"Ich dachte, es gibt endlich Lob – stattdessen sperren sie zu"
"Jahrelang den Hintern aufgerissen!"
Der Mann ist schon mehrere Jahre bei dem Vorarlberger Mikrochip-Unternehmen angestellt. Der Betroffene möchte anonym bleiben – aus Angst vor Konsequenzen.
"Ich dachte, wir bekommen ausnahmsweise einmal ein Lob, dass man sich jahrelang den Hintern aufgerissen hat – und dann sagen sie, wir sperren zu", beschreibt ein Amcoss-Mitarbeiter den Moment, in dem er erfuhr, dass der Koblacher Amcoss-Standort bald schließen wird.
Die Produktion am Amcoss-Standort in Koblach wird mit 31. März 2026 eingestellt, wie das Unternehmen VOL.AT bestätigt. Das Kerngeschäft von Amcoss bleibe von diesem Schritt unberührt und werde weiterhin vollständig am Standort Feldkirch betrieben, heißt es. Als Grund wird eine strategische Weiterentwicklung innerhalb der LAB14-Gruppe, zu der auch Amcoss gehört, genannt.
Meeting zehn Minuten davor angekündigt
Die betroffene Belegschaft wurden erst vergangene Woche informiert, wie Thomas S. (Anm.: Name von der Redaktion geändert) VOL.AT erzählt. Von der besagten Besprechung erfuhren sie erst "zehn Minuten vor dem Meeting", erzählt er.
Hunderte Überstunden umsonst
Der Gründer und Geschäftsführer David Erne war demnach bei der Verkündung nicht anwesend – stattdessen übernahmen Vertreter des Mutterkonzerns, der deutschen LAB14-Gruppe, die Kommunikation. "Das ist einfach traurig, wenn eine Firma mit Standort in Vorarlberg einen derartigen Posten aufbaut und ein tolles Produkt entwickelt und die Mitarbeiter 300 bis 400 Überstunden aufbauen und der Standort dann schließt", fühlt sich Thomas S. nicht wertgeschätzt. Die vielen Anstrengungen, die der Servicetechniker mit Blick auf die Zukunft geleistet habe, seien nun umsonst gewesen.
Finanzielle Sorgen
Die Ankündigung traf viele hart. "Komplett kaputt irgendwie", beschreibt der Techniker seinen Zustand danach. Kollegen mit Kindern und Krediten stünden nun vor existenziellen Problemen.
Alternativenlos
Sechzehn Mitarbeitende sind von diesen Veränderungen betroffen. Und das in einer Branche, die nicht viele Alternativen in der nahen Umgebung bietet. "Es gibt bei uns nicht wirklich ähnliche Firmen. Die Halbleiterindustrie ist sehr spezifisch", so Thomas S. Wegziehen ist nicht für alle möglich.
Angespannte Stimmung
Zwar gibt es deutsche Standorte des Mehrheitseigentümers, an die einige wechseln könnten – aber das sei laut Thomas S. für viele keine echte Option. Private Voraussetzungen wie Familie machen einen spontanen Umzug nicht leicht.
Die Firma selbst bestätigt diese Möglichkeit ebenfalls gegenüber VOL.AT. "Die Geschäftsleitung von Amcoss arbeitet gemeinsam mit der LAB14 daran, individuelle Lösungen zu finden und die Auswirkungen für die Betroffenen so gering wie möglich zu halten." Ziel sei es, den Angestellten berufliche Optionen aufzuzeigen und, das Know-How der Fachkräfte innerhalb des Konzerns zu bewahren.
"Es ist ein Psychospiel"
Trotzdem bedeutet die Situation für viele ein Bangen, ob sie in Feldkirch eine Stelle bekommen: "Das ist ein Psychospiel. Wer darf mit, wer nicht." Diese Mitarbeiter seien jetzt umso motivierter, sich zu beweisen, so Thomas S.. Die anderen hat die Motivation bereits verlassen: "Manche resignieren, manche sind deprimiert." Thomas selbst gehört zu den Letzteren: "Ich habe bereits damit abgeschlossen."
Der Standort in Koblach, der nun von der Schließung betroffen ist, wurde vor nicht mal zwei Jahren eröffnet. Auch der damalige Verkauf des Unternehmens an den neuen Mehrheitseigentümer in Deutschland wurde den Mitarbeitern mit der Aussicht auf Wachstum beschönigt vermittelt, erzählt Thomas S. abschließend.
(VOL.AT)