In Au im Bregenzerwald herrscht derzeit Hochbetrieb – allerdings nicht an Land, sondern im Wasser eines kleinen Teichs im Vorsäß "Zipfel". Dort haben sich aktuell Hunderte und Aberhunderte Erdkröten versammelt, um zu laichen. VOL.AT hat sich vor Ort ein Bild vom Naturschauspiel gemacht.
Warum gerade hier?
Erdkröten verbringen den Großteil des Jahres an Land, meist im Wald. Im Frühjahr jedoch kehren sie gezielt zu jenem Gewässer zurück, in dem sie selbst geschlüpft sind. Oft treffen viele Tiere gleichzeitig ein – so entstehen dichte Ansammlungen wie aktuell in Au. Der kleine Naturteich, herrlich vom Wald umrandet, bietet derzeit ideale Bedingungen. Die feuchte Witterung der vergangenen Tage hat dafür gesorgt, dass die Tiere nahezu gleichzeitig in Bewegung geraten sind – und nun in großer Zahl im Wasser zusammenkommen.
Auffälliges Verhalten im Wasser
Besonders ins Auge fällt das Verhalten der Männchen. Sie klammern sich an die Weibchen fest, teilweise sogar mehrere gleichzeitig. Dieses Verhalten wird als "Amplexus" bezeichnet und ist typisch für Erdkröten während der Fortpflanzung. Die Weibchen übernehmen dabei die zentrale Rolle. Sie legen lange, gallertartige Laichschnüre im Wasser ab, die Tausende Eier enthalten.
Spektakel nur von kurzer Dauer
Das Naturschauspiel ist zeitlich stark begrenzt. Wer aktuell ruhig am Ufer steht, kann das Treiben nicht nur sehen, sondern besonders hören: Die vielen Tiere sorgen für ein deutlich wahrnehmbares Quaken und Bewegen im Wasser. Zum Zeitpunkt des Besuchs von VOL.AT war der Laichvorgang bereits fortgeschritten, an mehreren Stellen im Teich waren schon deutliche Ansammlungen von Laich zu erkennen.
In den kommenden Tagen wird sich das Schauspiel jedoch rasch wieder auflösen – dann kehren die Tiere zurück in ihre Lebensräume an Land.
Expertin ordnet Spektakel ein
Dass sich so viele Tiere auf einmal in einem Gewässer versammeln, ist laut Expertin nichts Ungewöhnliches. Entscheidend seien vor allem die Bedingungen vor Ort. "Da spielen viele ökologische Faktoren eine Rolle – etwa wie das Gewässer liegt oder ob es ideal für die Laichablage ist", erklärt Annette Herburger von der inatura Dornbirn. Auch die intensiven Szenen im Wasser seien typisch für diese Phase. "Es kommt durchaus zu solchen, fast schon orgiastischen Szenen, bei denen mehrere Männchen ein Weibchen umklammern und um es konkurrieren", so Herburger. Dass es dabei auch entsprechend laut wird, sei ebenfalls normal und gehöre zur Laichzeit dazu.
(VOL.AT)