Free your mind, Ladies!

„Nicht schlecht für eine Frau.“ Man ist sie doch schon leid, die vielen Geschlechter­klischees, die einem trotz größter ­Bemü­hungen nach wie vor um die Ohren ­fliegen. Nicht nur in der Wirtschaft dominieren ­Männer die Chefetagen, auch im Sport sind Frauen nach wie vor unterrepräsentiert.

Sportliche Ziele ungeachtet aller Vorurteile verfolgen: die Radrennsportlerin Anna Bachmann, genauso wie Teammanagerin der Lustenauer Wildcats Birgit Dietrich machen es vor. Weder Geschlechterrollen noch sportliche Hürden halten sie auf, womit sie vorbildliche Generationenarbeit leisten. Auch wenn sich die beiden Sportlerinnen in ganz unterschiedlichen Disziplinen bewegen, vereint sie ein Mindset, wie man es jeder jungen Frau an die Hand geben möchte. Selbstbestimmt, selbstbewusst, aufgeschlossen, unerschrocken, visionär, mutig, zielstrebig und so herrlich authentisch durchbrechen sie Glaubenssätze und machen vielen anderen Frauen Mut.

Eines Morgens wacht die junge Anna Bachmann mit der Vision auf: Sie will Radfahrerin werden. Sie macht ernst und tauscht ihr Moped gegen ein Fahrrad, nichts ahnend, was dem folgt. Wenige Jahre später kann sie auf ihren sportlich größten Coup zurückblicken: Das Race Around Austria. Das Rennen zählt zu den wohl härtesten Ultra-Rad­rennen Europas, Anna gewinnt die Extremradsportveranstaltung 2018 in Rekordzeit und lässt selbst eingesessene Profis hinter sich. Genau genommen sind es 2200 km und 30.000 Hm, die die Götznerin in 4 Tagen, 13 Stunden und 31 Minuten bewältigt. Damit setzt sie einen neuen Streckenrekord. Noch heute beschreibt sie aber nicht den Sieg als ihren größten Erfolg, sondern, dass es ihr gelungen ist, sich einer Leidenschaft hinzugeben – kompromisslos und ohne zu wissen, was dabei herauskommt. Das ist es auch, was sie anderen Frauen mit auf den Weg geben möchte. Die Bereitschaft, ein Risiko einzugehen, Visionen zu haben, Ressourcen darauf zu setzen und sich selbst zu erlauben, groß zu denken. So wird das Ziel, sportlich wie beruflich, letztlich immer klarer und auch erreichbarer.

Ein Appell an die Freiheit.

Schon Hanna Ross verdeutlicht in ihrem Buch „Revolutions: Wie Frauen auf dem Fahrrad die Welt veränderten“, dass Radfahren so viel mehr ist als sich bloß fortbewegen. Das Radfahren ist Teil der Emanzipationsgeschichte. Rennfahrerinnen, Feministinnen und Abenteurerinnen zeigen, warum eine selbstbestimmte Position der Frau von Beginn an mit dem Radfahren verknüpft ist. Einen Vergleich, den auch Anna zieht. Den eigenen Kontext verlassen, sich permanent verändern, sich nicht einschränken lassen, beschreibt Anna ihre Leidenschaft zum Fahrrad. „Es ist an der Zeit, dass der Radrennsport wieder „more sexy“ wird, sagt die Spitzensportlerin und meint damit gewiss keine Attitüde. Anna, die mit Geschlechterrollen so gar nichts anfangen kann, sieht die Unpopularität des Radrennsports momentan woanders. Der Vorarlberger Radrennsport leidet unter einem systemischen Problem. Solange Breiten- und Spitzensport-Veranstaltungen aufgrund von unüberwindbaren behördlichen Barrieren nicht mehr veranstaltet werden und die Aggressivität im Straßenverkehr stetig zunimmt, ist es grundsätzlich schwierig, junge Menschen für den Radrennsport zu begeistern, trotz des großen Engagements von Vereinen und Verbänden. Dieses Problem ist nicht geschlechterspezifisch.

Der Puck im Tor.

Wenig zimperlich geht es bekanntlich beim Eishockey zu – und schon will man den Frauen die nötigen Kompetenzen dafür absprechen. Das Hamsterrad beginnt zu laufen. „Eishockey ist einfach nichts für Mädchen.“ Die Wildcats beweisen das Gegenteil. Heute ist der Verein der Eishockey-Damen voll im Stammverein des EHC Lustenau integriert, doch das war nicht immer so, erzählt Birgit Dietrich, die als knallharte Verteidigerin für ihre Wildcats auf dem Eis steht. Auch abseits der Eisfläche stürzt sich Birgit für ihre Mannschaft ins Gefecht. Sie organisiert Meisterschaften, kümmert sich um die Angelegenheiten des Teams, ist für sämtliche Organisationsprozesse mitverantwortlich und gibt sich auch dann defensiv, wenn man ihren Ladys querkommt. Kurz gesagt, Birgit ist das Herzstück der Mannschaft, der Puck im Tor. Mit ihrem jahrelangen Engagement und Einsatz für den Verein, ist sie maßgeblich an der Entwicklung des Vorarlberger Damen-Eishockey beteiligt, auch wenn sie das selbst nie von sich behaupten würde. Die Vorarlberger Eishockey-Damen feiern Mitte des Jahrzehnts große Erfolge in ausländischen Ligen und können endlich mitreden. Diesem Vorbild folgen viele. Zu Spitzenzeiten etablieren sich sogar vier Damen-Eishockeyvereine im Land. Nachwuchs zu generieren ist aber damals wie heute eine große Herausforderung, nicht zuletzt, weil sich Klischees hartnäckig halten und andere Sportarten sich mehr schicken. Das muss sich ändern, ist sich Birgit sicher.

Mögen die anatomischen Voraussetzungen von Mann und Frau noch so groß sein, ist es Leidenschaft, Disziplin und Engagement, auf was es im Sport tatsächlich ankommt und es ist an der Zeit, dass Frauen im Sport die notwendige Aufmerksamkeit erhalten. Tatsache ist, Frauen sind auch im 21. Jahrhundert in zahlreichen gesellschaftlichen Bereichen benachteiligt, so auch im Sport. Dass das nicht an körperlichen Voraussetzungen von Mann und Frau per se liegt, ist zweifellos. Mit Gender-Mainstreaming und Empowerment-Prozessen versucht man zwar, einiges in Gang zu setzen, letztlich reicht das aber nicht aus, um mit den beharrlichen Männlichkeits- und Weiblichkeitsentwürfen im Sport gänzlich aufzuräumen. Die Unterschiede sind noch immer real – ein paar Beispiele: Im Eishockey der Damen ist der Bodycheck verboten, bei den Leichtathletik Frauen gibt es Siebenkämpfe und 100-Meter-Hürden, während es bei den Männern Zehnkämpfe und 110-Meter-Hürden sind und beim Frauen-Basketball kommt ein anderer Ball zum Einsatz, nur um das Spiel zu verlangsamen. Warum das alles, ist die eine Frage, wie lange noch, die andere. Free your mind, guys – es ist an der Zeit!

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