Giftige Raupe oder harmloser Irrtum? Warum derzeit viele Fotos bei der inatura landen
Starkes Befallsjahr
Giftigen Raupen sorgen in der Schweiz für Schlagzeilen. Fachleute sprechen von einem außergewöhnlich starken Befallsjahr der Eichenprozessionsspinner. Die Brennhaare können Hautreizungen und allergische Reaktionen auslösen.
Letztes Jahr sorgte das Insekt in Deutschland für Probleme. In mehreren Regionen wurden Spielplätze gesperrt, Veranstaltungen abgesagt und betroffene Bereiche abgesichert.
Auch in Vorarlberg beschäftigt das Thema viele Menschen. Bei der inatura gehen vermehrt Anfragen ein: "Wir kriegen vermehrt Meldungen, weil die Leute meinen, sie haben den Eichenprozessionsspinner gesehen beziehungsweise die Gespinste auf verschiedenen Bäumen", sagt Elisabeth Ritter, Leiterin der Fachberatung.
So ist die Lage in Vorarlberg
Trotz der zunehmenden Anfragen gibt die Biologin Entwarnung. Dokumentierte Funde gibt es in Vorarlberg bisher nicht. "Bisher ist der Falter beziehungsweise auch die Raupe nicht entdeckt worden", sagt Ritter. Man fand sie bisher nur in Wien, Niederösterreich und der Steiermark.
Aktuell werden der inatura Fotos von auffälligen Gespinsten geschickt. So auch aus Koblach. Hinter den weiß eingehüllten Bäumen steckt allerdings meist nichts Gefährliches: "Das ist eine heimische Art, eine Gespinstmotte, die es schon lange bei uns gibt."
Die Tiere überziehen Bäume teilweise großflächig. "Das sieht dann ganz außerordentlich gespenstisch aus. Das irritiert natürlich auch die Spaziergänger." Die Gespinste können auf den ersten Blick an Bilder erinnern, die derzeit aus der Schweiz kursieren.
Woran erkennt man den Eichenprozessionsspinner?
Typisch für den Eichenprozessionsspinner sind Raupen, die sich in langen Reihen fortbewegen. Ihren Namen verdanken sie genau diesen "Prozessionen", in denen sie auf Nahrungssuche gehen.
Auffällig sind Gespinste an Stämmen und stärkeren Ästen. Das Insekt tritt ausschließlich an Eichen auf. Gefährlich sind die Brennhaare der Raupen. "Die sind mikroskopisch klein, 0,1 bis 0,3 Millimeter", verdeutlicht Ritter. Sie können "Hautläsionen verursachen beziehungsweise einen Juckreiz verursachen oder auch Quaddelbildung". Auch in der Luft rund um Nester können sie verbreitet sein.
Was tun bei einem Verdacht?
Ganz ausgeschlossen bleibt das Auftreten auch in Vorarlberg nicht. "Wenn es Eichen gibt und die Bedingungen passen, kann rein theoretisch so ein Eichenprozessionsspinner bei uns landen und Eier legen", sagt Ritter.
"Man kann jederzeit, wenn man einen Verdacht hat, gerne ein Foto zuschicken, per Mail oder per WhatsApp. Wir schauen uns das sehr gerne an", erklärt die inatura-Fachberaterin.
Kontakt zur inatura-Fachberatung
- E-Mail: fachberatung(at)inatura.at
- WhatsApp & Telefon: +43 676 833064766
- Erreichbar: Montag bis Freitag, 9 bis 12 Uhr
Eichenprozessionsspinner in Vorarlberg?
Die wichtigsten Infos zum Erkennen, Einschätzen und Melden.
So erkennt man ihn
- Er tritt ausschließlich an Eichen auf.
- Die Raupen bewegen sich in langen Reihen, sogenannten „Prozessionen“.
- Gespinstnester sitzen meist an Stämmen oder stärkeren Ästen.
Was eher dagegen spricht
- Gespinste an anderen Baumarten sprechen gegen den Eichenprozessionsspinner.
- Großflächig weiß eingehüllte Bäume sind oft Gespinstmotten.
- Diese heimische Art ist in der Regel harmlos.
Warum er gefährlich ist
- Die winzigen Brennhaare können Haut, Augen und Atemwege reizen.
- Möglich sind Juckreiz, Quaddeln und allergische Reaktionen.
- Die Haare können auch durch Wind verbreitet werden.
Was tun bei Verdacht?
- Raupen oder Nester nicht berühren.
- Abstand halten und Kinder sowie Hunde fernhalten.
- Foto machen und Baumart prüfen: Eiche oder nicht?
- Verdacht an die Fachberatung der inatura schicken.
Mehr zur Gespinstmotte gibt es im Beitrag (von 2023) mit dem heute pensionierten Inatura-Fachberater Klaus Zimmermann:
(VOL.AT)