AA

Gefäß gegen Ascheregen: Neue Einblicke in Pompejis letzte Stunden

Der Fund erinnert an Berichte des römischen Schriftstellers Plinius der Jüngere.
Der Fund erinnert an Berichte des römischen Schriftstellers Plinius der Jüngere. ©Parco Archeologico di Pompei
Bei neuen Ausgrabungen in der Nekropole von Porta Stabia in Pompeji haben Archäologen die Überreste von zwei Männern entdeckt, die beim Ausbruch des Vesuv im Jahr 79 n. Chr. ums Leben kamen.

Die Funde liefern weitere Einblicke in die Katastrophe. Nach Angaben der Forscher versuchten beide Männer nach dem Vulkanausbruch, in Richtung Küste zu fliehen, starben jedoch zu unterschiedlichen Zeitpunkten.

Abb. 2: Ansicht des stratigraphischen Schnitts mit teilweiser Freilegung von Opfer 1, das in der Ablagerung der pyroklastischen Strömung aus der zweiten Phase des Ausbruchs gefunden wurde. ©Parco Archeologico di Pompei
Abb. 5: Ansicht des stratigraphischen Schnitts mit teilweiser Freilegung von Opfer 2, das in gekauerter Position innerhalb der grauen Bimsablagerung dokumentiert wurde. Die alphanumerischen Kürzel kennzeichnen die Einheiten der Ablagerungssequenz des Ausbruchs von 79 n. Chr. gemäß dem stratigraphischen Schema von Scarpati et al. ©Parco Archeologico di Pompei
Abb. 6: Ansicht von Opfer 2 während der Ausgrabung: Die Person befindet sich in gekauerter Haltung, mit dem rechten Arm schützend über den Kopf erhoben. Dort ist ein Mörser aus Keramik sichtbar, der vermutlich als Schutz gegen herabfallende Lapilli diente. Der stratigraphische Kontext weist auf den Tod während der Endphase des Niederschlags grauer Bimssteine hin. Die alphanumerischen Kürzel bezeichnen die Einheiten der Ablagerungssequenz des Ausbruchs von 79 n. Chr. nach Scarpati et al. ©Parco Archeologico di Pompei

Ein jüngerer Mann wurde vermutlich von einer heißen Wolke aus Asche und giftigen Gasen erfasst. Ein älterer Mann kam einige Stunden zuvor bei starkem Lapilliregen ums Leben. Besonders auffällig: Der ältere Tote hielt offenbar ein Tongefäß über den Kopf, um sich vor herabfallendem vulkanischem Material zu schützen. Neben ihm fanden sich eine Öllampe, ein Eisenring sowie zehn Bronzemünzen.

Abb. 8: Keramiklampe, die nahe der linken Hand von Opfer 2 entdeckt wurde. Vermutlich hielt die Person sie zum Zeitpunkt des Todes in der Hand, um sich während der Flucht zu orientieren. ©Parco Archeologico di Pompei

Digitale Rekonstruktion eines der Opfer erstellt

Der Fund erinnert an Berichte des römischen Schriftstellers Plinius der Jüngere. Dieser schilderte, dass Menschen auf der Flucht versuchten, sich mit Polstern oder ähnlichen Gegenständen vor den herabfallenden Trümmern zu schützen.

Abb. 7: Keramischer Mörser vom Typ Dragendorff D2, der in Kopfnähe von Opfer 2 gefunden wurde und vermutlich als Schutz während des Lapilli-Regens diente. ©Parco Archeologico di Pompei

Erstmals setzte der Archäologische Park von Pompeji zudem die Künstliche Intelligenz ein, um eine digitale Rekonstruktion eines der Opfer zu erstellen. Das Modell basiert auf archäologischen Daten und wurde in Zusammenarbeit mit der Universität Padua entwickelt. Ziel ist es, wissenschaftliche Erkenntnisse anschaulicher und einem breiteren Publikum zugänglich zu machen. Fachleute betonen jedoch, dass solche KI-gestützten Rekonstruktionen interpretativen Charakter haben und die wissenschaftliche Analyse nicht ersetzen können.

Abb. 4: Opfer 1. Ansicht der Skelettreste in situ: Die Person liegt auf der linken Seite, der Oberkörper leicht gebeugt, der Kopf nach Norden ausgerichtet. Der Körper wurde im unteren Bereich der Ascheschicht gefunden, die durch die energiereichste pyroklastische Strömung des Ausbruchs (Einheit E) abgelagert wurde. Im oberen Bildbereich, unterhalb des rechten Beins, ist ein dünner Horizont aus dunklen Lapilli (Einheit D) erkennbar. ©Parco Archeologico di Pompei

Im Jahr 79 n. Chr. zerstörte der Vesuv die Stadt Pompeji und begrub sie unter mehreren Metern Asche und Bimsstein. Während der zweiten Phase der Eruption – nach dem Fall der Lapilli – wurden die Menschen von einer heißen Wolke aus vulkanischer Asche erfasst, die sich um ihre Körper verfestigte. Mit der Zeit zersetzten sich die Körper und organischen Materialien, wodurch Hohlräume in der verhärteten Asche entstanden.

Abb. 11: Versuch einer grafischen Rekonstruktion der Person mit dem Mörser unter Einsatz von Werkzeugen der künstlichen Intelligenz. ©Parco Archeologico di Pompei

Im 19. Jahrhundert begannen Archäologen, diese Hohlräume mit Gips zu füllen, um die ursprüngliche Form der Opfer sichtbar zu machen. Diese Technik wurde 1863 erstmals systematisch vom Archäologen Giuseppe Fiorelli angewendet. Nachdem der Gips ausgehärtet und die Asche entfernt worden war, erschienen erstaunlich detaillierte menschliche Figuren, oft mit den Knochen im Inneren erhalten. Pompeji ist der einzige Ort der Welt, an dem solche Zeugnisse in dieser Form rekonstruiert werden konnten.

(APA)

  • ADMIN AT
  • Wissenschaft
  • Gefäß gegen Ascheregen: Neue Einblicke in Pompejis letzte Stunden