Finanzpolizei deckt Betrug bei Vorarlberger Zustellfirmen auf
Die Finanzpolizei Feldkirch ist bei Schwerpunktkontrollen in der Zustellbranche auf mehrere Verstöße gegen Sozialversicherungs- und Abgabenvorschriften gestoßen. Betroffen sind eine Vorarlberger Einzelunternehmerin sowie eine GmbH aus ihrem familiären Umfeld.
Ausgangspunkt war eine Kontrolle im November 2025. Dabei hielten Mitarbeiter der Finanzpolizei ein Zustellfahrzeug mit Schweizer Kennzeichen an. Der Lenker war laut Finanzpolizei nicht vor Arbeitsantritt bei der Österreichischen Gesundheitskasse angemeldet.
Elf Beschäftigte erst nach "Probephase" angemeldet
Die weiteren Ermittlungen brachten laut Amt für Betrugsbekämpfung ein systematisches Vorgehen ans Licht: Elf Beschäftigte verschiedener Nationalitäten sollen erst nach einer sogenannten Probephase zur Sozialversicherung angemeldet worden sein.
Wegen der Verstöße gegen das Allgemeine Sozialversicherungsgesetz stellte die Finanzpolizei einen Strafantrag an die zuständige Bezirkshauptmannschaft. Die beantragte Strafhöhe beträgt 12.500 Euro.
Ausländische Kennzeichen im Dauereinsatz
Zusätzlich stellte die Finanzpolizei fest, dass mindestens acht Fahrzeuge mit ausländischen Kennzeichen dauerhaft in Österreich eingesetzt worden sein sollen. Der Zoll bestätigte laut Aussendung die widerrechtliche Verwendung. Pro Fahrzeug wurden 9.000 Euro Zollabgabe festgesetzt, insgesamt 72.000 Euro. Weitere Verfahren laufen noch.
Auch die GmbH des Sohnes der Unternehmerin geriet in den Fokus. Dort dokumentierte die Finanzpolizei sieben Fälle nicht ordnungsgemäß angemeldeter Beschäftigter. Dafür wurde ein weiterer Strafantrag über 6.730 Euro gestellt.
Weitere Prüfungen wegen Steuerverdachts
Bei der GmbH wurden zudem Zollverstöße im Zusammenhang mit ausländischen Fahrzeugkennzeichen festgestellt. Daraus ergeben sich weitere Abgaben von 27.000 Euro. Zusätzliche Verdachtsmomente, unter anderem wegen möglicher Steuerhinterziehung und eines fehlenden Sachbezugs, wurden an die zuständigen Stellen weitergeleitet.
"Wer Beschäftigte nicht ordnungsgemäß anmeldet oder Fahrzeuge abgabenwidrig im Inland nutzt, verschafft sich einen unzulässigen Wettbewerbsvorteil gegenüber korrekt arbeitenden Unternehmen", sagte Wilfried Lehner, Bereichsleiter der Finanzpolizei.
Finanzminister Markus Marterbauer sprach von einer klaren Linie: "Null Toleranz gegenüber Steuer- und Abgabenbetrug." Die Bekämpfung von Steuerbetrug sei "eine Frage der Gerechtigkeit".
Die vorläufige Gesamtsumme aus Strafen und Abgaben beträgt 118.230 Euro. Die Kontrollen in der Zustellbranche sollen fortgesetzt werden.
(VOL.AT)