Neun Wochen in einem Waisenheim in Malindi veränderten das Leben von Lisi Felder nachhaltig. Im Sommer 2016 reiste die Vorarlbergerin als Freiwillige nach Kenia. Was sie dort erlebte, ließ sie auch nach ihrer Rückkehr nicht mehr los.
"Das Einfache, die Zufriedenheit und die Freude der Kinder haben mich tief berührt", erinnert sich Felder. Doch schon bald stellte sie fest, dass hinter vielen Kinderheimen in Kenia eine weit komplexere Realität steckt. Viele Kinder hätten noch Eltern, manche Einrichtungen würden laut Berichten Kinder ausnutzen, um Spenden zu erhalten.
Aus einer Reise wurde ein Verein
Der Wunsch, nach Kenia zurückzukehren, blieb. "Mein Herz wollte unbedingt zurück. Dort hatte ich zum ersten Mal das Gefühl, dass ich angekommen bin", erzählt die Mellauerin.
Dass daraus einmal ein Verein entstehen würde, war damals nicht geplant. Gemeinsam mit Unterstützern in Österreich und Kenia entwickelte sich jedoch Schritt für Schritt das Projekt PAMOJA-mitanand. Der Name ist Programm: "Pamoja" bedeutet auf Swahili "gemeinsam", "mitanand" steht für das Vorarlberger "miteinander".
Heute unterstützt der Verein Bildungs-, Gesundheits- und Sozialprojekte in der Region rund um Malindi. Besonderen Wert legt das Team auf nachhaltige Hilfe und die enge Zusammenarbeit mit den Menschen vor Ort.
Kenia erleben statt nur beobachten
Während viele Reisende mit Kenia vor allem Safari, Traumstrände oder Nationalparks verbinden, verfolgt PAMOJA-mitanand einen anderen Ansatz. Besucher sollen nicht nur zuschauen, sondern aktiv am Alltag teilnehmen.
"Bei uns steht das Erleben und Mitanpacken im Vordergrund", sagt Felder. Ob beim Besuch eines Dorfes, in einer Schule oder auf einer Baustelle – Freiwillige lernen die Menschen direkt kennen, helfen mit und erleben den Alltag aus nächster Nähe.
Mit dem neu gegründeten Unternehmen "PAMOJA MITANAND Safaris" werden neben klassischen Safari-Angeboten auch Begegnungen in Dörfern und Partnerschulen organisiert. Ein Teil der Einnahmen fließt direkt in die Vereinsprojekte.
Begegnungen, die unter die Haut gehen
Besonders prägend seien die Besuche bei Familien, die erstmals Unterstützung erhalten. "Das ist jedes Mal ein Durchleben aller Emotionen", erzählt Felder. Von Nervosität über Entsetzen angesichts schwieriger Lebensumstände bis hin zu Dankbarkeit und neuer Motivation sei alles dabei.
Zu den eindrücklichsten Erlebnissen zählt für sie die Fahrt in ein abgelegenes Dorf, um einem zwölfjährigen Patenkind bei einer wichtigen gesundheitlichen Untersuchung beizustehen. Ebenso bewegt sie die Geschichte eines Jungen, den sie bereits 2016 kennengelernt hatte.
Jahre später traf sie ihn wieder. Mit 17 Jahren arbeitete er inzwischen in einem Steinbruch – unter schwierigen Bedingungen und für wenig Lohn. "Der Gedanke, nicht helfen zu können, ist schrecklich", sagt Felder.
Ein Projekt, das vom Ehrenamt lebt
Besonders stolz ist die Vereinsgründerin auf das Engagement ihres Teams. Sämtliche Mitglieder des Kernteams in Österreich und Kenia arbeiten ehrenamtlich. Auch die Projektreisen finanzieren die Beteiligten selbst.
"Nachhaltiges und sinnvolles Helfen ist uns wichtig. Wir arbeiten mit den Menschen vor Ort zusammen und nicht über ihre Köpfe hinweg" betont Felder.Für die kommenden Jahre hat sie einen klaren Wunsch: Das Feuer für das gemeinsame Projekt soll weiter brennen. Gleichzeitig hofft sie, noch mehr Menschen für Kenia begeistern zu können.
"Wenn der Funke überspringt und wir weiteren Besuchern das wirkliche Kenia näher bringen können, dann haben wir viel erreicht."
(VOL.AT)