Hohenems statt Bregenz: Siemens Vorarlberg zieht um
Die Vorbereitungen zur Übersiedlung der Vorarlberg-Niederlassung des deutschen Technologiekonzerns Siemens von Bregenz nach Hohenems laufen derzeit auf Hochtouren. Wie Siemens-Niederlassungsleiter Mike Pichler im wpa-Gespräch erklärte, soll die Verlegung nach Hohenems spätestens Ende Mai 2026 abgeschlossen sein. "Gegenwärtig werden im Rahmen des Innenausbaus die Räumlichkeiten im vierten Stock des angemieteten Gebäudes an unsere Bedürfnisse angepasst."
Zudem habe der Vermieter – die Vorarlberger Industriefirmengruppe Meusburger – in unmittelbarer Nachbarschaft einen ehemaligen Acker asphaltieren lassen, auf dem jetzt eine 500 Quadratmeter große Zeltlagerhalle errichtet werde. Die Zeltlagerhalle werde anschließend von Siemens angemietet. "Diese Halle dient uns für Lager- und Logistiktätigkeiten, um unsere Kundschaft in Vorarlberg bedienen zu können." Dabei gehe es insbesondere um Elektroinstallationsmaterialien, diverse elektrische Komponenten sowie Schaltschränke und Akkus, die beispielsweise für die Notstromversorgung von Brandmeldeanlagen verwendet werden.
Fast 100 Mitarbeiter übersiedeln mit
Mit der Verlegung von Bregenz nach Hohenems übersiedeln auch mehr als 65 Arbeitsplätze in die Nibelungenstadt. Dazu kommen nach Angaben von Pichler rund 30 Leasing-Arbeitskräfte aus dem Siemens-Pool für Leasingkräfte, wobei deren Stand je nach Projekt und Auftragslage schwanke. Rechtlich gesehen fällt die Kommunalsteuer für Leasing-Arbeitskräfte grundsätzlich am Firmensitz des Arbeitskräfteüberlassers an. Sind Leasing-Arbeitskräfte allerdings länger als sechs Monate an einem Standort im Einsatz, so erhält jene Kommune die Kommunalsteuer, in welcher die Leasing-Leute tätig sind.
Befragt nach der aktuellen Geschäftslage, sagte Pichler, dass man es derzeit in Vorarlberg mit einem "durchwachsenen, aber dennoch soliden Marktbild" zu tun habe. "Hier hilft uns die breite Aufstellung des Siemens-Konzerns, um Schwankungen besser ausgleichen zu können."
Ein Paradebeispiel dafür, wie man Standortpolitik besser nicht macht
Die Abwanderung der Siemens-Niederlassung von Bregenz nach Hohenems in ein modernes Gebäude von Meusburger gilt in Vorarlberger Wirtschaftskreisen als eines der Paradebeispiele dafür, wie eine Stadt oder Gemeinde die Wirtschaftsstandortpolitik besser nicht machen sollte.
Siemens war über Jahrzehnte hinweg ein fixer Bestandteil der ohnehin wenigen größeren privaten Arbeitgeber in der Landeshauptstadt. Eigentlich hätte Siemens bekanntlich der Ankermieter in dem geplanten Innovationsquartier Bregenz werden sollen, das der Standortentwickler PRISMA am bisherigen Sitz von Siemens realisieren wollte. Nach mehr als einem Jahr Verzögerung aufgrund von Auffassungsunterschieden zwischen den Gestaltungsbeiräten von Stadt und Land hat es die Landeshauptstadt nicht geschafft, hier eine Lösung durchzusetzen. Selbst drei Jahre nach der ersten Projektvorstellung war kein Baubeginn absehbar.
Damit zog Siemens die Reißleine und kündigte den Mietvertrag, während PRISMA die Pläne für das Innovationsquartier einstampfte. Das Innovationsquartier Bregenz war damit Geschichte, noch bevor die ersten Bagger auffahren konnten.
Kondition statt Innovation
Jetzt bekommt die Landeshauptstadt an dem bald ehemaligen Siemens-Standort kein Innovationsquartier mit weiteren kleinen Betrieben, sondern ein Fitnessstudio. Wie vergangene Woche medial bekannt wurde, wird die Fitnesskette purfitness das bestehende (Siemens-)Gebäude von PRISMA langfristig anmieten. Genau daneben beabsichtigt PRISMA insbesondere die Errichtung von Wohnungen.
(gübi/wpa)