Frastanz sagt klar Nein zu Kraftwerk
Die Entscheidung fiel am Donnerstagabend in der Gemeindevertretung.
Ein klares Signal aus Frastanz: Die Gemeindevertretung hat am Donnerstagabend einstimmig eine ablehnende Stellungnahme zum geplanten Reststoff-Kraftwerk der Rondo Ganahl AG beschlossen. Die Marktgemeinde ist im laufenden Umweltverträglichkeitsverfahren (UVP) Partei und bringt damit offiziell ihre Bedenken ein.
Seit 2025 läuft das Verfahren für die Anlage, die am vorgesehenen Standort aus Sicht der Gemeindevertretung auf erhebliche Kritik stößt. Besonders ins Gewicht fällt die unmittelbare Nähe zu Wohngebieten sowie zu sensiblen Naturräumen. In einer Aussendung heißt es, das Projekt liege in räumlicher Nähe zu Schutzräumen, was aus Sicht der Gemeinde nicht vertretbar sei.
Sorge um Trinkwasser und Naturräume
Im Fokus der Kritik steht auch das rund zwei Kilometer entfernte Natura-2000-Gebiet "Frastanzer Ried". Dort befindet sich zugleich ein Grundwasserschutzgebiet für die Trinkwasserversorgung. Die Gemeinde äußert daher Zweifel an der langfristigen Sicherung des Trinkwassers.
Diese Bedenken seien ein wesentlicher Teil der Abwägung gewesen, heißt es aus der Gemeinde. Gerade bei Infrastrukturprojekten dieser Größenordnung müsse der Schutz zentraler Ressourcen oberste Priorität haben.
Bis zu 74 Lkw-Fahrten täglich
Ein weiterer Kritikpunkt betrifft den Verkehr: Laut Einreichunterlagen könnten täglich bis zu 74 Lkw-Fahrten anfallen. Für die Gemeindevertretung ist das ein Risiko – vor allem für Fußgänger und Radfahrer.
Zudem befürchtet man zusätzliche Belastungen durch Lärm und Schadstoffe. Der zunehmende Schwerverkehr würde die ohnehin beanspruchte Infrastruktur weiter unter Druck setzen, so die Einschätzung.
Konflikt mit Ortsbild und Bauvorgaben
Auch optisch sorgt das Projekt für Diskussionen. Geplant ist eine Gebäudehöhe von rund 35 Metern, der Kamin soll sogar bis zu 45 Metern erreichen. Damit widerspreche das Vorhaben den geltenden Vorgaben des Bebauungsplans, kritisiert die Gemeinde.
Für Frastanz gehe es nicht nur um Technik, sondern auch um die Frage, wie sich ein solches Bauwerk in das Ortsbild einfügt.
"Verantwortung für den Lebensraum"
Trotz der klaren Ablehnung betont Bürgermeister Walter Gohm (ÖVP) die Bedeutung des Unternehmens für die Region. Rondo Ganahl sei seit Jahrzehnten ein wichtiger Arbeitgeber.
"Die nun beschlossene Stellungnahme ist das Ergebnis einer sorgfältigen und verantwortungsbewussten Abwägung der konkreten Projektfolgen für Frastanz. Genau dieser Anspruch an Sachlichkeit und Fairness ist für uns als Marktgemeinde zentral", sagte Gohm.
Die Gemeinde fordert im Zuge des UVP-Verfahrens eine vertiefte Prüfung möglicher Alternativen.
Forderung nach Energie-Gesamtstrategie
Darüber hinaus richtet sich ein Appell an das Land Vorarlberg: Gefordert wird ein übergeordneter Energie- und Wärmeraumplan. Dieser soll künftig als strategische Grundlage für die Versorgung energieintensiver Betriebe dienen.
Die Gemeindevertretung vertritt zudem die Ansicht, dass die Verbrennung von Reststoffen keine Aufgabe privater Unternehmen sein sollte. Solche Anlagen sollten ausschließlich von Energieversorgern errichtet und betrieben werden.
Rondo setzt auf Eigenversorgung
Das Unternehmen selbst argumentiert mit dem hohen Energiebedarf: Rondo Ganahl zählt zu den größten Energieverbrauchern im Land und verantwortet laut eigenen Angaben rund sieben Prozent des Gasverbrauchs in Vorarlberg. Mit dem geplanten Reststoff-Kraftwerk könnte der Betrieb seinen Wärmebedarf künftig eigenständig decken.
(VOL.AT)