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Geschlechtsinkongruenz bei Kindern: Warum Eltern so wichtig sind

Expertin erklärt, warum familiäre Akzeptanz für Kinder mit Geschlechtsinkongruenz entscheidend ist. (Symbolbild)
Expertin erklärt, warum familiäre Akzeptanz für Kinder mit Geschlechtsinkongruenz entscheidend ist. (Symbolbild) ©iStock.com/Amparo Garcia
Wie Familien und Schulen Kinder und Jugendliche mit Geschlechtsinkongruenz unterstützen können, stand im Mittelpunkt eines Vortrags der Zürcher Psychotherapeutin Tanja Schenker beim Vorarlberger Kinderdorf. Die Expertin betonte die zentrale Rolle der Eltern und plädierte für Offenheit, Aufklärung und individuelle Begleitung.

Geschlechtsidentität beschäftigt junge Menschen stärker denn je

"Transidentität ist kein neues Phänomen", sagte die Psychotherapeutin und Psychologin Tanja Schenker bei einem Vortrag im Rahmen der Reihe "Wertvolle Kinder" des Vorarlberger Kinderdorfs. Gleichzeitig beobachte sie, dass sich junge Menschen heute intensiver mit ihrer Geschlechtsidentität auseinandersetzen als frühere Generationen.

Psychotherapeutin und Psychologin Tanja Schenker

Kinder mit einer Geschlechtsinkongruenz würden häufig schon früh ein Unbehagen gegenüber dem eigenen Körper oder den zugeschriebenen Geschlechterrollen zeigen. Im Jugendalter könnten sich laut Schenker Depressionen, Angststörungen, selbstverletzendes Verhalten oder Suizidgedanken entwickeln. Ursache sei oft ein hoher Leidensdruck aufgrund der unsicheren Geschlechtsidentität sowie mangelnde Akzeptanz im sozialen Umfeld.

"LGBTQIA+-Jugendliche erfahren mehr Ablehnung in der Familie, Mobbing durch Peers sowie Diskriminierung in öffentlichen Räumen und auf Social Media", erklärte die Zürcher Expertin. Auch gesellschaftliche Entwicklungen würden viele Betroffene belasten.

"Trans ist keine Krankheit"

Im Zuge ihres Vortrags räumte Schenker mit verbreiteten Missverständnissen auf. Transidentität sei keine Krankheit und bedeute nicht automatisch eine spätere medizinische Geschlechtsangleichung.

"Trans heißt, dass die Geschlechtsidentität nicht mit dem bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht übereinstimmt", erläuterte sie. Von einer Transidentität werde im Kindes- und Jugendalter erst gesprochen, wenn eine Geschlechtsinkongruenz über mindestens zwei Jahre hinweg bestehe. Davor sei von einer Geschlechtsvarianz die Rede.

Medizinische Schritte nur unter strengen Voraussetzungen

Besonders wichtig sei eine sorgfältige und individuelle Begleitung betroffener Kinder und Jugendlicher. Schenker betonte, dass medizinische Maßnahmen in ihrer Arbeit äußerst zurückhaltend eingesetzt würden.

"Wir sind sehr zögerlich und vorsichtig mit medizinischen Maßnahmen", sagte sie. Nur ein geringer Teil der jungen Menschen in der spezialisierten Sprechstunde werde etwa hormonell behandelt.

Voraussetzungen seien unter anderem ein Mindestalter von 16 Jahren, eine seit mindestens zwei Jahren stabile Geschlechtsinkongruenz, ein anhaltend hoher Leidensdruck sowie die Zustimmung der Eltern und des Behandlungsteams.

Anhand mehrerer Fallbeispiele zeigte die Psychologin auf, wie viel Fachwissen, Einfühlungsvermögen und Geduld notwendig seien, um Kinder, Jugendliche und deren Familien während des Prozesses der Identitätsfindung zu begleiten.

Familie als wichtigste Stütze

Im Zentrum des Vortrags stand die Bedeutung des familiären Umfelds. Für Schenker ist die Unterstützung durch Eltern entscheidend für das Wohlbefinden betroffener Kinder und Jugendlicher.

"Die Eltern müssen unbedingt mit ins Boot, durch Aufklärung und Unterstützung. Die Familie ist das Wichtigste überhaupt und die familiäre Akzeptanz bedeutsamer als medizinische Maßnahmen", betonte sie.

Viele Eltern würden sich Sorgen machen und sich fragen, ob sie Fehler gemacht hätten oder ob die Geschlechtsinkongruenz nur eine vorübergehende Phase sei. Deshalb brauche auch das familiäre Umfeld Unterstützung und Begleitung.

Gleichzeitig ortet die Expertin positive Entwicklungen. Die Akzeptanz innerhalb der Familien habe in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. Auch Schulen seien heute besser auf das Thema vorbereitet.

"Die Lehrpersonen sind oft die ersten Ansprechpersonen für die Kids. Sie sind bereit für das Thema und wesentlich aufgeklärter", sagte Schenker.

Der Vortrag "Geschlechtsinkongruenz im Kindes- und Jugendalter" fand im Rahmen der Vortragsreihe "Wertvolle Kinder" des Vorarlberger Kinderdorfs statt. Die vollständige Aufzeichnung steht in der Mediathek des Vorarlberger Kinderdorfs sowie auf YouTube zur Verfügung.

(VOL.AT)

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