Felchen-Fangverbot am Bodensee könnte ab 2027 fallen
Eine Entscheidung wird noch heute Donnerstag erwartet, wie der ORF berichtet.
Entscheidung der Fischerei-Behörde steht bevor
Für die Berufsfischer rund um den Bodensee könnte sich eine wichtige Wende abzeichnen: Nach Angaben des baden-württembergischen Landwirtschaftsministeriums sollen Felchen künftig wieder gefangen werden dürfen – vorausgesetzt, die Bestände entwickeln sich weiterhin positiv.
Darüber berät derzeit die Internationale Bevollmächtigtenkonferenz für die Bodenseefischerei (IBKF), die seit Mittwoch in Wasserburg tagt. Das Gremium hatte 2023 eine dreijährige Schonzeit bis 2027 beschlossen, um den stark geschrumpften Felchenbestand zu schützen.
Beschlüsse der IBKF müssen einstimmig gefasst werden. Beobachter rechnen damit, dass das Fangverbot tatsächlich gelockert wird. Noch offen ist jedoch, welche Fangmengen erlaubt werden und in welchen Zeiträumen die Fischerei wieder möglich sein soll.
Bestände innerhalb weniger Jahre eingebrochen
Die Felchenbestände im Bodensee sind in den vergangenen Jahren dramatisch zurückgegangen. Experten machen dafür eine Kombination mehrerer Faktoren verantwortlich.
Ein wesentlicher Grund liegt in der verbesserten Wasserqualität. Nachdem in den 1990er-Jahren eine Überdüngung des Sees befürchtet worden war, wurden Kläranlagen modernisiert und Nährstoffeinträge deutlich reduziert. Die Folge: Im See gibt es weniger Plankton – und damit weniger Nahrung für die Felchen.
Die Auswirkungen sind deutlich messbar. Während ein Felchen früher durchschnittlich rund 420 Gramm wog, bringt er heute oft nur noch etwa 230 Gramm auf die Waage.
Invasive Arten und Klimawandel verschärfen die Lage
Zusätzlich setzen eingeschleppte Tierarten den Felchen zu. Die Quagga-Muschel breitet sich seit Jahren massiv im Bodensee aus und filtert große Mengen Plankton aus dem Wasser. Damit verschärft sie den Nahrungsmangel für die Fische.
Auch der invasive Stichling gilt als Problem. Er konkurriert mit den Felchen um Nahrung und frisst zudem deren frisch geschlüpfte Larven.
Hinzu kommen die Folgen des Klimawandels. Durch steigende Wassertemperaturen schlüpfen die Larven oft früher als früher. Zu diesem Zeitpunkt steht jedoch häufig noch nicht ausreichend Nahrung zur Verfügung. Gleichzeitig sinken die Überlebenschancen der Eier, weil sich wärmeliebende Mikroorganismen stärker ausbreiten.
Fachleute weisen zudem darauf hin, dass in der Vergangenheit trotz sinkender Bestände weiterhin intensiv gefischt wurde.
Felchen sind wirtschaftlich von großer Bedeutung
Für viele Berufsfischer am Bodensee sind Felchen die wichtigste wirtschaftliche Grundlage. Entsprechend groß ist das Interesse an einer nachhaltigen Rückkehr der Fischerei.
Bei der laufenden Tagung wird deshalb auch über zusätzliche Netztypen diskutiert, die eine schonendere und langfristig tragfähige Bewirtschaftung der Bestände ermöglichen sollen.
Ob die Felchen ab 2027 tatsächlich wieder regelmäßig in den Netzen der Bodenseefischer landen dürfen, dürfte sich noch im Laufe des Tages entscheiden.
(VOL.AT)