Wenn Bianca Dürr heute an ihre aktive Karriere zurückdenkt, dann führt der Weg fast automatisch nach Götzis. Das Hypomeeting sei jedes Jahr "das Highlight der Saison" gewesen, erzählt die ehemalige Mehrkämpferin.
Mehr noch: Es war einer der Gründe, warum sie überhaupt in den Mehrkampf wechselte. "Das ganze Flair, die Stimmung, dieses besondere Event und das gegenseitige Anfeuern haben mich fasziniert", erinnert sich die Bregenzerin zurück.
Bestmarken und bleibende Erinnerungen
1997, 1998 und 2002 stand Dürr selbst beim weltbekannten Mehrkampfmeeting am Start. Vor allem ihr Auftritt 1998 blieb in Erinnerung: Mit 5616 Punkten wurde sie Zwölfte und stellte die damals gültige VLV-Bestmarke im Siebenkampf auf, die bis 2023 Bestand hatte. Dazu kamen persönliche Höchstleistungen im Hochsprung (1,76 m) und Speerwurf (40,17 m). "Ich glaube, das war das einzige Mal, dass ich im Speerwurf über 40 Meter gekommen bin", sagt die heute 49-Jährige lachend.
Insgesamt 27 Jahre war Dürr im Leistungssport aktiv, gewann 92 Medaillen bei österreichischen Meisterschaften und gehörte über viele Jahre hinweg zur nationalen Spitze. Besonders stolz macht sie heute allerdings weniger die Vielzahl an Erfolgen als vielmehr ihre Konstanz. "Die Beständigkeit bedeutet mir mehr. Es war eine richtig schöne Zeit. Ich habe viele Menschen kennengelernt und unglaublich viel erlebt."
Der Reiz des Mehrkampfs
Dabei verlief die Karriere keineswegs ohne Rückschläge. Zwei Kreuzbandrisse zwangen die ehemalige Nationalteamathletin immer wieder zu langen Verletzungspausen. Momente des Zweifelns habe es dabei natürlich gegeben. "Man fragt sich schon, ob das alles noch Sinn macht." Lange hielten diese Gedanken allerdings nie an. "Das Kribbeln kam zurück und ich wusste, dass ich weitermachen will."
Bis heute hält Dürr noch die VLV-Rekorde im Weitsprung im Freien mit 6,49 Metern sowie in der Halle mit 6,38 Metern. Große Bedeutung misst sie diesen Zahlen allerdings nicht mehr bei. "Ich weiß gar nicht mehr genau, welche Rekorde ich überhaupt noch habe", meint sie schmunzelnd. Viel lieber würde sie sehen, dass junge Athletinnen ihre Marken irgendwann übertreffen. "Das soll Motivation sein, hart zu arbeiten und immer besser zu werden."
Auch der Übergang vom Spitzensport in ein neues Leben verlief für die ehemalige Mehrkämpferin einfacher als gedacht. Nach ihrer langen Karriere sei einfach der richtige Zeitpunkt gekommen. "Irgendwann wusste ich, es ist genug."
Bewegung bleibt Teil des Lebens
Heute lebt Dürr mit ihrem Lebensgefährten Czaba Szekely, einem ehemaligen Leichtathleten, und ihrem zehnjährigen Sohn in Salzburg und arbeitet als kaufmännische Angestellte im Einkauf. Dem Sport blieb sie dennoch verbunden. Vor der Geburt ihres Sohnes war sie bereits als Trainerin tätig, mittlerweile könne sie sich gut vorstellen, wieder stärker in die Nachwuchsarbeit einzusteigen und die Freude an Bewegung weiterzugeben. "Die Arbeit mit Jugendlichen macht mir großen Spaß."
Auch die Verbindung ins Ländle ist nie abgerissen. Regelmäßig kehrt die ehemalige Spitzensportlerin in ihre Heimat zurück. "Ich freue mich jedes Mal auf den Bodensee", erzählt sie. Das diesjährige Hypomeeting wird sie allerdings verpassen. "Zeitlich geht es sich nicht aus." Die Erinnerungen an das Mösle-Meeting bleiben dennoch lebendig. "Götzis hat zu Recht den Ruf des besten Meetings der Welt."
(VOL.AT)