"Ich habe das einfach machen müssen" – Gründerin des Götzner Puppentheaters erzählt ihre Geschichte
Die Bühne ist leer, die Figuren sind im privaten Keller verstaut, der Vorhang längst gefallen. Seit Herbst 2025 gibt es das Puppentheater Götzis nicht mehr. Was bleibt, ist die Geschichte einer 88 Jahre alten Frau, die sich ihren Platz auf der Bühne selbst geschaffen hat – neben Familie, Beruf und fernab großer Förderstrukturen. VOL.AT hat sich mit Elisabeth Wolber getroffen und die Geschichte aufgearbeitet.
Der Anfang zwischen Apotheke und Kunst
Elisabeth Wolber ist Pharmazeutin. In den 1960er-Jahren kehrte sie nach dem Studium nach Götzis zurück, übernahm die Elisabeth-Apotheke, gründete eine Familie, bekam drei Kinder. Beruflich ausgelastet, künstlerisch nicht erfüllt. Theater, Zeichnen und bildnerisches Arbeiten begleiteten sie seit der Kindheit.
Der Wendepunkt kam mit einem Puppenbaukurs. "Ich habe plötzlich Material in den Händen gehabt und habe es ganz anders gemacht als die Kursleiterin. Da war die Initialzündung." Kurz darauf inszenierte sie "Zwerg Nase" – gemeinsam mit Rudolf Kurzemann, damals Rundfunksprecher. "Er hatte eine sehr schöne Stimme und war sofort dabei."
Lernen, spielen, weitermachen
Wolber wollte das Handwerk von Grund auf lernen. Sie besuchte Seminare am Figurentheater-Kolleg in Bochum und Fortbildungen in Österreich. Gespielt wurde zunächst im Wohnzimmer, später in Turnhallen von Schulen und Kindergärten. Bühne aufbauen, abbauen, weiterfahren. Mühsam – aber notwendig. "Ich habe das einfach machen müssen", so Wolber.
1980 entstand im Spielkreis Götzis die Sektion Puppentheater. 1983 konnte ein Raum unter dem Vereinshaus adaptiert werden – der erste fixe Spielort. Später folgte die Kulturbühne AMBACH. Schulklassen und Familien aus ganz Vorarlberg kamen nach Götzis.
Alles aus einer Hand
Insgesamt entstanden 14 eigene Produktionen, inspiriert von Märchen und Kinderliteratur wie "Der Froschkönig", "Die kleine Hexe" oder "Das kleine Ich bin ich". Von der Idee bis zur Premiere vergingen oft rund zwei Jahre.
Wolber schrieb Texte, entwarf Figuren, baute Kulissen, führte die Puppen selbst. Für sie war das Figurentheater eine Einheit aus Bild, Text und Musik. "Der Reiz ist das Bild. Über das Bild komme ich an die Emotionen." Die Musik wurde eigens komponiert, unter anderem von Gerold Ammann oder Gerald Futscher.
Über Götzis hinaus – und zurück
Das Puppentheater wurde zu nationalen und internationalen Festivals eingeladen, spielte unter anderem in Mistelbach, Dresden und Tschechien. Finanziell trug sich der Betrieb über viele Jahre selbst durch die zahlreichen Aufführungen, unterstützt punktuell von der Gemeinde.
2025 zog Elisabeth Wolber einen Schlussstrich. Nach zwei letzten Gastspielen endete das Puppentheater. "Es war ein guter Moment", sagt sie heute. Traurig, aber getragen von Anerkennung und Dankbarkeit.
Fast 50 Jahre Puppentheater haben Spuren hinterlassen – bei Kindern, die hier ihr erstes Theater erlebt haben, und im kulturellen Gedächtnis von Götzis. Einen Rat gibt Wolber jungen Interessierten noch mit: "Puppentheater ist ein Handwerk. Das muss man von Grund auf lernen." Ganz losgelassen hat sie die Kunst dennoch nicht: Mit einem Buch zum "Froschkönig" hat sie einen Teil ihres Werks festgehalten – vielleicht folgt noch eines."
(VOL.AT)