Wo Vorarlbergs erstes Geburtshaus entstehen soll – und woran es noch hängt
Wo das erste Vorarlberger Geburtshaus entstehen soll
In Vorarlberg könnte erstmals ein Geburtshaus entstehen. Die Initiative "Geburtskultur A bis Z" hat nun Grundstück in Aussicht – jetzt geht es um Geld, Planung und Umsetzung.
Video: So soll das Geburtshaus aufgebaut sein
Initiative kämpft seit Jahren für Alternative
Projektleiterin Brigitta Soraperra leitet die Initiative "IG Geburtskultur A bis Z", die seit 2016 neun Fachfrauen aus Psychologie, Geburtshilfe und Pädagogik vereint.
Ziel sei von Beginn an gewesen, die Bedeutung der Geburt stärker ins gesellschaftliche Bewusstsein zu rücken. Gleichzeitig gehe es um Wahlfreiheit: Eltern sollen selbst entscheiden können, "wo und mit wem sie ihre Kinder auf die Welt bringen".
Grundstück am Blasenberg in Aussicht
Mit dem nun angebotenen Grundstück in Feldkirch sehen die Initiatorinnen eine entscheidende Hürde genommen. Am Blasenberg, in unmittelbarer Nähe zum Krankenhaus Feldkirch, stellen die Kreuzschwestern eine Fläche im Baurecht zur Verfügung.
Für Soraperra ist das "wirklich ein Geschenk", da ein Kauf in dieser Lage finanziell nicht machbar wäre.
Eröffnung frühestens 2027/28
Der Zeitplan ist klar umrissen: 2026 soll die Finanzierung stehen, 2027 der Bau starten. Eine Eröffnung wäre laut Initiative "Ende 2027, Anfang 2028" möglich.
Geplant sind drei Gebäude mit zwei Geburtsräumen und einem Veranstaltungsraum. Rechtlich handelt es sich um eine Hebammenpraxis mit Gebärmöglichkeit. Ein Team von vier bis fünf Hebammen soll jährlich rund 40 bis 50 Geburten begleiten.
Sicherheit durch Nähe zum Spital
Die medizinische Sicherheit sieht die Initiative gewährleistet. Hebammen seien auf physiologische Geburten spezialisiert und könnten Abweichungen früh erkennen.
Bei Komplikationen ist ein Wechsel ins Krankenhaus Feldkirch vorgesehen. "Dann kann man in Ruhe dorthin überwechseln", so Sarraperra. Gespräche über eine Zusammenarbeit laufen bereits.
Finanzierung als größtes Hindernis
Rund 1,5 Millionen Euro werden für das Projekt benötigt. Die Initiative setzt auf eine Genossenschaft: Bürgerinnen und Bürger können sich mit Anteilen beteiligen.
"Für uns ist dieses ein Projekt für die Gemeinschaft und von der Gemeinschaft", betont Sarraperra. Zusätzlich werden Stiftungen, Unternehmen und größere Investoren angesprochen.
Geburtshaus als "Zwischenglied"
Das geplante Angebot richtet sich an gesunde Frauen mit komplikationsloser Schwangerschaft. Es soll eine Alternative zwischen Spitals- und Hausgeburt bieten.
Ein zentraler Unterschied: die kontinuierliche Betreuung durch dieselben Hebammen von der Schwangerschaft bis ins Wochenbett. Gleichzeitig soll eine wohnliche Atmosphäre entstehen – mit natürlichen Materialien wie Lehm und Holz.
Zugang für alle geplant
Da außerklinische Geburten in Österreich nicht vollständig von der Krankenkasse gedeckt sind, bleibt ein Selbstbehalt. Um soziale Hürden zu reduzieren, plant die Initiative einen Solidarfonds.
Dieser soll Familien unterstützen, die sich das Angebot sonst nicht leisten könnten.
Politische Debatte als Rückenwind
Das Projekt fällt in eine Zeit, in der die Geburtshilfe in Vorarlberg neu strukturiert wird. Laut Sorraperra könne Zentralisierung nur funktionieren, wenn gleichzeitig der niedergelassene Bereich gestärkt wird.
Das Geburtshaus versteht sich dabei als Ergänzung – und als Antwort auf eine bestehende Versorgungslücke.
"Herzensprojekt" mit großer Vision
Für die Projektleiterin ist das Vorhaben mehr als ein Bauprojekt. "Für mich ist es ein richtig großes Herzensprojekt", sagt Soraperra.
Langfristig gehe es um mehr als Geburten: "Wenn wir es schaffen, den Start ins Leben so zu gestalten, dass Menschen gestärkt daraus hervorgehen, können wir die Gesellschaft gesund halten."
(VOL.AT)