Hickhack um Wolfurter Bauer: Schwere Vorwürfe und neue Bilder aus dem Stall
Die Bilder, die dem Verein gegen Tierfabriken (VGT) diese Woche zugespielt wurden, sind drastisch: Rinder, die Zentimeter tief in ihren Exkrementen stehen, sich nicht in trockenes Einstreu legen können und offene Stellen an ihren Ohren und Köpfen haben. Einem Landwirt in Wolfurt wurde bereits 2023 vorgeworfen, sich nicht ausreichend um seine Tiere zu kümmern: Der VGT stellte Verletzungen an den Hörnern und Klauen fest. Schon damals gab es Belege für Missstände in seinem Stall. Sandy Peng vom VGT erklärt auf VN-Anfrage, dass der Hof seit 15 Jahren immer wieder gemeldet worden sei.
Am Mittwoch, 17. Juni, veröffentlichte der VGT erneut Aufnahmen, die aus dem Betrieb stammen sollen (siehe Video unten). Der Verein hat Anzeige erstattet. "Man muss keine Amtstierärztin oder Agrarexpertin sein, um zu erkennen, dass das nicht gesetzeskonform ist", sagt Peng auf VN-Anfrage. Wenn ein Betrieb über 15 Jahre hinweg wiederholt gemeldet werde, müsse das Kontrollsystem mit engmaschigeren Kontrollen reagieren. "Wir fordern, dass das Kontrollsystem funktioniert und ernst genommen wird."
Die zuständige Bezirkshauptmannschaft führt laut eigenen Angaben halbjährlich Kontrollen durch, stellte aber keine schwerwiegenden Verstöße gegen das Tierschutzrecht fest. Zwar seien Verbesserungsmaßnahmen angeordnet worden, strafrechtlich verfolgt worden sei jedoch nichts, da die Kontrollergebnisse "zufriedenstellend" gewesen seien. Auch der zuständige Landesrat Christian Gantner (ÖVP) bleibt zu weiteren Anzeigen vage: Diese würden "im Rahmen der geltenden gesetzlichen Bestimmungen" geprüft.
Aufgebrachter Landwirt: "Das ist reine Hexenjagd"
Der aufgebrachte Landwirt weist die Vorwürfe entschieden zurück. "Den Kühen geht’s super, sie sind nicht angebunden, liegen auf Einstreu", sagt er. Alle 150 Kühe seien gesund. Er richte den Stall täglich so her, dass er jederzeit kontrollierbar sei. Sauberkeit sei "oberstes Gebot". Die VGT-Bilder, auf denen Kühe im Kot stehen, seien in den Gängen zwischen den Boxen aufgenommen worden, behauptet er.
Die Bezirkshauptmannschaft sei bereits genervt, weil sie immer wieder den Vorwürfen nachgehen müsse, sagt der Landwirt. Der Streit mit den Nachbarn schwelt laut ihm seit 30 Jahren. "Die wollen mich fertigmachen. Das ist eine reine Hexenjagd." Juristisch gegen den VGT vorgehen will er dennoch nicht. Er fühle sich ungerecht behandelt: Beim Hochwasser vor zwei Jahren habe er drei Tage lang eine Unterführung freigebaggert und den Nachbarn geholfen, während sein Hof selbst rund eine halbe Million Euro Schaden erlitten habe.
Heute fühle er sich trotzdem als derjenige, der an den Pranger gestellt werde. Vor Ort gehen die Meinungen auseinander. Zwei Nachbarinnen berichten, "der Stall sei offen, die Kühe hätten Schrubbermöglichkeiten". Es habe bereits über 80 Beschwerden gegeben. Drei Häuser weiter klingt das anders: "Die Kühe schreien nachts, wir können kaum schlafen." Nach einer Kontrolle 2023 sei zwar aufgeräumt worden, wirklich verändert habe sich aber nichts.
Amtstierärztin gibt Entwarnung, aber fordert Verbesserungen
Am frühen Mittwochnachmittag kontrollierte eine Amtstierärztin den Betrieb, wie die VN auf Nachfrage und bei einem Lokalaugenschein erfuhren. Der Landwirt zeigte sich kooperativ. An den Stall schließt ein kleiner Laufstall im Außenbereich an, in dem die Kühe mit Heu versorgt werden.
Das Land teilte danach in einer öffentlichen Stellungnahme mit, es gebe ausreichend trockenes Einstreu, nicht zu viele Tiere im Stall und keine schweren Verstöße gegen das Tierschutzgesetz. Die Amtstierärztin ordnete jedoch Verbesserungen an, die das Land "in den kommenden Wochen weiter nachkontrollieren" werde.
(VOL.AT/Isabel Lochbühler)