Garten im März: Diese Pflanzen brauchen jetzt die Schere
Die Sonne gewinnt an Kraft, Knospen schwellen, Forsythien beginnen zu blühen. Viele Hobbygärtner greifen jetzt automatisch zur Schere. Doch im März gilt: Nicht der Kalender entscheidet, sondern die Pflanze.
In Mitteleuropa – ob Deutschland, Österreich oder Schweiz – ist der März der sensibelste Schnittmonat des Jahres. Entscheidend sind Frostlage, Höhenlage und der phänologische Entwicklungsstand der Gehölze. Darauf weist unter anderem der Phänologische Kalender des Deutschen Wetterdienstes (DWD) hin.
Wer hier falsch schneidet, entfernt Blütenknospen, schwächt Obstbäume – und kann während der Brutzeit geschützte Nester zerstören, was auch in Österreich verboten ist.
Hier ist der klare Überblick: Was jetzt geschnitten werden muss. Was möglich ist. Und was tabu bleibt.
Was im März Pflicht ist
Herbsthimbeeren
Herbsttragende Himbeersorten fruchten ausschließlich am diesjährigen Holz. Deshalb werden sie im Spätwinter oder frühen Frühjahr vollständig bodennah abgeschnitten.
Nach Angaben der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) führt ein unterlassener Rückschnitt zu geringerem Ertrag und dichterem, krankheitsanfälligem Wuchs.
Praxisregel: Alle alten Ruten auf wenige Zentimeter über dem Boden einkürzen.
Weinreben
Der Rebschnitt muss vor dem Einsetzen des starken Saftstroms abgeschlossen sein. Sobald die Knospen anschwellen, beginnt das sogenannte „Bluten“ der Rebe.
Die LWG weist darauf hin, dass ein verspäteter Schnitt zu starkem Saftaustritt führen kann.
Praxisregel: Nur an frostfreien Tagen schneiden, spätestens vor dem deutlichen Knospenschwellen.
Kernobst: Apfel, Birne, Quitte
Der Spätwinterschnitt dient der Kronenform, der Belichtung und der Stabilität. Konkurrenztriebe, steil wachsende Wasserschosse und Totholz werden entfernt.
Die Royal Horticultural Society (RHS) empfiehlt, Schnittmaßnahmen bei starkem Frost zu vermeiden, da Holz spröde wird und Risse entstehen können.
Praxisregel: Nicht unter –5 Grad schneiden, saubere Schnitte am Astring setzen.
Sommerblühende Sträucher
Sommerflieder (Buddleja)
Blüht am neuen Holz. Ein kräftiger Rückschnitt im März fördert starke Jungtriebe und große Blütenstände.
Rispen- und Schneeballhortensien
Hydrangea paniculata und arborescens bilden ihre Blüten am diesjährigen Holz. Ein Rückschnitt auf wenige kräftige Knospenpaare steigert die Blütenbildung.
Die RHS bestätigt, dass diese Arten im Spätwinter oder zeitigen Frühjahr geschnitten werden.
Ziergräser
Laubabwerfende Gräser wie Chinaschilf (Miscanthus) oder Lampenputzergras sollten vor dem Neuaustrieb bodennah zurückgeschnitten werden.
Erfolgt der Schnitt zu spät, werden junge Halme beschädigt.
Was im März möglich ist
Rosen
Als Orientierung gilt die Forsythienblüte – ein klassischer phänologischer Marker. Sobald sie blüht, beginnt die Schnittphase für Edel-, Beet- und Strauchrosen.
Diese Empfehlung findet sich unter anderem bei der RHS sowie in gärtnerischen Fachpublikationen.
Praxisregel:
- Totholz entfernen
- Schwache Triebe auslichten
- Schnitt wenige Millimeter über einer nach außen gerichteten Knospe
Lavendel
Im Frühjahr wird Lavendel eingekürzt, um Verholzung zu vermeiden. Geschnitten wird ausschließlich im grünen Bereich.
Ein Schnitt ins alte, kahle Holz führt häufig zum Ausbleiben des Neuaustriebs.
Stauden
Vertrocknete Stängel werden entfernt, sobald der neue Austrieb sichtbar ist. Dabei ist Vorsicht geboten, um frische Triebe nicht zu beschädigen.
Was im März tabu ist
Frühjahrsblüher
Forsythie, Flieder und Magnolie bilden ihre Blütenknospen bereits im Vorjahr. Ein Rückschnitt im März entfernt die gesamte Blütenanlage.
Fachverbände empfehlen daher, diese Gehölze unmittelbar nach der Blüte zu schneiden.
Ahorn und Birke
Diese Gehölze stehen im Frühjahr stark im Saft. Schnittmaßnahmen führen zu erheblichem Saftaustritt.
Die RHS rät, den Rückschnitt in den Spätsommer oder Herbst zu verlegen.
Hecken und Gehölze: Schutzzeit beachten
In Deutschland ist vom 1. März bis 30. September das starke Zurückschneiden oder Roden von Hecken gesetzlich untersagt (§ 39 Bundesnaturschutzgesetz).
Erlaubt sind lediglich schonende Form- und Pflegeschnitte – sofern keine brütenden Vögel betroffen sind.
Auch in Österreich und der Schweiz gelten während der Brutzeit Schutzbestimmungen. BirdLife Österreich weist regelmäßig auf die Bedeutung dieser Schonzeiten hin.
Die häufigsten Fehler im März
- Rückschnitt bei starkem Frost
- Schnitt ins alte Holz bei empfindlichen Arten
- Entfernung von Blütenknospen bei Frühjahrsblühern
- Beschädigung frischer Austriebe
- Missachtung gesetzlicher Schutzzeiten
Die kompakte März-Checkliste
Jetzt schneiden
- Herbsthimbeeren bodennah schneiden
- Weinreben vor dem Austrieb zurücksetzen
- Kernobst auslichten
- Sommerflieder kräftig einkürzen
- Rispenhortensien zurückschneiden
- Ziergräser vor Neuaustrieb schneiden
- Rosen bei Forsythienblüte schneiden
Jetzt nicht schneiden
- Frühjahrsblüher jetzt nicht schneiden
- Ahorn und Birke im Frühjahr nicht zurücksetzen
- Hecken nicht radikal kürzen
Transparenz & Quellen
Die fachlichen Hinweise in diesem Artikel stützen sich auf Empfehlungen folgender Institutionen und Fachstellen:
- Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG)
- Deutscher Wetterdienst (DWD), Phänologischer Kalender
- Royal Horticultural Society (RHS)
- Bundesnaturschutzgesetz (§ 39 BNatSchG)
- BirdLife Österreich
Die Hinweise ersetzen keine individuelle Fachberatung, sondern dienen der allgemeinen Orientierung für Hobbygärtner in Mitteleuropa.