Wenige Minuten nach dem Schlusspfiff war Björn Tyrner um Fassung bemüht. Der Geschäftsführer von Bregenz Handball hatte gerade einen 40:36-Auswärtssieg seiner Mannschaft gesehen, einen Auftritt, der Mut machte und den jüngsten Aufwärtstrend bestätigte. Und doch stand gleichzeitig fest: Der österreichische Rekordmeister muss erstmals in der Vereinsgeschichte in die Abstiegsrunde der HLA MEISTERLIGA.
Roth brachte neuen Schwung
"Ganz ehrlich, ich bin sehr froh über die Leistung der Mannschaft in den letzten drei Spielen, dass wir gezeigt haben, was wir können", sagte Tyrner im Gespräch mit VOL.AT. Nach einem Remis in Schwaz sowie den Siegen gegen Graz und nun in Hollabrunn habe die Mannschaft wieder jene Energie gezeigt, die in den Wochen davor zu oft gefehlt hatte. "Wir gehen mit einem positiven Gefühl, mit einer positiven Einstellung jetzt in diese letzten sechs Spiele."
Dass Bregenz im Finish des Grunddurchgangs noch einmal ein anderes Gesicht zeigte, führt der 41-Jährige auch auf den Trainerwechsel Anfang April zurück. Michael Roth übernahm in einer sportlich brisanten Phase als "Feuerwehrmann" von Marko Tanaskovic und blieb in seinen ersten drei Spielen als Chefcoach ungeschlagen. Zu wenig für den Einzug unter die Top Acht, aber genug, um neue Zuversicht zu entfachen.
Auswärts zu schwach
"Man hat in den letzten drei Spielen sicher erkannt, dass die Mannschaft befreit aufspielt, positive Stimmung da ist", betonte Tyrner. "Daran hat Michael Roth sicher einen großen Anteil." Ob der Wechsel früher hätte kommen müssen, wollte er nicht mit einem klaren Ja beantworten. Dafür seien zu viele Faktoren zusammengekommen. Man habe bewusst lange am Trainerteam festgehalten, weil der Verein "absolute Einigkeit" ausstrahlen wollte. Zudem sei ein Trainerwechsel auch eine wirtschaftliche Frage. "Wir sind kein Fußballverein, der dreimal in der Saison einfach den Trainer wechseln kann."
Dass der Endspurt dennoch nicht mehr reichte, zeigt ein Blick auf die Zahlen: Die Festspielstädter beendeten den Grunddurchgang mit acht Siegen, vier Remis und zehn Niederlagen auf Rang zehn und feierten in elf Auswärtsspielen lediglich einen Sieg – zu wenig für ein Viertelfinalticket.
Neue Realität, klares Ziel
Für einen Klub, der heuer sein 80-jähriges Bestehen feiert und seit rund drei Jahrzehnten zur ersten Liga gehört, ist der Gang in die Abstiegsrunde ein tiefer Einschnitt. Tyrner spricht von einer "neuen Herausforderung", der man sich nun stellen müsse.
Dramatisieren will er die Lage aber nicht. Vielmehr sieht er die kommenden Wochen auch als Reifeprüfung für die junge Mannschaft. "Das ist vielleicht auch eine wichtige Erfahrung für uns, so etwas mal kennenzulernen", sagte Tyrner. "Ich glaube, dass uns die Situation stärken kann und uns das auch für die nächste Saison viel bringen wird."
In der Abstiegsrunde warten mit Schwaz, Hollabrunn und Graz ausnahmslos unbequeme Gegner, zudem rückt das Feld durch die Punkteteilung noch enger zusammen – Schwaz und Bregenz (je 10 Punkte), Graz (9) sowie Schlusslicht Hollabrunn (8). "Es wird natürlich eine enorme Kopfsache, das wird entscheidend sein, wer da unten performt." Die Marschroute ist dennoch eindeutig.
Bregenz will den Klassenerhalt so rasch wie möglich absichern und vermeiden, dass aus dem historischen Warnsignal noch eine echte Existenzfrage wird. "Vom ersten Spieltag weg wird es wichtig sein zu punkten und sich Selbstvertrauen zu holen", so Tyrner. "Dann hoffe ich, dass das eine sichere Angelegenheit wird."
(VOL.AT)