Am 19. und 20. Jänner (Startzeit jeweils 10.30 Uhr) stehen am Rendl auf der Strecke "Gampberg" in St. Anton am Arlberg zwei Super-G auf dem Programm, Rennen, die für die Athletin vom SC Arlberg sportlich wie emotional eine besondere Note haben. Heimrennen, kurze Wege, vertrautes Umfeld. Und dennoch: Am Start zählt für die Cousine von Nina Ortlieb nur eines, voll fokussiert zu sein.
Ein Wochenende mit zwei Seiten
Denn die 21-Jährige kommt mit viel Selbstvertrauen nach St. Anton. Erst vor wenigen Tagen feierte sie in Zauchensee ihr Weltcupdebüt und holte mit Rang 30 auf Anhieb ihren ersten Punkt. Ein Moment, der bei ihr persönlich hängen geblieben ist, vor allem aufgrund der Art und Weise, wie das Ergebnis zustande gekommen ist.
"Das war eine meiner stärksten mentalen Leistungen bisher", blickt Zegg zurück. Qualifikation über den Europacup, interne Ausscheidung im ÖSV-Team, hoher Druck und dennoch die Ruhe bewahrt. Am Ende ist der Weltcup, wie sie es nüchtern formuliert, "auch nur ein Lauf, man fährt durch die Tore und versucht, so schnell wie möglich ins Ziel zu kommen".
Überschattet wurde das Rennen auf der "Kälberloch"-Piste vom schweren Sturz ihrer engen Freundin Magdalena Egger. "Das tut mir weh, als wäre es mir selber passiert", sagt Zegg. Gerade weil sich beide auf dieses Wochenende gemeinsam gefreut hatten, sei es "einfach brutal" gewesen. Der Kontakt folgte unmittelbar nach dem Rennen. "Sie ist eine Starke", weiß die Lecherin. "Ich bin mir sicher, dass die Mäggy gesünder und stärker zurückkommt."
Mentale Reife als Schlüssel
Dass die Head-Pilotin aktuell so stabil unterwegs ist, hat für sie vor allem mit einem Schritt im Kopf zu tun. Skifahrerisch sieht sie sich nicht grundlegend verändert, wohl aber in der Herangehensweise. "Ich habe gelernt, aus den Trainings die richtigen Schlüsse zu ziehen und im Rennen da zu sein", erklärt die Speed-Spezialistin.
Routinen geben ihr Halt, kleine Rituale strukturieren den Wettkampftag, vom Aufwärmen bis zum Start. "Mit Druck umzugehen, das habe ich heuer wirklich gelernt." Genau diese Ruhe hilft ihr auch nach weniger gelungenen Rennen, rasch wieder bei sich zu sein: analysieren, abhaken, wieder angreifen.
Die Ergebnisse spiegeln diese Reife wider. In ihrer erst zweiten Europacupsaison liegt die B-Kader-Athletin des ÖSV in der Abfahrtswertung aktuell auf Rang drei, hält bei 175 Punkten und ist damit auf gutem Weg Richtung Weltcup-Fixplatz 2026/27. "Ich habe darauf hingearbeitet, aber erwartet habe ich das so nicht", sagt Zegg. "Wenn es aufgeht, ist es unfassbar. Wenn nicht, dann sollte es wohl so sein, auch wenn ich sicher eine Zeit lang enttäuscht sein werde."
Konzentration auf das Heimrennen
Doch jetzt steht erst einmal St. Anton als nächster Punkt auf der persönlichen To-do-Liste. Auch wenn die Lecherin die Strecke noch nicht aus eigener Rennerfahrung kennt, ist das Umfeld vertraut. "Wenn man ins Panorama schaut, fühlt es sich einfach heimisch an." Kurze Wege, bekannte Gesichter. "Dass meine Mama live dabei sein kann, freut mich besonders." Ein Plus, ohne den Blick zu verlieren. Denn am Start, weiß Leonie Zegg, geht es wieder nur um eines: schnelles Skifahren.
(VOL.AT)