Der 10. Jänner hat den Alltag der 25-Jährigen abrupt verändert. Nach ihrem Sturz bei der Weltcup-Abfahrt in Zauchensee ist die Saison für sie vorbei, der Olympiatraum geplatzt. Die Diagnose: Riss des vorderen Kreuzbandes und des Seitenbandes im rechten Knie sowie eine Meniskusquetschung. Nach der Erstversorgung wurde Egger per Hubschrauber ins Krankenhaus nach Radstadt geflogen und am darauffolgenden Tag in der Klinik Kettenbrücke in Innsbruck operiert. Die Akut-Reha absolviert sie daheim in Lech bei Physiotherapeutin Astrid Rhomberg, nur fünf Minuten von zu Hause entfernt.
Von Tag zu Tag
Die 25-Jährige wirkt gefasst, obgleich sie sich der schwierigen Situation bewusst ist. Körperlich, sagt sie, präsentiere sich das Knie bisher "super“ – immer "in Relation“, weil noch alles "sehr akut“ sei. Die Möglichkeiten seien noch beschränkt, aber sie sei zufrieden. Rund zwei Wochen nach der Operation gehe es nun darum, die nächsten Schritte sauber aufzubauen, ohne sich von einem großen Ziel unter Druck setzen zu lassen. "Gar nicht zu viel an das Endergebnis denken, sondern von Tag zu Tag arbeiten“, lautet ihr Zugang.
Rhomberg, die Egger seit Kindheitstagen kennt und auch schon für den ÖSV tätig war, spricht aus physiotherapeutischer Sicht von einer schweren Verletzung und einem mehrmonatigen Stop-and-Go-Verbot. Gleichzeitig sei der bisherige Verlauf optimal, man befinde sich jedoch noch in der Frühphase der Rehabilitation. Entscheidend sei, wie das Knie auf die nächsten Belastungsstufen reagiere.
Egger selbst setzt genau dort an: nicht zurückdenken, sondern "von Tag zu Tag“ arbeiten. Aktivierung, Streckung und Muskelerhalt stehen aktuell im Vordergrund. Große Trainingsreize seien in dieser Phase noch kein Thema, erste Rumpf- und Oberkörperübungen sind jedoch bereits möglich. Als nächste Schritte stehen Gangschulung und der Übergang zu kurzen Strecken ohne Krücken an.
Magdalena, die erste Frage, die sich aufdrängt: Wie geht es dir aktuell?
Soweit ganz gut. Das Knie präsentiert sich bisher sehr gut. Natürlich muss man das in Relation setzen, es ist noch sehr akut und die Möglichkeiten sind beschränkt. Aber für diese Phase läuft alles optimal.
Der Sturz in Zauchensee – ist der noch in deinem Kopf präsent?
Du bist mit der aktuellen Situation täglich konfrontiert. Gedanken an den Sturz selbst habe ich jedoch kaum, weil die Situation jetzt ist, wie sie ist. Ich versuche, Tag für Tag das Beste daraus zu machen.
Du sprichst bewusst von Tag zu Tag. Warum ist das gerade jetzt so wichtig?
Gar nicht zu viel an das Endergebnis, also an die Rückkehr auf den Schnee, denken, sondern jetzt das Bestmögliche fürs Knie herausholen. Das hat mir schon in der Vorbereitung geholfen: von einem Schneetag zum nächsten zu schauen.
Es ist deine erste Bandverletzung mit Operation. Macht das etwas anders?
Ja. Der große Unterschied ist die zeitliche Dauer. Das nimmt jetzt wesentlich länger in Anspruch als alles, was ich bisher gehabt habe. Ich bin davor Gott sei Dank mit kleineren Verletzungen gut davongekommen.
Wie sieht der Reha-Plan aktuell aus – was funktioniert schon, was geht noch nicht?
Ich bin noch sehr eingeschränkt. Es beschränkt sich stark auf Aktivierungsübungen vom Quadrizeps, damit die volle Kniestreckung wieder funktioniert, und auf Muskelerhalt, damit man nicht zu viel abbaut. In den ersten zwei Wochen sollte man nicht groß Trainingsreize setzen.
Geduld ist gefragt – fällt dir das leicht?
Das kannst du mich in neun Monaten noch einmal fragen (lacht). Aktuell kann ich das nicht beantworten. Mir ist bewusst, dass es eine lange Zeit wird und alles Mögliche daherkommen kann.
Du hast viele Nachrichten von Kolleginnen und Kollegen bekommen. Was bedeutet dir das?
Das hilft auf alle Fälle. Vor allem, weil so viel Unterstützung von Athletinnen kommt. Da ist viel Vorerfahrung da, und ich weiß bei jeder Einzelnen, dass ich jederzeit fragen kann. Das Gefühl, man geht den Weg nicht allein, hilft enorm.
Die Olympischen Spiele – wie gehst du damit um, dass du nicht dabei bist?
Ich glaube, die Chance wird einem erst bewusst, wenn sie weg ist. Ich war so nah wie noch nie, aber ich bin jetzt nicht dort. Ich freue mich für die Nominierten. Es sind mit Nina Ortlieb, Ariane Rädler oder auch Sonja Gigler einige meiner Freundinnen dabei, die ich schon sehr lange kenne. Ich wünsche allen von Herzen das Allerbeste.
Wirst du die Rennen trotzdem anschauen?
Ganz klar ja. Ich bin nach wie vor sportinteressiert und eine leidenschaftliche Skifahrerin. Nur weil ich aktuell nicht fahren kann, heißt das nicht, dass mich der Sport nicht interessiert.
Zum Schluss: Was gibt dir die Zuversicht, stärker zurückzukommen?
Alles. Da ist kein Zweifel. Ich kann nicht sagen, in welcher Form sich das zeigt, aber es gibt genug Beispiele von Athletinnen und Athleten, die stärker zurückgekommen sind. Ich hoffe natürlich, dass das auch bei mir so ist.
(VOL.AT)