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"Geschossen wie die Deppen": Vorarlberger kritisieren Silvesterknallerei trotz Verbot

Feuerwerk ist in vielen Vorarlberger Gemeinden untersagt – doch in der Silvesternacht explodieren Raketen und Böller trotzdem flächendeckend. Warum das Verbot kaum greift, wer daran scheitert und was Vorarlberger und Bürgermeister wirklich darüber denken.

In Vorarlberg gilt eigentlich ein Feuerwerksverbot für die Kategorie F2 im Ortsgebiet. Ja, eigentlich – denn in der Praxis kommt dieses Verbot oft nicht an. Die Bürgermeister können in ihren Gemeinden mit einer Ausnahmebewilligung ein Feuerwerk bei einem speziellen Anlass erlauben.

So nahmen die Vorarlberger die Silvesterknallerei wahr:

Immer weniger Vorarlberger Gemeinden gewährten das jedoch ihren Bewohnern. Zum Jahreswechsel 2025/26 waren darunter etwa Dornbirn, Lustenau, Hohenems und Altach. Trotzdem erhellten bunte Raketen in den meisten Gemeinden den Himmel und Böller knallten laut.

Thomas Fetz empfand dieses Silvester ähnlich wie letztes Jahr - mit weniger Müll. ©VOL.AT/Schwärzler

Denn für viele gehen Silvester und Feuerwerk Hand in Hand. "Es gehört einfach ein bisschen dazu zu Silvester", so Thomas Fetz aus Wolfurt. Auch für Aurel Vögel aus Bregenz ist es Tradition.

Vermüllte Plätze in Hard

Auch Anfang 2026 sind die Spuren dieser Silvesterknallerei noch zu sehen. So lag etwa beim Lidl-Parkplatz in Hard und am Bahnhof in Hard Feuerwerksmüll herum. Dieser verschwand von fleißigen Arbeitern in großen Müllsäcken. Wie kann das sein, wenn Feuerwerkskörper der Kategorie F2 in Hard das ganze Jahr über seit einer Verordnung von 2023 nicht mehr erlaubt sind?

Durch den Feuerwerksmüll kommen Kosten auf die Gemeinden zu. ©VOL.AT
Müll trotz Verbot. ©VOL.AT

"Herumgeschossen wie die Deppen"

Doch nicht nur in Hard herrscht dieses Problem. Etwa verbrachte Andreas Suire Silvester in Schnifis und berichtet VOL.AT: "Es war wesentlich weniger als in den Vorjahren, aber insgesamt hat man sich natürlich nicht überall daran gehalten."

Tatjana Scheiber mit Pia (l.) und Lumi (r.) ©Privat

Tatjana Scheiber aus Lauterach hat ähnliche Erfahrungen gemacht: "Sie haben trotzdem geschossen, wie die Deppen." Sie berichtet sogar von einer Zeitspanne von Wochen vor und auch jetzt nach Silvester: "Kurz vor Weihnachten waren sie auch schon umeinander geballert, danach haben sie wieder umeinander geknallt."

In Lauterach gab es zum Jahreswechsel eine Sicht auf den farbenfrohen Himmel. ©VN/Steurer

Scheiber spricht die häufigen Verletzungen und den Lärm an. Letzterer macht ihren Vierbeinern Pia und Lumi zu schaffen. Ihre Wohnungskatzen seien erschrocken, weshalb die 45-Jährige extra daheim blieb. Sie schlägt als leise und risikoarme Alternative eine Lasershow als geselligen Treffpunkt für die Gemeinde mit Glühwein vor: "Das fände ich viel, viel besser als wieder sinnloses Rumgeknalle."

Erwischen der illegalen Zünder schwer umsetzbar

Isabella aus Wolfurt bringt die Grundproblematik des generellen Verbotes auf den Punkt: Die Bestrafung stellt sich wohl als schwierig dar. Auf Hilfe von Seiten der Exekutive warte man in solchen Fällen der Verletzung des Verbotes laut der Wolfurterin vergeblich: "Es nützt nichts. Da kannst du anrufen, wo du willst. Da kommt keiner vorbei. Da sagen sie höchstens, es ist Silvester." Sie kritisiert vor allem die Böller, die, sobald es dunkel werde, anfangen zu knallen: "Die werfen sie in jeden Kanaldeckel und das knallt dann laut. Mein Hund leidet und zittert." Raketen findet sie hingegen schön.

Thomas Fetz würde gerne Feuerwerksregelungen wie in Spanien. ©VOL.AT/Schwärzler

Auch Christoph Kessler ist Hundebesitzer aus Wolfurt. Sein Rocky hat es zwar "wie ein Krieger" gemeistert. Trotzdem ist er gegen Silvesterknallerei, den Wildtieren und der Umwelt zuliebe.

Für Helmut Fetz war es ruhiger als früher.

Ruhiger als früher

Der Wolfurter Helmut Fetz nahm es gesitteter wahr: "In unserer Umgebung war es relativ ruhig und Gott sei Dank wenig Böller und schöne Raketen." Es sei ruhiger als früher gewesen. Der Wolfurter findet dies gut: "Die Böllerei finde ich nicht okay. Raketen mag ich schon."

Gertrud Hächl-Sommer erlebte Silvester als ruhig. Sie wohnt eher außerhalb von Bregenz. ©VOL.AT/Schwärzler

Nicht jeder hält sich daran

Auch in Bregenz sind Feuerwerke eigentlich verboten, woran sich nicht jeder Bewohner strikt hält. Der Bregenzer Aurel Vögel beobachtete an Silvester in Bregenz trotzdem einige Feuerwerkskörper. Trotzdem scheint es ruhiger geworden zu sein.

Elisabeth Bipp findet Feuerwerk in der Innenstadt gefährlich. ©VOL.AT/Schwärzler

"Es waren wesentlich weniger Böller als die Jahre zuvor vor allem im Stadtinneren", so Elisabeth Bipp, die in der Bregenzer Innenstadt wohnt. Sie berichtet von ihrer Angst in der Innenstadt, weil dort die Häuser so eng beieinander sind: "Das ist einfach gefährlich." Die Raketen am See seien nur kurz geschossen worden: "Nach einer halben Stunde war alles vorbei."

Gertrud Hächl-Sommer erlebte Silvester hingegen ruhig, da sie außerhalb von Bregenz wohnt: "Ich muss sagen, früher war es so, dass sie auf unseren Straßen auch so am Nachmittag schon um 16 Uhr herumgeknallt haben. Das habe ich jetzt nicht erlebt." Jedoch hat sie auch anderes gehört: "Die Bekannten haben sich alle sehr beschwert und gesagt, dass es war und länger war als sonst."

Ritsch zeigt sich enttäuscht

"Dass sich viele Menschen nicht an dieses Verbot halten, enttäuscht uns natürlich sehr", meint Bürgermeister Michael Ritsch gegenüber VOL.AT. Er erzählt von Hunderten jährlichen Anfragen für eine Ausnahmeregelung an Silvester, welche durch die Nähe zu Krankenhaus und Pflegeeinrichtungen nur in wenigen Gebieten überhaupt umsetzbar wäre. Dazu kämen der Müll und europaweite Todes- und Brandfälle.

Deswegen wird nicht mehr kontrolliert

Dass nicht mehr Silvesterknaller bestraft werden, erklärt der SPÖ-Bürgermeister folgendermaßen: "Es ist schlichtweg unmöglich, dass wir mit unseren Kolleginnen und Kollegen der Stadtpolizei alle gleichzeitig kontrollieren um 24 Uhr." Weiterhin möchte er auf Awareness-Kampagnen setzen.

In Hard gibt es nach Silvester Feuerwerksmüll, obwohl seit 2023 F2-Feuerwerk nicht mehr erlaubt ist. ©VOL.AT

Flächendeckende Kontrolle schwierig

Sein Parteikollege Martin Staudinger sieht die Lösung im Verbot des Handels mit Feuerwerkskörpern: "Ohne Verkaufsverbot kann ich das Knallen nicht flächendeckend in den Griff bekommen." Der Harder Bürgermeister kritisiert den Widerspruch, dass das Schießen verboten ist, aber der Kauf legal bleibt. Es werde zwar schon gestraft, jedoch bezeichnet er es als "schwierig für die Polizei".

In Bregenz war es teilweise ruhig und teilweise nicht. ©VOL.AT/Schwärzler

Nur das Abfeuern ist verboten, der Besitz von legalen Feuerwerkskörpern ist erlaubt. Also muss die Person in flagranti ertappt werden: "Der Knall eines Böllers dauert nur eine Sekunde lang und es ist dunkel." Dies könne nicht flächendeckend kontrolliert werden: "Ich kann jetzt nicht sagen, ich brauche in der Gemeinde tausend Polizisten, die sich danebenstellen."

3600 Euro Strafe

Wer als Privatperson gegen die Bestimmungen des Pyrotechnikgesetzes verstößt, begeht eine Verwaltungsübertretung, die mit bis zu 3600 Euro Geldstrafe oder bis zu drei Wochen Freiheitsstrafe geahndet werden kann, informiert die Landespolizeistelle.

Wer feiern kann, kann wohl nicht selbst aufräumen. ©VOL.AT

"Ruhige Nacht"

Die Polizei Vorarlberg verzeichnete in der Silvesternacht insgesamt 368 Einsätze und spricht von einer im Vergleich zu den Vorjahren ruhigen Nacht. Landesweit wurden 226 Identitätsfeststellungen durchgeführt, 40 Personen wegen Verstößen gegen das Pyrotechnikgesetz angezeigt und mehr als 73 Kilogramm an Feuerwerkskörpern sichergestellt, zudem gingen drei Anzeigen wegen gerichtlicher Delikte an die Staatsanwaltschaft Feldkirch.

Wenig feierlich der Anblick. ©VOL.AT

(VOL.AT)

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