Fruchtbarkeit sinkt: Feldkirch meldet 203 Babys nach IVF
Mehr als 500 Paare haben im vergangenen Jahr erstmals das Kinderwunschzentrum am Landeskrankenhaus Feldkirch aufgesucht. Insgesamt wurden rund 1.000 Behandlungszyklen durchgeführt. Für viele erfüllt sich damit ein lang gehegter Wunsch – und die Erfolgschancen steigen laut den Medizinern stetig.
Die Wahrscheinlichkeit, nach einer künstlichen Befruchtung schwanger zu werden, werde immer größer, erklärte Oberarzt Norbert Loacker gegenüber dem ORF Vorarlberg.
Ein Behandlungszyklus kostet allerdings bis zu 5.500 Euro. Bleibt der Erfolg aus, können sich die Kosten schnell vervielfachen. Unterstützung gibt es durch einen Fonds, sofern die Frau unter 40 und der Mann unter 50 Jahre alt ist.
Weniger Mehrlingsgeburten als früher
Ein deutlicher Trend zeigt sich bei den Geburten: Mehrlinge werden seltener. Von den 203 geborenen Babys waren 189 Einlinge, dazu kamen sieben Zwillingspaare. Drillinge gab es keine.
Grund dafür ist der sogenannte Single-Embryo-Transfer, bei dem gezielt nur ein Embryo eingesetzt wird. Das führe zu einer hohen Schwangerschaftsrate und niedrigen Zwillingsraten, so Loacker. Die Zwillingsrate liegt aktuell bei rund vier Prozent – für die Mediziner ein erfreulicher Wert.
Männer sind oft der entscheidende Faktor
Lange Zeit galt Unfruchtbarkeit als "Frauenproblem". Diese Sicht ist überholt. Die Ursachen würden zur Hälfte beim Mann liegen, stellte Loacker klar. Bei jedem zweiten Paar sei die männliche Fruchtbarkeit der Grund, warum eine natürliche Schwangerschaft nicht gelingt.
Ein zentrales Problem: die Qualität der Spermien. Die Samenqualität der Männer sei viel zu schlecht, sagte Loacker gegenüber dem ORF. Deshalb gehöre eine Samenanalyse mittlerweile zum Standard vor jeder Behandlung. Positiv sei jedoch, dass die Bereitschaft der Männer zur Untersuchung gestiegen ist.
Später Kinderwunsch wird zur Herausforderung
Auffällig ist auch das Alter der Patientinnen. Im Schnitt sind Frauen 35 Jahre alt, wenn sie erstmals ins Kinderwunschzentrum kommen. Immer häufiger suchen auch Frauen über 40 medizinische Unterstützung.
Die Gründe liegen laut Loacker im gesellschaftlichen Wandel: Ausbildung, Karriere und die oft spätere Partnersuche verschieben den Kinderwunsch nach hinten. Gleichzeitig nimmt die Fruchtbarkeit mit dem Alter ab.
Loacker fordert daher mehr Aufklärung: Man wolle niemanden zu einer frühen Elternschaft zwingen, aber wenn Frauen früher über mögliche Probleme Bescheid wissen, erleichtere das eine selbstbestimmte Schwangerschaft.
Kinderwunsch bleibt oft ein Tabu
Trotz medizinischer Fortschritte ist künstliche Befruchtung in Vorarlberg noch immer ein sensibles Thema. Viele Paare gehen diskret damit um – manche drehen sogar um, wenn sie im Krankenhaus Bekannte treffen.
Für Loacker ist das unverständlich: Niemand mache sich Gedanken, wenn jemand wegen eines geschlossenen Gehörganges im Krankenhaus ist. Aber bei einem verschlossenen Eileiter schon. Das Kinderwunschzentrum verstehe sich als Unterstützung für Betroffene – und plädiert für einen offeneren Umgang mit dem Thema in der Gesellschaft.
(VOL.AT)