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Forscher machen in der Arktis etwas, das als unmöglich galt

Kann künstlich verstärktes Eis die Arktis retten?
Kann künstlich verstärktes Eis die Arktis retten? ©CANVA
Ein britisches Start-up hat in Kanada erfolgreich eine größere Eisfläche geschaffen. Mithilfe von auf das Meereis gepumptem Meerwasser soll die Schmelze in der Arktis gebremst werden. Experten sehen Potenzial, warnen aber auch vor Risiken.

Eisdecke in Kanada gezielt verstärkt

Die Arktis verliert seit Jahrzehnten Eis. Nun melden Forscher bei Cambridge Bay im Norden Kanadas erste Erfolge eines ungewöhnlichen Projekts. Das britische Start-up Real Ice pumpte im vergangenen Winter rund 50.000 Tonnen Meerwasser auf eine bestehende Eisfläche. Bei Temperaturen von bis zu minus 40 Grad Celsius gefror das Wasser sofort.

Nach Angaben des Unternehmens wuchs die Eisdecke dadurch um rund 50 Zentimeter auf insgesamt etwa 1,5 Meter Dicke an. Zudem vergrößerte sich die Eisfläche. Satellitenaufnahmen zeigen die Testzone als helle Fläche in einer Umgebung, in der zunehmend offenes Wasser sichtbar ist.

Sorge um das arktische Meereis

Real-Ice-Chef Andrea Ceccolini bezeichnete die Ergebnisse gegenüber der britischen Zeitung "The Guardian" als "wirklich unglaublich".

Hintergrund des Projekts ist der fortschreitende Rückgang des arktischen Meereises. Laut den Forschern ist die sommerliche Eisfläche in den vergangenen 45 Jahren um etwa 40 Prozent geschrumpft. Wissenschaftler befürchten, dass es innerhalb der kommenden zehn Jahre erstmals einen Septembertag ohne arktisches Meereis geben könnte.

Die zusätzliche Eisschicht soll dazu beitragen, die Schmelze zumindest vorübergehend zu verlangsamen.

Inuit beobachten Veränderungen seit Jahren

Das Testgebiet liegt im kanadischen Territorium Nunavut, dessen Bevölkerung zu einem großen Teil aus Inuit besteht. Für viele Menschen vor Ort spielt das Eis im Alltag eine wichtige Rolle – etwa für Transportwege, den Fischfang oder die Jagd.

"Für uns ist das Eis überlebenswichtig", sagte der 34-jährige Einwohner Kyle Weese. Er beobachte seit Jahren Veränderungen durch den Klimawandel. Das Eis werde dünner, benötige länger zum Gefrieren und schmelze anschließend schneller als früher.

Drohnen sollen künftig die Arbeit übernehmen

Derzeit untersucht Real Ice, ob sich die Methode auch in größerem Maßstab anwenden lässt. Langfristig sollen autonome Unterwasserdrohnen das Meerwasser auf die Eisoberfläche pumpen. Ein erster Prototyp wurde bereits in Finnland getestet.

Das Vorhaben stößt allerdings nicht nur auf Zustimmung. Kritiker warnen vor möglichen Folgen für die Umwelt. Zudem bestehe die Gefahr, dass technische Eingriffe ins Klimasystem vom eigentlichen Problem ablenken könnten: der Notwendigkeit, die weltweiten CO₂-Emissionen deutlich zu reduzieren.

Weitere Forschung geplant

Professor Shaun Fitzgerald von der University of Cambridge hält zusätzliche Untersuchungen dennoch für sinnvoll. Gegenüber "The Guardian" sagte er, weitere Forschung in der Arktis wäre "genau das Richtige".

Auch Real-Ice-Chef Ceccolini will das Projekt weiter vorantreiben. Entscheidend sei nun die Klärung zentraler Fragen: "Ist unsere Methode wirklich effektiv, gibt es ungewünschte Auswirkungen und ist es wirtschaftlich skalierbar?"

(VOL.AT)

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