Internationale Razzia: 55 ukrainische Frauen für Kontoeröffnungen missbraucht
Ein groß angelegter Schlag gegen organisierte Kriminalität hat in Spanien zur Festnahme von zwölf Verdächtigen geführt. Wie Europol am Donnerstag mitteilte, wurden acht Personen in Alicante und vier in Valencia verhaftet. Die Ermittlungen richten sich gegen ein Netzwerk, das laut Behörden systematisch schutzbedürftige ukrainische Frauen ausgenutzt haben soll, um Bankkonten für Geldwäsche und Online-Betrug zu eröffnen.
Frauen gezielt angeworben
Nach Angaben der spanischen Ermittler bestand die mutmaßliche Tätergruppe aus ukrainischen Staatsangehörigen. Zunächst hätten sie die persönlichen Daten spanischer Bürger genutzt, um Konten zu eröffnen. Später hätten sie ihre Strategie geändert und ukrainische Frauen mit vorübergehendem Schutzstatus in Spanien rekrutiert.
Die 55 identifizierten Opfer seien aus stark vom Krieg betroffenen Regionen in der Ukraine gekommen und in "extrem vulnerablen Situationen" gewesen, heißt es von den Behörden. Mitglieder des Netzwerks hätten die Frauen nach Spanien gebracht, sie bei der Kontoeröffnung begleitet und sie kurz darauf wieder in die Ukraine zurückgeschickt. Die Ermittler gehen davon aus, dass die Betroffenen vollständig unter Kontrolle der Verdächtigen standen.
Millionen über Online-Glücksspiel bewegt
Über die eröffneten Bankkonten sollen zahlreiche Kreditkarten beantragt und mit Online-Glücksspielkonten verknüpft worden sein. Ein Teil dieser Spielkonten lief laut Ermittlern auf gestohlene spanische Identitäten, andere auf die Namen der betroffenen Frauen. Bislang seien mehr als 3.000 gestohlene Kreditkarten und über 5.000 gestohlene Identitäten aus 17 Nationen festgestellt worden.
Um die Gewinne zu maximieren, habe die Organisation automatisierte Computersysteme eingesetzt, die großflächige Wetten platzierten. Auf diese Weise seien mehr als 2,7 Millionen Euro auf Wettkonten eingezahlt und über 4,7 Millionen Euro wieder abgehoben worden. Den Gesamtertrag der mutmaßlichen kriminellen Aktivitäten beziffern die Behörden auf rund 4,75 Millionen Euro.
Darüber hinaus sollen auch staatliche Unterstützungsleistungen, die die Frauen aufgrund ihres Schutzstatus erhielten, auf die kontrollierten Konten geflossen sein. Teile der illegal erwirtschafteten Gelder seien in Luxusimmobilien investiert worden.
Razzien in Spanien und der Ukraine
Die zweijährigen Ermittlungen erstreckten sich auf die Bereiche Menschenhandel, Geldwäsche und Betrug. Im Juni 2025 kam es zu einem koordinierten Aktionstag in Spanien und der Ukraine.
Neben den zwölf Festnahmen führten die Behörden neun Hausdurchsuchungen in Spanien – sechs in Alicante und drei in Valencia – sowie acht weitere in der Ukraine durch. Dabei wurden 88 Mobiltelefone, 20 Computer, 500 SIM-Karten, vier Fahrzeuge und 22 sogenannte Bots sichergestellt. Zudem beschlagnahmten die Einsatzkräfte 73.000 Euro und 4.200 US-Dollar Bargeld sowie Kryptowährungen im Wert von 200.000 Euro. Insgesamt wurden 153 Bankkonten in elf Ländern eingefroren, identifiziert oder blockiert.
Die spanische Policía Nacional leitete die Ermittlungen in enger Zusammenarbeit mit der Nationalen Polizei der Ukraine. Unterstützt wurden sie von Europol und Interpol. Europol entsandte eigenen Angaben zufolge auch einen Spezialisten nach Spanien, um den Einsatz vor Ort operativ zu begleiten.
Die Ermittlungen dauern an. Für die Beschuldigten gilt die Unschuldsvermutung.
(VOL.AT)