Fußball-WM 2026: Wie die Debatte um US-Einreiseverbote die WM belastet
Eigentlich hätte der Unparteiische aus Somalia bei dem XXL-Turnier als einer von sieben afrikanischen Unparteiischen pfeifen sollen. Stattdessen schickten ihn die US-Grenzbehörden am Flughafen in Miami wieder zurück, obwohl er alle Formalien erfüllt habe, wie er sagte. Was der Fall über das grundsätzlich heikle Einreisethema sagt.
Wie begründen die USA die Abweisung Artans?
Mit Sicherheitsbedenken, wie etwa die Grenzschutzbehörde CBP anführte. Die Überprüfung am Flughafen habe bei Artan "Verbindungen zu mutmaßlichen Mitgliedern terroristischer Organisationen" ergeben, teilte zudem ein Vertreter der US-Regierung dem Nachrichtensender CNN mit.
Somalia gehört zu den 39 Staaten, deren Staatsangehörige von den verschärften Einreisebestimmungen der US-Regierung von Präsident Donald Trump betroffen sind. Bürger dieser Länder werden bei der Einreise zusätzlichen Überprüfungen unterzogen.
Was sagen die Kritiker?
"Wir haben genau das erwartet von den USA: Dass sie Leute ausschließen, die ihnen irgendwie aus irgendeinem Grund nicht in den Kram passen", sagte Mark Pieth der Deutschen Presse-Agentur. Der Baseler Professor für Strafrecht war von 2011 bis 2013 Vorsitzender der unabhängigen Kommission für Governance bei der Fifa. Er gilt als scharfer Kritiker des Weltverbands.
In der Abweisung Artans sieht Pieth vor allem ein Problem: "Das geht nicht. Weltmeisterschaft heißt, dass die Leute aus der ganzen Welt dabei sein können, wenn sie qualifiziert sind." Die USA seien unter diesen Umständen nicht in der Lage, eine WM auszurichten. Ähnlich äußerte sich Maja Liebing, Amerika-Referentin bei Amnesty International in Deutschland: "Eine Weltmeisterschaft, bei der große Teile der Welt gar nicht einreisen dürfen, widerspricht sich eigentlich selbst."
Welche Rolle spielt die Grenzschutzbehörde CBP?
Die U. S. Customs and Border Protection (CBP) ist die offizielle US-Zoll- und Grenzschutzbehörde und übernimmt an Flug- und Seehäfen sowie Landgrenzen die Kontrollen. Letztlich trifft sie die Entscheidung, ob jemand in die USA einreisen darf.
Viel Macht also für die Bundesbehörde. "Die Sicherheitsbehörden haben weitreichende Befugnisse, und es liegt dann jeweils in ihrem Ermessensspielraum", sagt Liebing. "Sie müssen sich nicht öffentlich äußern, können im Hintergrund Entscheidungen treffen und sind niemandem Rechenschaft schuldig."
Welche WM-Teilnehmer unterliegen Einreisebeschränkungen?
Seit dem 1. Jänner gilt eine erweiterte Version des von US-Präsident Donald Trump im vorigen Juni eingeführten Einreiseverbots. Seither stehen insgesamt 39 statt zuvor 20 Staaten auf der Liste, darunter auch die vier WM-Teilnehmer Iran, Haiti, Senegal und Elfenbeinküste. Die US-Regierung begründet dies mit Sicherheitsbedenken.
Menschen aus Senegal und der Elfenbeinküste unterliegen teilweise Beschränkungen. Für Haiti und Iran gilt ebenso ein vollständiges Einreiseverbot wie für Somalia. Ausnahmen für WM-Fahrer sind explizit vorgesehen, bei Schiedsrichter Omar Artan machte die US-Grenzschutzbehörde CBP keine.
Warum steht das Gesetz stark in der Kritik?
Betroffen von Trumps Gesetz sind vor allem afrikanische Länder, insgesamt 26 der 39, während Länder der westlichen Welt auf dieser Liste gänzlich fehlen. "Wir verurteilen diese Reisebeschränkungen ganz klar als rassistisch, weil sie ausschließlich Länder betreffen, in denen Menschen leben, die nicht weiß sind, also schwarze Menschen, People of Color und eben auch überwiegend Menschen muslimischen Glaubens", sagte Liebing.
Welchen Einfluss hat die Fifa?
Offiziell gar keinen. So teilte es der Weltverband in der Causa Artan jedenfalls mit. "Die Fifa ist nicht an den Einwanderungsverfahren des Gastgeberlandes beteiligt, einschließlich der Entscheidung über Visaanträge." Wie bei vorherigen Turnieren habe das Gastgeberland das ultimative Recht, über die Visavergabe zu entscheiden.
"Bei den Amerikanern ist es genau das, was man befürchtet hatte, und bei der Fifa ist es im Grunde nur peinlich", kritisierte Pieth. Der Weltverband setze sich nicht für seinen Schiedsrichter ein. Der 73-jährige Antikorruptionsexperte vermutet: "Die wollen die Amerikaner nicht vergraulen."
Warum steht auch Infantino in der Kritik?
Der Fifa-Präsident hatte Bedenken wegen der US-Praxis im vergangenen August noch ausgeräumt. Bei der WM seien alle willkommen, "genau darauf arbeiten wir hin", sagte Infantino in Kenias Hauptstadt Nairobi nach einem Treffen mit Präsidenten aus den 54 afrikanischen Mitgliedsverbänden. "Natürlich gibt es einen Prozess, den man durchlaufen muss, um Visa und so weiter zu erhalten. Dieser Prozess wird reibungslos verlaufen und sicherstellen, dass diejenigen, die sich qualifizieren, mit ihren Fans anreisen können." Der Fall des Fifa-Schiris Artan zeigt, dass dem nicht so ist.
Was kommt auf Fans an den US-Flughäfen zu?
Sie müssen mit Handy-Kontrollen rechnen. "Es ist angekündigt worden, dass bei der Einreise elektronische Geräte überprüft werden können, Social-Media-Accounts überprüft werden können auf ‚anti-amerikanische Inhalte‘", sagt Liebing. Als antiamerikanisch gilt etwa, wer grundlegende US-Werte ablehnt, Terrorgruppen unterstützt oder zu Gewalt gegen die USA aufruft. Allerdings sieht Liebing erhebliche Grauzonen, die den Grenzschutzbehörden einen Ermessensspielraum bieten. "Der Willkür ist Tür und Tor geöffnet. Das ist das Problem", sagt sie.
(APA/dpa)