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Festspiele trotz Ausverkauf unter finanziellem Druck

Die Bregenzer Festspiele melden trotz ausverkaufter „La traviata“ finanzielle Probleme.
Die Bregenzer Festspiele melden trotz ausverkaufter „La traviata“ finanzielle Probleme. ©NEUE
Obwohl "La traviata" am Bodensee so früh wie noch nie ausverkauft ist, kämpfen die Bregenzer Festspiele mit steigenden Kosten und gekürzten Subventionen.

Die Bregenzer Festspiele stehen wirtschaftlich unter Druck. Trotz des erwarteten Ausverkaufs der Seebühnenproduktion "La traviata" gerät das Festival finanziell ins Wanken. "Wir haben keine Absatzkrise, aber wir befinden uns in einer Kostenkrise", erklärte der kaufmännische Direktor Michael Diem gegenüber dem ORF.

Vor allem die gekürzten Subventionen hätten Spuren hinterlassen. Die finanzielle Reserve sei deutlich geschrumpft, die Kapitaldecke werde zunehmend dünner. Diese Entwicklung sei laut Diem "nicht lange zu stemmen". Umso wichtiger sei es, dass die Förderungen ab 2027 wieder zumindest das frühere Niveau erreichen.

Rekord bei Ticketverkauf bringt keine Entlastung

Während für andere Produktionen noch Karten erhältlich sind, wird "La traviata" bereits nach Ostern vollständig ausverkauft sein – so früh wie noch nie. Ein Erfolg, der die wirtschaftlichen Sorgen jedoch nicht lindert.

Denn parallel steigen die Kosten massiv: Innerhalb von zehn Jahren haben sich allein die Personalkosten durch Anpassungen um 36 Prozent erhöht. Gleichzeitig erschweren Unsicherheiten und lange Vorlaufzeiten die Planung.

Steigende Kosten und gekürzte Subventionen setzen das Festival unter Druck. ©NEUE

Deutliche Einschnitte bei Förderungen

Im Frühjahr 2025 wurden die öffentlichen Zuschüsse für die Jahre 2025 und 2026 reduziert. Statt sieben Millionen Euro stehen seither um 30 Prozent beziehungsweise 2,1 Millionen Euro weniger zur Verfügung.

Da die Förderungen bereits seit 2016 nicht erhöht wurden, summiert sich der inflationsbedingte Verlust inzwischen auf rund 4,6 Millionen Euro jährlich – ein Rückgang von 66 Prozent.

"Die Subventionskürzung hat uns am Spielbein erwischt und geschwächt", sagte Diem gegenüber dem ORF. Ohne eine Rückkehr zum früheren Niveau gerate auch die wirtschaftliche Basis des Festivals in Gefahr.

Verluste und sinkende Rücklagen

Bereits 2024 schrieb das Festival rote Zahlen – und auch für 2025 wird ein Minus erwartet. Wie hoch dieses ausfällt, ist derzeit noch offen.

Eigentlich sollten Rücklagen in Höhe eines Jahresbudgets – rund 31 Millionen Euro – vorhanden sein, um Einnahmenausfälle abzufedern. Dieses Ziel wurde jedoch verfehlt, aktuell liegen die Reserven etwa ein Drittel darunter.

Zusätzlich treiben höhere Betriebskosten nach dem Ausbau des Festspielhauses sowie steigende Ausgaben für Bühnenbilder die Belastung weiter nach oben. Letztere liegen üblicherweise bei sieben bis acht Millionen Euro, heuer darüber.

Sparmaßnahmen und Programmänderungen

Intern reagiert das Festival mit Einsparungen. Offene Stellen werden nicht nachbesetzt, beim Saisonpersonal wird reduziert. Insgesamt sollen die Kosten um rund zehn Prozent sinken.

Auch das Programm bleibt nicht unberührt: Für 2027 ist kein Schauspiel geplant. Die Zusammenarbeit mit dem Burgtheater wurde verschoben, bestehende Kooperationen enden 2026. Wie es danach weitergeht, ist offen.

Kultur-Highlight kämpft mit Finanzproblemen. ©NEUE

Publikum soll wenig spüren

Trotz Sparzwangs will man beim künstlerischen Anspruch keine Abstriche machen. "Lieber weniger, das dafür exzellent", so Diem. Das Publikum soll die finanziellen Schwierigkeiten möglichst nicht bemerken.

Investitionen – etwa in neue Technik für die Seebühne – werden allerdings verschoben, auch wenn Innovation weiterhin Teil der Marke bleiben soll.

Einnahmen kaum steigerbar

Auf der Einnahmenseite gibt es wenig Spielraum. Die Ticketpreise sollen ab 2027 moderat um drei bis fünf Prozent steigen. Eine vollständige Abdeckung der Mehrkosten ist damit jedoch nicht möglich.

Auch zusätzliche Vorstellungen von "La traviata" sind nur eingeschränkt denkbar, da die Zeitbudgets der Mitwirkenden begrenzt sind. Die Auslastung liegt seit Jahren am Maximum.

Starke Nachfrage als Hoffnungsschimmer

Bis Ostern wurden bereits rund 188.000 Tickets für "La traviata" verkauft – ein außergewöhnlicher Wert. Diem zeigt sich darüber "begeistert", betont aber auch die Unsicherheit: Ob sich dieser Erfolg wiederholen lässt, sei offen.

Der Vorverkauf für die nächste Saison startet heuer früher als üblich – direkt nach der Dernière. Ziel sei es, den positiven Trend fortzusetzen und wirtschaftlich stabil zu bleiben.

(VOL.AT)

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