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Grenzpendler-Boom trotz steigender Arbeitslosigkeit

Grenzpendler-Rekord: Vorarlberg verliert an Attraktivität.
Grenzpendler-Rekord: Vorarlberg verliert an Attraktivität. ©CANVA (Symbolbild) Grenzpendler-Rekord: Vorarlberg verliert an Attraktivität. ©VOL.AT/Paulitsch
Die Arbeitsmobilität rund um den Bodensee wächst weiter.

Die internationale Bodenseeregion zählt zu den am stärksten verflochtenen Arbeitsmärkten Europas. Dank Personenfreizügigkeit und fehlender Sprachbarrieren pendeln täglich Tausende Beschäftigte zwischen Österreich, Deutschland, der Schweiz und Liechtenstein.

2024 waren insgesamt rund 63.000 Einpendler in der Region beschäftigt. Ihr Anteil liegt bei 2,6 Prozent aller Erwerbstätigen – mit steigender Tendenz seit 2010.

Die Region umfasst dabei rund 4,3 Millionen Einwohner und etwa 2,4 Millionen Erwerbstätige.

Starke Ströme in Richtung Schweiz und Liechtenstein

Die Pendlerbewegungen konzentrieren sich klar auf zwei Zielregionen:

  • 23.800 Personen aus Deutschland arbeiten in der Schweizer Bodenseeregion
  • 8.000 Personen aus Österreich pendeln ebenfalls dorthin
  • insgesamt rund 29.000 Erwerbstätige aus Vorarlberg und der deutschen Region arbeiten in der Schweiz oder in Liechtenstein

Liechtenstein allein zieht rund 24.500 Grenzgänger an.

Innerhalb der Region pendeln konkret 22.015 Personen in die Schweizer Bodenseeregion und 22.003 nach Liechtenstein (nur Bodenseeregion intern gerechnet).

Diese Zahlen beziehen sich auf 2024. ©Statistik für die Bodenseeregion

Liechtenstein: Mehr Pendler als Einheimische im Job

Die Bedeutung der Grenzgänger ist dort besonders hoch:

  • Sie stellen 56,5 Prozent aller Erwerbstätigen im Fürstentum.
  • Damit ist Liechtenstein stark auf Arbeitskräfte aus den Nachbarregionen angewiesen – vor allem aus der Schweiz und Österreich.
  • 2010 lag dieser Wert noch bei 50,9 Prozent – der Anstieg beträgt also +5,6 Prozentpunkte.
Diese Zahlen beziehen sich auf 2024. ©Statistik für die Bodenseeregion

Vorarlberg bleibt vor allem Herkunftsregion

Die Zahlen zeigen gleichzeitig ein klares Ungleichgewicht:

  • 7.601 Vorarlberger pendeln in die Schweiz
  • 8.426 nach Liechtenstein

Demgegenüber stehen nur rund 3.500 Einpendler nach Vorarlberg. Die Zuwanderung aus anderen Bodenseeländern ist damit vergleichsweise gering.

Insgesamt verlassen 16.792 Personen Vorarlberg täglich zur Arbeit ins Ausland.

Der Anteil der Einpendler in Vorarlberg liegt nur bei 1,8 pro 100 Erwerbstätige – und ist seit 2010 sogar gesunken.

Diese Zahlen beziehen sich auf 2024. ©Statistik für die Bodenseeregion

Branchen: Wo gearbeitet wird

Die wichtigsten Branchen zeigen klare Muster:

Schweiz:

  • Industrie: über 6.600 deutsche Beschäftigte
  • Dienstleistungen gesamt: 15.825 Personen
Diese Zahlen beziehen sich auf 2024. ©Statistik für die Bodenseeregion

Vorarlberg:

  • Industrie: 1.209 Beschäftigte aus Deutschland
  • Tourismus: 398
  • Handel: 335
Diese Zahlen beziehen sich auf 2024. ©Statistik für die Bodenseeregion

Liechtenstein:

  • Finanzsektor (über 2.600 Personen aus der Schweiz)
  • hochqualifizierte Dienstleistungen (über 1.700)
Diese Zahlen beziehen sich auf 2024. ©Statistik für die Bodenseeregion

Entwicklung seit 2010: Wachstum mit klaren Gewinnern

Langfristig zeigt sich ein deutlicher Trend:

  • Schweizer Bodenseeregion: +53 Prozent Grenzgänger
  • Liechtenstein: +40 Prozent
  • Vorarlberg und deutsche Region: geringe oder rückläufige Bedeutung
©Statistik für die Bodenseeregion

Dynamik zuletzt unterschiedlich

Auch kurzfristig zeigen sich Unterschiede:

  • Deutschland → Schweiz: +1,9 Prozent (2024)
  • Schweiz → Liechtenstein: +2,5 Prozent
  • Vorarlberg: teilweise rückläufig

Die Zahl der Einpendler nach Vorarlberg und in die deutsche Region ist teilweise weiter gesunken.

Gründe: Löhne, Wohnkosten und Infrastruktur

Die Studie nennt mehrere Ursachen für die zunehmende Mobilität:

  • höhere Löhne in der Schweiz und in Liechtenstein
  • große Nachfrage nach qualifizierten Arbeitskräften
  • steigende Wohnkosten im Arbeitsland
  • gut ausgebaute Verkehrsverbindungen

Auch strukturelle Faktoren wie spezialisierte Fachkräfte-Nachfrage spielen eine zentrale Rolle.

Arbeitsmarkt: Trend dreht wieder nach oben

Parallel dazu steigt die Arbeitslosigkeit:

  • 77.086 Arbeitslose (März 2026)
  • +7,7 Prozent im Jahresvergleich
  • 31,3 Prozent über 50 Jahre
  • 45 Prozent Ausländeranteil

Nach einem Tiefpunkt im Jahr 2022 nimmt die Zahl der Arbeitslosen damit wieder deutlich zu.

©Statistik für die Bodenseeregion

Arbeitslosenquoten in den Bodensee-Teilregionen und nationale Vergleichswerte (03/2024 – 03/2026)

©Statistik für die Bodenseeregion

Monatskennzahlen zu den registrierten Arbeitslosen:

Monatskennzahlen zu den gemeldeten offenen Stellen

Ältere und Ausländer besonders betroffen

Die Struktur der Arbeitslosigkeit zeigt klare Schwerpunkte:

  • 31,3 Prozent sind 50 Jahre oder älter
  • 45,0 Prozent haben eine ausländische Staatsangehörigkeit

Zudem ist das Angebot an offenen Stellen in Teilen der Region zurückgegangen.

Faktenblock:

  • 63.000 Einpendler in der Bodenseeregion
  • 29.000 Pendler aus Vorarlberg und deutscher Region in die Schweiz/Liechtenstein
  • 24.500 Pendler nach Liechtenstein
  • 56,5 Prozent Grenzgängeranteil in Liechtenstein
  • 77.086 Arbeitslose (März 2026)

(VOL.AT)

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