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Gerissene Rehkitze: Warum die bekannten Fälle im Koblacher Ried nur ein Teil des Problems sein könnten

Die Gemeinde Koblach appelliert an die Hundehalter, sich an die Leihnenpflicht zu halten. ©VOL.AT/Madlener/Facebook

Das Koblacher Ried ist Naherholungsraum und Lebensraum zugleich. In den vergangenen Wochen zeigte sich dort, wie schnell dieser Konflikt tödlich enden kann.

Auslöser ist eine Mitteilung der Gemeinde Koblach via Facebook. Mehrere Rehkitze seien nachweislich nach Angriffen durch freilaufende Hunde verendet. Die Gemeinde und die Jägerschaft appellieren nun an Hundehalter, ihre Tiere in sensiblen Naturbereichen konsequent an der Leine zu führen.

Warum Rehkitze besonders gefährdet sind

"Jeder einzelne Fall ist bedauerlich und vor allem vermeidbar", sagt Bezirksjägermeisterin Birgit Ammann-Stieger. Gerade junge Rehe hätten gegen einen Hund praktisch keine Chance.

Der Grund liegt in ihrem natürlichen Schutzverhalten. In den ersten Lebenswochen flüchten Rehkitze bei Gefahr nicht. Sie drücken sich ins Gras und verlassen sich auf ihre Tarnung. Was sie vor vielen natürlichen Feinden schützt, kann bei freilaufenden Hunden zur tödlichen Falle werden.

Gerade junge Rehe hätten gegen einen Hund praktisch keine Chance, so Birgit Ammann-Stieger. ©VN

Kommt es zu einem Angriff, endet dieser laut Ammann-Stieger häufig tödlich. In anderen Fällen müssen verletzte Tiere von Jägern aus Tierschutzgründen erlöst werden.

Viele Tiere werden nie gefunden

Nach Einschätzung der Bezirksjägermeisterin handelt es sich nicht um Einzelfälle. Vor allem aus intensiv genutzten Naherholungsgebieten würden immer wieder verletzte oder gerissene Wildtiere gemeldet.

Rehkitze sind für Hunde leichte Beute. ©Vorarlberger Jägerschaft

Eine offizielle Statistik über durch Hunde verletzte oder getötete Wildtiere gibt es laut Jägerschaft nicht. Die bekannten Fälle zeigten daher nur einen Ausschnitt. "Viele verletzte Tiere ziehen sich nach einem Angriff zurück und werden nie gefunden. Sie verenden qualvoll an ihren Verletzungen", erklärt Ammann-Stieger. Die Dunkelziffer sei deshalb erfahrungsgemäß beträchtlich.

Auch gut erzogene Familienhunde könnten in einer Wildbegegnung spontan ihrem Instinkt folgen. ©VOL.AT/Paulitsch

Betroffen seien nicht nur Rehkitze. Auch Feld- und Junghasen, Füchse sowie bodenbrütende Vogelarten könnten durch freilaufende Hunde gefährdet werden. Besonders sensibel sei die Natur während der Setz-, Brut- und Aufzuchtzeit.

Auch gut erzogene Hunde können reagieren

Nach Angaben der Bezirksjägermeisterin lässt sich der Jagdtrieb bei Hunden nie völlig ausschließen. Er sei bei vielen Tieren genetisch verankert. Das gelte nicht nur für auffällige oder schlecht erzogene Hunde. Auch gut erzogene Familienhunde könnten in einer Wildbegegnung spontan ihrem Instinkt folgen.

Der Jagdtrieb bei Hunden lässt sich nie völlig ausschließen, und eine Begegnung im Ried oder in einem Wald ist immer möglich. ©VOL.AT/Madlenerr

Ein guter Grundgehorsam sei zwar wichtig, ersetze in sensiblen Naturbereichen aber keine Leine. "Die Verantwortung für das Verhalten des Hundes liegt immer beim Hundehalter", betont Ammann-Stieger.

Gemeinde erinnert an Leinenpflicht

Die Gemeinde Koblach weist deshalb darauf hin, dass Hunde im Koblacher Ried an der Leine zu führen sind. Auch entlang des Rhein- und Frutzdamms werden Hundehalter ersucht, ihre Tiere anzuleinen. Spaziergänger sollten außerdem die ausgewiesenen Wege nicht verlassen. Besondere Vorsicht sei vor allem im Frühjahr und Frühsommer geboten. In dieser Zeit ziehen viele Wildtiere ihren Nachwuchs auf.

Die Gemeinde Koblach weist deshalb darauf hin, dass Hunde im Koblacher Ried an der Leine zu führen sind. ©VOL.AT/Madlener

Auch in den Dämmerungsstunden am Morgen und Abend sei das Risiko erhöht. Dann sind viele Wildtiere besonders aktiv. Ammann-Stieger richtet deshalb einen klaren Appell an Hundebesitzer: "Wer seinen Hund an der Leine führt, schützt nicht nur Wildtiere, sondern verhindert unnötiges Tierleid und vermeidet auch schwierige Situationen für den eigenen Hund."

(VOL.AT)

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