Großer Preis für kleine Buchhandlung in Feldkirch
"Nur auf den ersten Blick winzig", lobte die Jury die Buchhandlung Cervantes & Co in der Feldkircher Altstadt. Tatsächlich finde man dort auf wenigen Quadratmetern alles, "was das Leseherz begehrt". Als eine von fünf Buchhandlungen wurde das Geschäft von Regina Zink nun mit dem Österreichischen Buchhandlungspreis 2026 ausgezeichnet. Die fünf Hauptpreise sind mit je 10.000 Euro dotiert und zählen zu den wichtigsten Ehrungen der Branche. Der Österreichische Buchhandlungspreis zeichnet jährlich unabhängige, inhabergeführte Buchhandlungen für ihr kulturelles Engagement und innovative Konzepte aus.
"Ich war über den Gewinn vollkommen überrascht", sagt Zink. Angemeldet wurde sie von einer Freundin, die fest an den Erfolg glaubte. Seit bald 20 Jahren führt Zink ihr eigenes Geschäft, insgesamt arbeitet sie seit über 40 Jahren im Buchhandel in Feldkirch. Stationen waren unter anderem die Buchhandlungen Bayer, Neugebauer und Pröll. Dass sie sich schließlich selbstständig machte, ergab sich eher zufällig: "Ich bin nicht so abenteuerlustig", sagt sie. Doch als ein Geschäftslokal frei wurde und ihr Bruder die Idee einbrachte, war "keine Zeit mehr zum Überlegen".
Ihr Bruder ist bis heute Teil des Konzepts: Er liefert Weine aus Spanien, die im Laden ebenso angeboten werden wie Olivenöl. "Ich bin keine große Weinkennerin, ich bin die Buchhändlerin", sagt Zink schmunzelnd.
Kuratierte Auswahl
Im Zentrum der Buchhandlung steht eine bewusst kuratierte Buchauswahl. "Ich versuche ganz gezielt Themen einzukaufen, die mir am Herzen liegen", sagt Zink. Schwerpunkte liegen auf klassischer Literatur, Philosophie und Geschichte. "Ich spreche mit der Auswahl die Leser an", betont sie. Die Kundschaft ist bunt gemischt: Studierende, Vielleser, aber auch Menschen, die einfach vorbeikommen, um sich auszutauschen. "Manche kaufen gar nichts, wir unterhalten uns einfach." Über die Jahre seien so Freundschaften entstanden.
"Es ist ein Traumberuf", sagt Zink, die von "wunderschönen Erlebnissen" mit ihrer Kundschaft erzählt. Der Laden ist damit ein Treffpunkt geworden. Zink ist eng in der Kulturszene verankert. Sie ist seit Jahren im Vorstand des Theaters am Saumarkt, wo unter anderem regelmäßig Lesungen und Vorträge stattfinden.
Zwischen Idealismus und Konkurrenzdruck
Finanziell sei eine kleine Buchhandlung kein Selbstläufer: "Man wird nicht reich. Man muss es lieben." Dennoch trage sich das Geschäft. "Amazon ist natürlich eine Konkurrenz", sagt Zink. Viele wüssten nicht, dass es in Österreich fixe Buchpreise gibt, wodurch Bücher bei Amazon nicht günstiger sind als im stationären Buchhandel.
Am wichtigsten ist für Zink aber sowieso die Leidenschaft, und die fällt auch beim Thema Zukunft ins Gewicht. Einen Nachfolger zu finden, wäre ihrer Aussage nach auf jeden Fall gut. Wichtig wäre ihr dabei, dass dieser bei der Buchauswahl offen sei und keine Angst vor "Denkern" habe – ein bisschen so, wie sie selbst. Aktuell möchte sie das Geschäft jedoch noch nicht abgeben: "Ich hänge sehr daran."
Ideen für die Zukunft
Mit dem gewonnenen Preisgeld hat sie bereits Ideen: etwa eine Reise zu berühmten Buchhandlungen nach Paris oder sogar ein Buchprojekt über Buchhandlungen und ihre Bedeutung.
(VOL.AT/Franziska Eckert)