Ihre Meinung! Braucht Österreich eine Erbschaftssteuer?
Die Frage einer Erbschaftssteuer begleitet die österreichische Politik seit Jahren. Zuletzt hat sie im Zuge der angespannten Budgetsituation und der Diskussion über mögliche Gegenfinanzierungen neue Dynamik erhalten. Konkrete gesetzliche Schritte gibt es derzeit nicht, die Positionen liegen jedoch weit auseinander.
Forderungen nach einer Besteuerung großer Erbschaften
Aus Sicht der Arbeiterkammer sollten große Erbschaften stärker zur Finanzierung öffentlicher Aufgaben beitragen. Der neue Chefökonom der AK, Matthias Schnetzer, spricht sich für eine Erbschaftssteuer aus, die ausschließlich Vermögen in Millionenhöhe betreffen würde. Nach seinen Angaben wäre weniger als ein Prozent der Bevölkerung betroffen.
"Fast alle EU-Länder fordern einen Beitrag aus großen Erbschaften, nur bei uns scheut sich die Politik", argumentiert Schnetzer. Eine stärkere Belastung von Arbeitseinkommen lehnt er ab.
Ablehnung vom Landeshauptmann
Vorarlbergs Landeshauptmann Markus Wallner (ÖVP) lehnt eine Erbschaftssteuer klar ab. "Von mir kommt dazu ein entschlossenes Nein", erklärte Wallner am Montag. Forderungen nach einer solchen Abgabe bezeichnete er als "widersinnige Vorschläge", die "immer den Mittelstand treffen und unnötige Bremsklötze für die Wirtschaft" seien.
Gerade in einer Phase, in der sich erste positive wirtschaftliche Trendwenden abzeichneten, sende eine Erbschaftssteuer laut Wallner das falsche Signal. "Solche Fantasien schaffen nur Verunsicherung", sagte der Landeshauptmann. Argumenten mit hohen Freibeträgen sei nicht zu trauen.
Kritik an zusätzlicher Besteuerung
Deutliche Ablehnung kommt auch von der FPÖ Vorarlberg. Klubobmann Markus Klien warnt vor einer weiteren Erhöhung der Steuer- und Abgabenquote und sieht in einer Erbschaftssteuer eine zusätzliche Belastung für Familien und Betriebe.
"Bereits versteuertes Eigentum darf nicht ein zweites oder drittes Mal besteuert werden. Das ist eine Bestrafung von Leistung und Fleiß und ein Angriff auf Eigentum", so Klien. Besonders problematisch sei, dass Familienbetriebe gefährdet und Menschen gezwungen werden könnten, Vermögen zu veräußern.
Europa kennt keine einheitliche Lösung
Ein Blick nach Europa zeigt, dass Staaten sehr unterschiedlich mit dem Thema umgehen. Während Länder wie Deutschland, Frankreich oder Italien Erbschaftssteuern erheben – meist mit hohen Freibeträgen und Ausnahmen –, haben andere Staaten wie Schweden, Norwegen oder Österreich diese abgeschafft.
Auch in der Schweiz gibt es kein einheitliches Modell, da die Regelungen kantonal unterschiedlich sind. Die Bandbreite reicht von hohen Steuersätzen bis zu weitgehender Steuerfreiheit innerhalb der Familie.
Emotionale Debatte, begrenzter Budgeteffekt
In Ländern mit Erbschaftssteuer trägt diese in der Regel nur einen kleinen Teil zum gesamten Steueraufkommen bei. Gleichzeitig ist kaum eine Abgabe emotional so stark aufgeladen, da sie Eigentum, Immobilien und familiäres Vermögen betrifft.
(VOL.AT)