind trockenes Gras, Laub, verdorrte Pflanzen und leicht brennbarer Grabschmuck.
Grabkerzen stehen dabei schnell im Verdacht. Schließlich handelt es sich um eine offene Flamme. Die Brandverhütungsstelle Vorarlberg ordnet das Risiko aber differenzierter ein.
"Brandgefahr durch Grabkerzen bei Hitze und Trockenheit ist ein Thema, jedoch sind Lagerfeuer oder unachtsam entsorgte Zigaretten ein höheres Brandrisiko", heißt es von der Brandverhütungsstelle Vorarlberg.
Wann Grabkerzen gefährlich werden
Bei sachgemäßer Verwendung bleibt das Risiko durch Grabkerzen vergleichsweise gering. Kritisch wird es vor allem dann, wenn mehrere ungünstige Faktoren zusammenkommen.
Problematisch sind Kerzen auf unebenem oder brennbarem Untergrund. Auch Wind kann gefährlich werden, wenn Grablichter dadurch umkippen. Zusätzlich steigt das Risiko, wenn Kerzen zu nahe an trockenen Pflanzen, Kränzen oder anderem Grabschmuck stehen.
Auch beschädigte Kunststoffhüllen können zum Problem werden. Starke Sonneneinstrahlung kann das Material spröde machen und die Sicherheit der Kerze beeinträchtigen.
Die Brandverhütungsstelle empfiehlt deshalb, Grabkerzen nur standsicher aufzustellen. Der Untergrund sollte waagrecht und nicht brennbar sein. Außerdem sollte genügend Abstand zu trockenen Pflanzen, Kränzen und anderem Grabschmuck bleiben. Trockenes Gras und abgestorbene Pflanzenteile sollten rund um das Grab entfernt werden. Zusätzlich gelten die Vorgaben der jeweiligen Friedhofsverwaltung.
LED-Kerzen sind sicherer – aber nicht problemlos
Bei großer Trockenheit oder starkem Wind können LED-Grabkerzen eine sinnvolle Alternative sein. Sie kommen ohne offene Flamme aus. Besonders auf Natur- und Waldfriedhöfen kann das das Brandrisiko senken.
Ganz ohne Nachteile sind LED-Kerzen aber nicht. Eberhard Wolfgang, Leiter des Fachbereichs Abfallwirtschaft in der Abteilung Umwelt- und Klimaschutz des Landes Vorarlberg, verweist auf Batterien und Akkus.
Moderne LED-Kerzen enthalten häufig Lithium-Ionen-Batterien oder Akkus. Diese können bei hohen Temperaturen beschädigt werden. Im Extremfall kann es zu einem sogenannten thermischen Durchgehen kommen. Klassische Grabkerzen stuft Wolfgang deshalb nicht grundsätzlich als problematisch ein. Das gilt besonders dann, wenn sie ordnungsgemäß in Grablaternen verwendet werden.
Auch aus Umweltsicht gibt es keine eindeutige Siegerlösung. Paraffinkerzen entstehen aus Nebenprodukten der Erdölproduktion. Batterien und Akkus belasten Umwelt und Entsorgung ebenfalls. Entscheidend ist daher vor allem der verantwortungsvolle Umgang mit beiden Varianten.
Warum die Entsorgung wichtig ist
Besonders wichtig ist laut Wolfgang die richtige Entsorgung. Klassische Grabkerzen und LED-Grablichter gehören nicht in den Grünabfall. Vor allem Batterien aus LED-Kerzen dürfen nicht im Restmüll landen. Sie sollten bei Sammelstellen oder Altstoffsammelzentren abgegeben werden. Dort können sie fachgerecht entsorgt werden. So entsteht auch in der Abfallwirtschaft kein zusätzliches Brandrisiko.
Das empfehlen die Experten
Bei extremer Trockenheit oder starkem Wind empfiehlt die Brandverhütungsstelle Vorarlberg, auf offene Grabkerzen möglichst zu verzichten. In solchen Situationen können LED-Grablichter die sicherere Wahl sein.
Wer herkömmliche Kerzen verwendet, sollte sie standsicher platzieren. Wichtig sind ein nicht brennbarer Untergrund, ausreichend Abstand zu brennbarem Material und die Einhaltung der Vorgaben der Friedhofsverwaltung.
(VOL.AT)