"Ich hab einfach das Kind rausgeholt" – Was wurde aus dem Lebensretter aus Bregenz?
Elmar Jehle sitzt heute nicht mehr am Bodensee, sondern auf einer Insel vor Stockholm. Dort, wo sich die Schären über Tausende kleine Inseln erstrecken, hat er sich seinen Lebenstraum erfüllt. „In den 80er-Jahren habe ich mir dort ein Sommerhaus gebaut. Und ich habe mir immer gedacht: Wenn ich einmal in Pension bin, dann will ich genau hier draußen wohnen.“ Genau das tut er heute.
Nachdem die Geschichte erneut bei VOL.AT aufgegriffen wurde, meldete sich Jehle per Mail in der Redaktion. VOL.AT erreicht den Pensionisten schließlich via Videotelefonie und spricht mit ihm ausführlich über den Vorfall in Bregenz im Jahr 1968 und sein heutiges Leben in Skandinavien.
Ein Leben zwischen Inseln und Eis
Jehle lebt auf einer Insel in den Stockholmer Schären. Rund 30.000 Inseln gibt es dort – und mittendrin sein Zuhause. Einst ein Ferienhaus, jetzt sein Hauptwohnsitz. Viel Trubel gibt es nicht. "Es sind schon Nachbarn da, aber die meisten sind nur am Wochenende oder in den Ferien hier", erzählt er.
Sein Alltag richtet sich nach dem Wetter. Besonders im Winter zieht es ihn hinaus. Dann schnallt er sich Schlittschuhe an und läuft über zugefrorene Seen. "Das ist Langlaufen auf dem Eis", sagt er. Ein ungewöhnliches Hobby – auch im Alter. Aktuell muss er pausieren. "Ich habe vor drei Wochen eine neue Hüfte bekommen", sagt er.
Harter Beruf, klare Entscheidung
Sein Weg führte ihn einst von Bregenz hinaus in die Welt – als Koch. "Damals hatte man als Koch noch die Möglichkeit, die Welt zu sehen", sagt er. Über einen Kollegen verschlug es ihn schließlich nach Schweden. Koch ist für ihn bis heute ein Beruf, den er nie romantisiert hat. "Wenn man die Köche im Fernsehen sieht, schaut das alles schön aus. Aber Kochen ist ein harter Beruf."
Diese Direktheit zieht sich durch sein ganzes Leben – vielleicht auch durch jenen Moment, der ihn bis heute begleitet.
1968, Bregenzer Hafen. Ein Kleinkind fällt ins Wasser. Menschen stehen am Ufer – und schauen zu. Jehle ist damals 17 Jahre alt. Er steht am Molo, hört die Rufe. Und handelt. "Das war ein Reflex", sagt er heute. "Ich bin hingelaufen und reingesprungen, das war unser Ding, wir waren ständig am Springen." Er taucht mehrere Meter tief. Sucht unter Wasser. "Ich hab einfach das Kind rausgeholt." Warum er – und nicht die anderen? Eine Antwort darauf hat er bis heute nicht. "Vier oder fünf Erwachsene waren sicher da", erinnert er sich. "Aber ich bin einfach reingegangen."
"Der Aufstand war zu groß"
Was nach dem Vorfall am Bodensee passierte, ist für den damals 17-Jährigen fast schwerer zu begreifen als die Rettung selbst. Polizei, Aufregung, Auszeichnungen. "Der Aufstand war zu groß", sagt er. Die Polizei bringt ihn nach Hause, seine Mutter wartet bereits. Später bekommt er die Lebensrettungsmedaille.
Für ihn selbst bleibt die Tat dennoch etwas Selbstverständliches. Auch Jahrzehnte später sieht er sich nicht als großen Helden – sondern einfach als jemanden, der instinktiv gehandelt und damit ein Menschenleben gerettet hat.
(VOL.AT)