Gehsport ist selten laut. Es ist eine Disziplin der Ausdauer und der unbändigen Disziplin. Umso größer ist die Aufmerksamkeit, die Theresia Emma Mohr dieser Tage zuteilwird. Die 19-jährige Athletin der TS Egg ist als erste Gehsportlerin überhaupt zur österreichischen "Nachwuchsathletin des Jahres" gekürt worden. Ein historischer Moment für ihre Sportart und ein emotionaler für sie selbst.
Mit insgesamt 38,15 Punkten setzte sich Mohr klar gegen starke Konkurrenz durch. 27,38 Stimmen kamen von Expertinnen und Experten, 10,77 von über 5000 Online-Votern. Hinter ihr: Patricia Brunninger (29,56) und Tabea Schmid (29,17).
"Das ist mega cool, ich habe mich riesig über die Auszeichnung gefreut, vor allem, weil ich es nicht erwartet habe", sagt Mohr. Wo sie davon erfuhr? Auf dem Skilift mit ihrer Mama. "Ich wusste, dass die Ergebnisse veröffentlicht werden. Etwa 15 Minuten später habe ich nachgesehen. Das Ergebnis hätte ich wirklich nicht erwartet", erzählt sie.
"Besonders, weil Brunninger eine sehr starke Saison hatte", ergänzt die Bregenzerwälderin. Doch Mohrs Jahr war ebenso außergewöhnlich. Vor der 19-Jährigen holte bislang nur Weitspringer Oluwatosin Ayodeji (2019 und 2020) diese Auszeichnung nach Vorarlberg.
Ein neuer Maßstab
Im August schrieb Mohr bei der U20-Europameisterschaft in Tampere Geschichte: Über 10.000 Meter Bahngehen unterbot sie den 33 Jahre alten ÖLV-Rekord in dieser Disziplin. Ihre Zeit: 45:13,07 Minuten – fast drei Minuten schneller als ihre bisherige Bestzeit (48:14 Minuten auf der Straße). Damit hält sie nun alle österreichischen Rekorde über 10.000 Meter (U20, U23, Allgemeine Klasse) sowie über 5000 Meter (U18). Ihr siebter Platz in einem hochklassigen EM-Feld war mehr als nur ein sportlicher Erfolg. Es war ein Statement.
Pause, Aufbautraining, neue Ziele
Mohr wäre nicht Mohr, würde sie sich auf Lorbeeren ausruhen. Nach einer hartnäckigen Erkrankung, die sie zu einer zweimonatigen Trainingspause zwang, befindet sie sich seit rund zwei Wochen wieder im Aufbau. Die Hallensaison startet im Jänner, erstes Ziel: der Staatsmeistertitel bei den österreichischen Hallen-Staatsmeisterschaften im Februar in Wien.
Zweiter Platz für Klucsik
Theresia Emma Mohr ist nicht die einzige Vorarlberger Erfolgsgeschichte dieser Wahl. Ihre Teamkollegin Pauline Schedler verpasste das Podest mit Platz vier nur knapp. Amy Salzgeber (TS Jahn Lustenau) wurde 14.
Beim männlichen Nachwuchs setzte sich Zehnkämpfer Alexander Heinz durch, doch gleich dahinter landete ein Vorarlberger: Zsombor Klucsik von der TS Egg. Der Hürdenläufer überzeugte nicht nur die Fachjury (21,46 Prozent der Stimmen), sondern wurde von den Usern sogar auf Platz eins gewählt. Klucsik stand heuer als jüngster Athlet im Finale des European Youth Olympic Festival (EYOF) in Skopje über 400 Meter Hürden und wurde Achter.
Auch Chiara-Belinda Schuler von der TS Hörbranz wurde bei den Frauen unter die besten Zehn gewählt. Rang acht ging an sie, der Sieg an Speerwurf-Weltjahresbeste Victoria Hudson. Bei den Männern gewann Hürdensprinter Enzo Diessl.
Erfahrung auf dem Podest
Ein Blick zu den erfahrenen Athletinnen und Athleten zeigt: Auch bei den Masters bleibt Vorarlberg ein sportliches Schwergewicht. Sprinter Eduard Gonaus (Sparkasse SG Götzis) belegte Platz drei, ebenso wie Marianne Maier (TS Tecnoplast Höchst), die seit 2014 nur einmal nicht auf dem Podest stand. Chantal Duelli (TS Jahn Lustenau) wurde Siebte, Christina Baumgartner (TS Tecnoplast Höchst) Elfte. Bergläufer Hans-Jörg Brändle landete auf Rang 13.
Eine Wahl mit Gewicht
Die Wahl wird jährlich vom Österreichischen Leichtathletikverband organisiert. Die Ergebnisse setzen sich je zur Hälfte aus einem Experten-Voting (Journalisten, Trainer usw.) und einem Online-Voting zusammen. Heuer beteiligten sich 5051 User.
(VOL.AT)