"Ich traue einfach keinem mehr" – Stempelchaos bei Bizauer Hühnereiern sorgt für Verwirrung
Eigentlich will er alles richtig machen: regional einkaufen, kurze Wege, den Bauern unterstützen. Doch als Johannes Reich aus Bizau beim Frühstück entdeckt, dass sich in seiner Eierpackung sowohl gestempelte als auch ungestempelte Eier befinden, wird er stutzig. Er gibt den Eiercode bei der österreichischen Eierdatenbank ein – stößt jedoch ins Leere. In der Folge wird er von Behörde zu Behörde geschickt, ohne eine klare Antwort zu erhalten. Schließlich steht er mit seiner Packung unterschiedlich gekennzeichneter Eier in der Redaktion von VOL.AT und erzählt von seinen Erfahrungen.
Misstrauen trotz Regionalität
Was Johannes Reich besonders irritiert: Er kennt den Bauern, bei dem er die Eier kauft, und unterstützt ihn bewusst – auch, weil er die harte Arbeit am Berg oberhalb von Bizau schätzt. Gerade deshalb hätte er sich Klarheit erwartet. Der aufgedruckte Erzeugercode sollte genau das liefern: Transparenz. Stattdessen stößt er bei seiner Recherche auf leere Trefferlisten und widersprüchliche Zuständigkeiten.
Der Landwirt: "Ich habe nichts falsch gemacht"
Der betroffene Landwirt aus dem Bregenzerwald betreibt einen kleinen Legehennenbetrieb mit rund 60 Hühnern, in seinen Ställen hält er auch Rinder. Seine Eier verkauft er direkt an Endkunden und beliefert zusätzlich ein Hotel in der Region. Die Kennzeichnung mit einem Erzeugercode sei nur für die Lieferung an die Gastronomie vorgeschrieben, erklärt er. Eier, die direkt ab Hof oder über den Kühlschrank im Dorf verkauft werden, müssten nicht gestempelt werden. Kontrollen habe es bei ihm regelmäßig gegeben, auch die Landesveterinärin sei bereits vor Ort gewesen. "Ich habe nichts zu verbergen, die haben bei mir sogar den Stall ausgemessen", sagt der Landwirt. Warum sein Betrieb online nicht auffindbar ist, könne er sich selbst nicht erklären.
Eine naheliegende Erklärung
Nach Einschätzung mehrerer Gesprächspartner liegt die Ursache des Stempelchaos vermutlich in der Praxis des Alltags. Demnach dürften in der betroffenen Eierpackung schlicht Eier durcheinandergeraten sein: solche, die für die Gastronomie bestimmt und daher gestempelt waren, und solche, die für den Direktverkauf gedacht sind und nicht gekennzeichnet werden müssen. Ein Verstoß gegen Vorschriften ergibt sich daraus nicht – für Konsumenten ist diese Durchmischung jedoch kaum nachvollziehbar.
Warum das Stempelchaos entsteht
Die Recherche zeigt: Die österreichische Eierdatenbank ist kein staatliches Register, sondern ein Verein. Nach eigenen Angaben arbeiten dort aktuell vier Personen mit. Die Teilnahme ist freiwillig, ebenso die Veröffentlichung von Namen und Adressen der Betriebe. Voraussetzung dafür ist eine entsprechende Einwilligung der Landwirte. Ein Eiercode kann daher korrekt und gesetzlich vorgeschrieben sein, ohne dass der dazugehörige Betrieb öffentlich abrufbar ist. Laut dem Verein sind rund 90 bis 95 Prozent der österreichischen Legehennenbetriebe erfasst, eine vollständige Abdeckung gibt es jedoch nicht.
Einschätzung des Konsumentenschutzes
Auch der Konsumentenschutz sieht in dem Fall keinen Gesetzesverstoß. Dr. Karin Hinteregger vom Konsumentenschutz Vorarlberg betont: "Aus Konsumentensicht wäre es natürlich wünschenswert, wenn jeder Eiercode öffentlich überprüfbar wäre." Gesetzlich sei das derzeit aber nicht vorgesehen, da es sich um ein freiwilliges System handle. Beschwerden zu diesem Thema seien selten, dennoch könne die fehlende Auffindbarkeit einzelner Codes Konsumenten verunsichern.
Offene Zuständigkeiten
Im konkreten Fall spricht vieles dafür, dass gestempelte Eier für die Gastronomie und ungestempelte Eier für den Direktverkauf in derselben Packung gelandet sind. Ein Verstoß gegen Vorschriften ergibt sich daraus nicht. Welche Informationen ein Eiercode für Konsumenten tatsächlich liefert, hängt davon ab, ob der jeweilige Betrieb in öffentlich zugänglichen Datenbanken erfasst ist – was nicht immer der Fall ist und bei Konsumenten, die bewusst regional einkaufen, für Unmut sorgt.
(VOL.AT)